{"id":13042,"date":"2019-08-19T12:46:54","date_gmt":"2019-08-19T10:46:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=13042"},"modified":"2019-08-19T13:24:08","modified_gmt":"2019-08-19T11:24:08","slug":"kw-34-2019-looking-for-bob-dylan-ein-traum-von-einem-buch-wenn-man-dylan-deutschland-und-den-geist-der-60er-jahre-ergruenden-moechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=13042","title":{"rendered":"KW-34-2019: LOOKING FOR BOB DYLAN (von Michael Brenner) &#8211; Ein Traum von einem Buch, wenn man Dylan, Deutschland und den Geist der 60er Jahre ergr\u00fcnden m\u00f6chte."},"content":{"rendered":"<h1 id=\"title\" class=\"a-size-large a-spacing-none\" style=\"text-align: center;\"><span id=\"ebooksProductTitle\" class=\"a-size-extra-large\">Looking for Bob Dylan: Bob Dylan, Zeitgeschichte &amp; Zeitgeist Vol I: Krieg der Generationen<\/span><\/h1>\n<h1 class=\"a-size-large a-spacing-none\" style=\"text-align: center;\"><span id=\"ebooksProductTitle\" class=\"a-size-extra-large\">&#8230; ein Traum von einem Buch &#8230;<\/span><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-13043\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Im Umfeld der nostalgischen Berichterstattung um das 50. Jubil\u00e4um des &#8222;Love, Peace &amp; Music&#8220;-Festival Woodstock tobten sich die Feuilletonisten\/innen und Kulturredakteure\/innen in Er- und Verkl\u00e4rungsversuchen aus. Es ging ihnen vielfach um den Mythos von Woodstock und derer Protagonisten. Manche versuchten sogar den &#8222;Geist der 60er Jahre&#8220; in ihrer nostlagischen Zeitreise auf dem Papier (oder Bildschirm) einzufangen und auch diesen gleich noch mit zu er- und verkl\u00e4ren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Michael Brenner geht da ganz anders vor, wenn er die 60er und die jeweilige Dekade davor und danach beschreibt. Er schreibt in seinem knapp 300 Seiten Buch, was f\u00fcr ihn diese derzeit so viel beachtete Zeit ausmacht, was ihn damals umgab und wovon er sich beeindrucken und sozialisieren lie\u00df: Popul\u00e4re Musik. Er schreibt aber auch \u00fcber den, der f\u00fcr diese &#8222;popul\u00e4re Musik&#8220; zur damaligen Zeit stand: Bob Dylan.<\/strong><\/p>\n<p>Was Michael Brenner mit dieser Vorgehensweise gelingt<span class=\"cr-widget-FocalReviews\" data-hook=\"cr-widget-FocalReviews\"><span class=\"a-size-base review-text\" data-hook=\"review-body\"><span class=\"\">, ist eine\u00a0 Zeitreise durch die Sechziger und Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, ohne nostalgisch zu klingen oder zu werden. Das spanndende dabei ist, wie er dabei zum einen, <\/span><\/span><\/span><span class=\"cr-widget-FocalReviews\" data-hook=\"cr-widget-FocalReviews\"><span class=\"a-size-base review-text\" data-hook=\"review-body\"><span class=\"\">das Leben und Wirken von Bob Dylan und zum anderen die Geschehnisse in den 60ern, also zu Beginn von Dylans Karriere in den USA und Deutschland mit seiner eigenen Biographie, verkn\u00fcpft und beschreibt. Resultat ist nicht nur der individuelle R\u00fcckblick in die eigene Zeitgeschichte, sondern auch ein solcher in die von Bob Dylan.\u00a0 <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"cr-widget-FocalReviews\" data-hook=\"cr-widget-FocalReviews\"><span class=\"a-size-base review-text\" data-hook=\"review-body\"><span class=\"\">Brenner schreibt von sich, ja. Aber nie ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu stellen. Im Mittelpunkt steht Dylan und die Zeit, erz\u00e4hlt von einem, der zuf\u00e4llig in einer \u00e4hnlichen Zeit geboren wurde, wie Dylan und die Zeit miterlebt hat. Brenner schreibt auch \u00fcber den &#8222;Krieg der Generationen&#8220;, in dem sich die &#8222;Gegner&#8220; nie verstanden. Brenner erkl\u00e4rt warum.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Danke f\u00fcr dieses Buch. Ich habe lange nicht mehr ein so gutes Buch \u00fcber Bob Dylan gelesen. Es gibt ja sehr viele Dylanologen, die gerne Dylan er- und verkl\u00e4ren. Den Eindruck hat man bei Michal Brenners Buch nie, im Gegenteil, Er schafft es, neue Blickwinkel zu er\u00f6ffnen. <\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">&#8222;Was mir an Ihrem Buch auch sehr gut gef\u00e4llt, sind Ihre Selbst-Bez\u00fcge, die nie aufdringlich oder zu &#8222;Ich-Bezogen&#8220; daherkommen&#8220;, schrieb ich in einer Art &#8222;Dankes-Mail an den Autor. &#8222;<\/span><span style=\"font-size: small;\">Wof\u00fcr ich auch ganz pers\u00f6nlich danke: Sie erkl\u00e4ren mir das Jahrzehnt &#8211; die 60er &#8211; in dem ich zwar geborebn wurde (1963), das mir aber nicht mehr wirklich pr\u00e4sent ist, bis auf die Tatsache, da\u00df ich mit meinem Opa vor einem Schwarz-Wei\u00df-Fernseher sa\u00df, die Mondlandung sah. Dar\u00fcber hinaus erl\u00e4utern sie auch sehr beispielhaft &#8211; und auch ohne sich als Autor mit zu viel &#8222;Ich&#8220; einzubringen, was und wie die 60er jahre waren, sowohl in den USA, in Bezug auf Dylan wie auch in Deutschland.<br clear=\"none\" \/><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Ich mu\u00df gestehen, ich bin erst 1978 bei Dylan eingestiegen, war damals auch in N\u00fcrnberg. Die fr\u00fchen Sachen haben mir nie so richtig gut gefallen, ich fand &#8222;Desire&#8220; und &#8222;Street Legal&#8220; und auch das &#8222;Budokan&#8220;-Album Klasse. Die 60er Alben arbeitete ich erst viel sp\u00e4ter auf. Und ja, ich bin auch einer, der \u00fcber Cohen zu Dylan kam. Man sagt ja, Dylan-Fans m\u00f6gen Cohen und Cohen-Fans m\u00f6gen auch Dylan. Nun, f\u00fcr mich sind beide die zwei Wort- und Liedschmiede der Popul\u00e4ren Musik schlechthin. &#8211;<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Sie offerieren Textinterpretation, geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenh\u00e4nge und Hintergrundinformationen. Dar\u00fcber hiaus lassen Sie auch Dylan mit Zitaten selbst zu Wort kommen, was das Verst\u00e4ndnis von Leben und Werk Bob Dylans enorm vereinfacht. &#8211; Dylan haben Sie mir mit Ihrem Buch noch n\u00e4her gebracht. Allein daf\u00fcr Dank. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Band. <\/span><span class=\"cr-widget-FocalReviews\" data-hook=\"cr-widget-FocalReviews\"><span class=\"a-size-base review-text\" data-hook=\"review-body\"><span class=\"\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zitate<\/strong><\/p>\n<p>die freundlicherweise vom Autor, Michael Brenner zur Ver\u00f6ffentlichung freigegeben wurden:<\/p>\n<p><strong>Zitate 1: Introduction<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Ich wurde 1951 geboren. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in dem trostlosen westdeutschen Nachkriegsland, in der materiellen Not und der menschlichen D\u00fcrre nach dem Nationalsozialismus. Mein Vater hatte in Hitlers Wehrmacht gek\u00e4mpft und war psychisch krank. Meine Mutter, ein verletztes junges M\u00e4dchen, das Schlimmes erlebt hatte. Wer die H\u00f6lle auf Erden suchte, fand sie in den traumatisierten Familien Deutschlands nach 1945 so wie ich in meiner.<\/p>\n<p>Doch mit den 1960ern begann f\u00fcr J\u00fcngere die gef\u00fchlte Befreiung. Mit den Songs der Beatles und Rolling Stones, mit langen Haaren, kurzen R\u00f6cken und der sexuellen Revolution. Die laute Beatmusik ver\u00e4nderte auch meine kleine Welt wie Licht die Dunkelheit. Dann \u00f6ffnete Bob Dylan die T\u00fcr zu den Sternen. Er konnte \u00fcber das singen, was ich mich nicht einmal traute zu denken.<\/p>\n<p>Seine Lieder verk\u00fcndeten <em>Protest<\/em> gegen die Verh\u00e4ltnisse und Tr\u00e4ume einer besseren Welt. <em>The purpose of Art is to inspire<\/em> hat er einmal gesagt. Das tat er. Wie kein anderer K\u00fcnstler verbreitete Bob Dylan mit seiner Musik soziale und politische Inhalte. Mit Siebzehn entdeckte ich ihn, danach war mein Leben nicht mehr dasselbe. Tag und Nacht lauschte ich seinen Songs.<\/p>\n<p>Er wirkte wie eine Droge, die mich und meinen Blick auf die Realit\u00e4t ver\u00e4nderte. <em>The times they are a-changin\u2019<\/em> und <em>Blowin\u2019 in the wind<\/em> stehen heute in Geschichtsb\u00fcchern. <em>Masters of war<\/em>, die w\u00fctende und aggressive Anklage gegen Milit\u00e4r und Kriegstreiber, kann als ein Meilenstein der Zivilisation gesehen werden. Sp\u00e4ter dann verdichtete er mit <em>Like a rolling stone<\/em> die Gef\u00fchlswelt der J\u00fcngeren zu einem einzigen genialen Song, der alles erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Ohne Bob Dylan w\u00e4ren die 1960er nicht <em>die Sechziger <\/em>gewesen. Heftig und unumkehrbar ver\u00e4nderten die J\u00fcngeren die Welt. Sie f\u00fchrten zu einem gesellschaftlichen Wandel, der die westlichen Werte und Lebensweisen bis in die Gegenwart bestimmt. Fr\u00fchreif machte ich bei politischen Aktivit\u00e4ten mit und lie\u00df mich mit Lenin, Marx und Mao schulen. Bei Demonstrationen warf ich Steine auf Polizisten, gegen den schmutzigen Krieg in Vietnam, gegen Napalm und Agent Orange auf Kinder, gegen den Bundeskanzler mit der Nazi-Vergangenheit, gegen meine Wut und Leere, gegen die Welt, wie sie war. Manchmal stahlen wir dem Schulverein etwas Geld und schickten es dem Vietcong f\u00fcr den Kampf um sein Land. Mit siebzehn sa\u00df ich eine Nacht im Gef\u00e4ngnis. Ich war jung, schrie herum wie alle anderen und glaubte, wir w\u00fcrden gewinnen.<\/p>\n<p>Unausweichlich musste ein Junge wie ich auf Bob Dylan treffen. Seine Songs begleiteten mich wie ein guter Freund oder ein \u00e4lterer Bruder, er stand mir n\u00e4her als meine Eltern. Doch wer ist Bob Dylan? Nur die Projektionsfl\u00e4che meiner jugendlichen Hoffnungen und Tr\u00e4ume? S\u00e4nger und Musiker oder Erl\u00f6ser? Ein Poet? Ein Aktivist f\u00fcr Frieden und Humanit\u00e4t? Oder ein politischer Akteur oder Prophet? Ein musikalischer Pilger oder gar Revolution\u00e4r? Ein Feldherr mit Songs als Waffen? Eine Illusion?<\/p>\n<p><strong>Zitate 2: The art of Bob Dylan<\/strong><\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte sich, bevor es ihn tats\u00e4chlich gab, in den 1950ern einen Jungen vorstellen k\u00f6nnen, der sich mit einer Gitarre und Mundharmonika vor Zehntausende stellt und singt, dass die Welt nicht in Ordnung sei? Wer h\u00e4tte dar\u00fcber hinaus noch denken k\u00f6nnen, dass dieser Junge von seiner Generation daf\u00fcr auf fast religi\u00f6se Weise verstanden, verehrt und geliebt wird? Und wer h\u00e4tte, bevor es tats\u00e4chlich geschah, auch nur ahnen k\u00f6nnen, dass Millionen und Abermillionen Heranwachsende kollektiv aufh\u00f6ren k\u00f6nnten, an das zu glauben, was ihnen Eltern, Politiker und die Kirchen \u00fcber das menschliche Zusammenleben und Dasein erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Was in der weiteren Entwicklung zum Kampf f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und Gleichberechtigung des afroamerikanischen Bev\u00f6lkerungsteils, zum Widerstand gegen den Vietnamkrieg, zur sexuellen Revolution, zu den Hippies, zur spirituellen Bewegung oder zur Befreiung der Frauen in der Jugendrevolte der 1960er f\u00fchren sollte, hatte wichtige Wurzeln in der Hinwendung zur Folkmusik der fr\u00fchen 1960er. Sie stand f\u00fcr menschliche Ideale, gesellschaftlichen Fortschritt und die Tr\u00e4ume einer besseren Zukunft.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Im Mai 1963 brachte er mit <em>The freewheelin\u2019 Bob Dylan <\/em>sein n\u00e4chstes Album heraus, dann im Januar 1964 ein weiteres, <em>The times they are a-changin\u2019<\/em>. Es wurden zwei Platten, die heute als Meisterwerke und Kulturdenkm\u00e4ler gelten. Auf ihnen verdichtete er das gesellschaftliche Klima seiner Zeit zu archetypischen Liedern und politischen Protestsongs. Sie erz\u00e4hlten von Armut und Unrecht, von Rassismus, Unterdr\u00fcckung und sozialer Ungerechtigkeit. Das Bild eines Albtraum-Amerikas, eines tief gespaltenen Landes im Umbruch. Klar und kraftvoll sprach Bob \u00fcber den Zustand der Welt, in einer Weise, wie es noch nie jemand vorher getan hatte. Seine Worte und Songs wirkten wie Ohrfeigen gegen den Zustand dieser Welt, vielschichtiger und tiefer als die anderer S\u00e4nger. Bob Dylan und seine Musik standen f\u00fcr etwas radikal Neues.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Menschliche Geschichte ist die Geschichte von Wachstum und Ver\u00e4nderungen. Zu Anfang der sechziger Jahre hatte in Amerika das intensive Jahrzehnt von sozialem Aufruhr und Umbruch begonnen. Eines der politischen Schlachtfelder war der Kampf der Afroamerikaner f\u00fcr B\u00fcrgerrechte in den vom Rassismus gepr\u00e4gten Bundesstaaten des S\u00fcdens. Ein anderes der Kalte Krieg und die allgegenw\u00e4rtige Gefahr des Weltuntergangs. Bob schrieb \u00fcber diese Themen und bezeichnete seine Songs als <em>zeitgen\u00f6ssisch<\/em>.<\/p>\n<p>Wie intuitiv konnte er das skeptische Lebensgef\u00fchl der Heranwachsenden in Worte pressen und die latente Stimmung nach gesellschaftlicher Erneuerung fokussieren. Bob war derjenige, dem es in gro\u00dfer Tiefe gelang, Gedanken und Gef\u00fchlen zur Realit\u00e4t auszusprechen. So erreichte und bewegte er sein Publikum wie kaum ein anderer. Wie besessenen schrieb er Songs, die wie Befindlichkeitsmeldungen seiner Seele und wie soziale Berichterstattung \u00fcber den Zustand Amerikas und der Welt klangen. Seine Worte h\u00f6rten sich brennend aktuell und einhundert Jahre alt zugleich an.<\/p>\n<p>In vielen seiner Lieder agierte Bob politisch, jedoch nicht mit einfachen Parolen, Schlagworten oder Forderungen, also nicht mit denjenigen Verhaltensweisen, mit denen Politiker \u00fcblicher-weise zur Macht streben, sondern in Form von poetisch-musikalischen Stimmungsbildern. Aber sie wirkten weitaus m\u00e4chtiger und bewusstseinsver\u00e4ndernder als jede tagespolitische Parole es gekonnt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Das Faszinierende, das, was die Menschen anfixte, waren seine Worte, seine Beschreibungen von gesellschaftlicher Realit\u00e4t. Textzeilen, Sprachbilder und Begriffe wie <em>Don\u2019t think twice<\/em>, <em>Hard rain <\/em>oder <em>Blowin\u2019 in the wind<\/em> l\u00f6sten sich nach kurzer Zeit von seinen Songs und wurden im Weltbild und im Wortschatz unz\u00e4hliger Jugendlicher zu selbstverst\u00e4ndlichen Synonymen von Gef\u00fchlen und Lebensumst\u00e4nden, wie eingebrannt im Bewusstsein seiner Generation.<\/p>\n<p>Zunehmend verbreitete sich unter J\u00fcngeren eine wachsende Distanz und Rebellion gegen die Welt wie sie war. Neue Wertvorstellungen und Lebensstile kamen auf. Folk- und Protestmusik wurde zum wichtigen Ausdrucksmittel des stetig wachsenden Unbehagens gegen\u00fcber Werten und Lebensweise der Elterngeneration, der etablierten Kultur und den politischen Zust\u00e4nden. Schon bald sollte die Entwicklung in dem Wort <em>Protest<\/em> m\u00fcnden. Nach kurzer Zeit galten Bob-Dylan-Songs als Ausdruck des politischen Erwachens seiner Generation.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Un\u00fcbersehbar zog er gro\u00dfe Zuneigung auf sich. Auf der B\u00fchne wirkte er lebendig und charmant, vor allem wenn er mit seinem Publikum redete, so als ob er mit ihm flirtete. Mit seiner Hingabe an die Musik, den Geschichten, die er erz\u00e4hlte und mit seinen brillanten Songs erschien er wie eine Mischung aus Huckleberry Finn, Charlie Chaplin und einem herumstreunenden Stra\u00dfenk\u00f6ter, so als m\u00fcsse man ihn knuddeln und als kostbar besch\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Der Song<em> Only a pawn in their game<\/em> erscheint als tiefsinnige und brillante Analyse zum Mechanismus der gesellschaftlichen Macht und Unterdr\u00fcckung im Allgemeinen und zum Rassismus im Besonderen. Selbst der \u00c4rmste unter den allerschlimmsten Lebensbedingungen ben\u00f6tigt noch ein Feindbild, also jemanden, auf den auch er herabsehen kann, weil er sich sonst gegen die Verh\u00e4ltnisse wehren w\u00fcrde und damit die Macht der M\u00e4chtigen gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Sonst w\u00e4re es ja egal, wie es ihm ergeht. <em>And the poor white remains <\/em><em>[&#8230;] <\/em><em>But it ain\u2019t him to blame. He\u2019s only a pawn in their game. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Treffende Worte und aktuell bis in die Gegenwart, betrachtet man diejenigen, die einen Donald Trump zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt oder in Gro\u00dfbritannien f\u00fcr den Brexit gestimmt haben, sich von der Europ\u00e4ischen Union abwenden oder in EU-Europa rechten Parteien hinterherlaufen. Wahlentscheidungen und Trotz gegen politisches Versagen und Realit\u00e4tsverlust. Individuell vielleicht nachvollziehbar, aber eben nur als Reaktion auf Symptome und Fehlentwicklungen der etablierten Herrschaftsstrukturen statt eine l\u00f6sungsorientierte Reaktion auf Ursachen. Die gesellschaftlichen Verlierer, <em>the poor white men<\/em>, sind nur Bauern im Schachspiel der M\u00e4chtigen. Sie sind, so Bobs klare Sichtweise, lediglich <em>Looser<\/em>, mit der Bestimmung, politisch missbraucht zu werden. In diesem Lied wird der Mechanismus der Macht brillant formuliert. <em>Only a pawn in their game<\/em>, vielleicht einer der gr\u00f6\u00dften antifaschistischen Songs aller Zeiten.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Auf dem Weg von Robert Zimmerman zu Bob Dylan hatte er in sich etwas geahnt, von dem andere sich nicht einmal vorstellen konnten, dass es \u00fcberhaupt existierte. Er glaubte an sich und seine Visionen, bis er schlie\u00dflich den Platz an der Spitze erreichte. Er war <em>der<\/em> herausragende Folklore- und Protests\u00e4nger geworden, angekommen im Olymp der G\u00f6tter.<\/p>\n<p><strong>Zitate 3: Bob Dylan<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Menschen k\u00f6nnen sich nicht aussuchen, wo und zu welchem Zeitpunkt der Geschichte sie geboren werden. Sie sind nur Reisende, die f\u00fcr die kurze Zeitspanne ihres Lebens anwesend sind. In sp\u00e4teren Jahrhunderten, wenn es sie dann gibt, werden Menschen sich vielleicht fragen, wie war es, in den 1960ern dabei gewesen zu sein? Wie war es, den Kalten Krieg, die Kuba-Krise und den Krieg in Vietnam zu erleben, die Concorde und die Mondlandungen, die Beatles und Bob Dylan?<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Ein Zeitzeuge, einer seiner fr\u00fchen Mitsch\u00fcler, erinnert Bob als ein eher stilles und scheues Kind. Jahre sp\u00e4ter beschreibt ihn der Englischlehrer seiner Highschool als ein <em>loner<\/em> und <em>introverted<\/em>, als einen Jugendlichen, der interessiert war und viel nachgedacht hat.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Offensichtlich war Bob nicht jemand, der im Mittelpunkt stand. In dem Haus, das seine Eltern in Hibbing gekauft hatten, fand er eine Gitarre und begann sie zu erlernen. Ebenso besch\u00e4ftigte er sich mit dem Klavierspiel.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.\u00a0 <\/strong>Auf der Highschool freundete er sich im Fr\u00fchjahr 1958 mit Marvel Echo Star Helstrom an, meist Echo genannt. Bobs <em>Highschool-sweetheart<\/em>. Nach Beschreibungen von Dylan-Biografen soll sie ein cooles weltoffenes M\u00e4dchen gewesen sein: <em>Helstrom, a free-spirited blonde from a less-affluent section of town than the Zimmerman family<\/em>, wird sie von Wikipedia dargestellt. Offenbar war Echo anders als die gro\u00dfe Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossinnen im engen und kleinst\u00e4dtischen Hibbing. F\u00fcr die damaligen Verh\u00e4ltnisse verk\u00f6rperte sie Au\u00dfenseitertum und Rebellion. Bob muss von ihr fasziniert gewesen sein. In der konservativen Welt der f\u00fcnfziger Jahre galten weibliche Wesen als minderwertig und waren in rigide gesellschaftliche Konventionen und umfassende Strukturen realer Unterdr\u00fcckung eingesperrt. <em>Frauen<\/em> galten als Beifang und dienten der Versch\u00f6nerung des m\u00e4nnlichen Lebens.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Echo beschrieb ihre Herkunft als <em>from the other side of the tracks<\/em>, sie lebte in anderen Verh\u00e4ltnissen als Robert, der Mittelschichtsjunge. <em>He was rich folk and we were poor folk. [&#8230;] He was Jewish and we were German, Swedish, Russian, and Irish, all mixed together<\/em>.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Offenbar verband beide eine gemeinsame Weltsicht. <em>Both Echo and Bob seemed so sorry for the working people. Bob\u2019s brother, David Zimmerman, told [the autor] Shelton: \u2018Bobby always went with the daughters of miners, farmers, and workers. <\/em><em>He just found them a lot more interesting.\u2019<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Bob tr\u00e4umte intensiv davon, aus seiner famili\u00e4ren Umgebung herauszukommen und ein komplett anderes Leben zu f\u00fchren. Nicht ungew\u00f6hnlich, denn jugendliche Gedanken von Entfremdung, und Tr\u00e4ume eines alternativen Daseins in anderen Realit\u00e4ten sind nicht selten. In kranken und zerst\u00f6rerischen Familiensystemen gelten Abnabelung und Ausbruch als gesunde, manchmal auch lebensrettende Verhaltensweisen. Doch solche Umst\u00e4nde waren bei ihm nicht gegeben, selbst wenn seine Fantasien, in eine andere Gestalt schl\u00fcpfen zu wollen, offenbar stark ausgepr\u00e4gt waren, wenn er \u00fcber seine Jugend sagt:<em> Die Musik gab mir das Gef\u00fchl jemand anders zu sein, [&#8230;] manchmal werden Menschen mit dem falschen Namen in der falschen Familie geboren<\/em>.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lebte Bob in einer freundlichen famili\u00e4ren Umgebung. Hinweise auf eine ungl\u00fcckliche Kindheit, mangelnde Zuneigung oder gar ungew\u00f6hnliche Konflikte lassen sich nicht erkennen. Er hatte ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seinen Eltern, wobei er seiner Mutter n\u00e4hergestanden haben soll als seinem Vater. Die typischen Fragen, die w\u00e4hrend der Pubert\u00e4t in den K\u00f6pfen von Heranwachsenden herumwirbeln, werden auch ihn besch\u00e4ftigt haben. Wie funktioniert die Welt? Was gibt es zu entdecken? Wer bin ich? Was will ich vom Leben?<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zitate 4:\u00a0 Kalter Krieg<\/strong><\/p>\n<p><em>The rooms were so much colder then. My father was a soldier then. And times were very hard. When I was young, when I was young.<\/em> Treffende Worte aus dem Song <em>When I was young<\/em> von 1967 des englischen Rock- und Bluesmusikers Eric Burdon, geboren 1941.\u00a0 <strong>\u2026.<\/strong><em>\u00a0 <\/em><em>How does it feel, how does it feel?<\/em> Der Refrain aus dem Song <em>Like a Rolling Stone <\/em>von Bob Dylan. Keine Frage nach der Befindlichkeit, sondern Wut \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Nie wurden die endlosen Jahre des Kalten Kriegs treffender beschrieben als in Bobs Song <em>A hard rain\u2019s a-gonna fall<\/em>, einem Denkmal f\u00fcr die Ewigkeit, vergleichbar dem Guernica-Gem\u00e4lde von Pablo Picasso oder dem Gedicht <em>The Waste Land<\/em> von T.S. Eliot.<\/p>\n<p><em>I heard the sound of a thunder, it roared out a warnin\u2019.<\/em><em> Heard the roar of a wave that could drown the whole world. Heard one person starve, I heard many people laughin\u2019. <\/em>Gro\u00dfe Poesie.<em> Heard the song of a poet who died in the gutter, heard the sound of a clown who cried in the alley. [\u2026]<\/em> <em>Where hunger is ugly, where the souls are forgotten. <\/em><em>Where black is the color, where none is the number<\/em><em> and I<\/em><em>\u2019<\/em><em>ll tell it and speak it and think it and breathe it.<\/em><em> And reflect from the mountains so all souls can see it.<\/em><a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Tiefe und unglaubliche Worte, ein Grund stolz zu sein, zur Menschheit zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Zeiger der <em>Doomsday Clock<\/em>, des symbolischen Count down zum Weltuntergang, zeigten den Ernst der Lage. Es war wenige Minuten vor Zw\u00f6lf f\u00fcr die Menschheit.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Ohne Zweifel stand der <em>Big Bang<\/em> bevor. Dem jungen Robert Zimmerman wurde in der Schule gesagt, er solle beim nuklearen Angriff der Russen unter einen Tisch kriechen und immer darauf vorbereitet sein, dass russische Fallschirmj\u00e4ger \u00fcber Hibbing, Minnesota, abspringen k\u00f6nnten. Nach Sch\u00e4tzungen sollen im Kalten Krieg in den USA mehr als zweihunderttausend Atomschutzbunker entstanden sein. Eine gigantische Vernichtung von Volksverm\u00f6gen, das man im Kampf gegen Armut und Unrecht h\u00e4tte besser einsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Westdeutschland wurde Kindern verk\u00fcndet, die Russen w\u00fcrden ihnen Brot und Zahnb\u00fcrsten wegnehmen. W\u00e4hrend der Schulzeit fanden regelm\u00e4\u00dfig Alarm\u00fcbungen statt, bei denen die Sirenen auf den D\u00e4chern von Schulen und \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden aufheulten und die Kinder schnell die Klassenzimmer verlassen mussten. Doch bis sich alle auf dem Schulhof versammelt h\u00e4tten, w\u00e4ren sie l\u00e4ngst zu radioaktivem Staub pulverisiert worden. In einem oft belachten Heftchen der Regierung stand, dass es bei einem Atomangriff helfen w\u00fcrde, die Aktentasche \u00fcber den Kopf zu halten oder in den Keller zu gehen. Beschwichtigung, Propaganda, L\u00fcgen und <em>Fake<\/em>. Kindern und Jugendlichen hinter dem Eisernen Vorhang wurde \u00e4hnliches erz\u00e4hlt. Der Feind war immer der andere.<\/p>\n<p>Wirkliche Schutzma\u00dfnahmen gab es keine. Die aufsteigenden Atompilze h\u00e4tten innerhalb weniger Minuten gro\u00dfe Teile der Zivilisation unwiderruflich ausgel\u00f6scht. Umfassende ideologische Beeinflussung und Desinformation galten als wichtige Waffen im Kalten Krieg, nicht viel anders als in den Kriegen der Gegenwart, lediglich die Methoden haben sich ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Als Bob in Greenwich Village lebte, wurden auf der Madison Avenue, New Yorks Prachtstra\u00dfe, kleine Schutzbunker verkauft, die <em>Fallout Shelter, <\/em>denn in jedem Augenblick konnte der Weltuntergang beginnen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> Viele Jahrzehnte galt <em>Hard rain<\/em> als ein Synonym der nuklearen Vernichtung. Sp\u00e4ter schien der Refrain auf den <em>sauren Regen<\/em> und die menschgemachten Katastrophen des Klimawandels zu passen. Und wenn man m\u00f6chte, lassen sich die Bilder des Songs auch auf die heutigen Irrwege in Politik und Gesellschaft anwenden.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Mit der atomaren Bedrohung und dem Tod im Weltuntergang besch\u00e4ftigten sich viele K\u00fcnstler, nicht nur Bob Dylan. Mit stetigem Anwachsen der jugendlichen Gegenkultur griffen immer mehr Songs diese Themen auf. Vermutlich keiner so spektakul\u00e4r und mit so heftigen Reaktionen wie <em>Eve of destruction, <\/em>im Sommer 1965 gesungen von Barry McGuire.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Ein Song, der f\u00fcr seine politische Lyrik gro\u00dfe Beachtung fand und sich weltweit \u00fcber die Hitparaden ausbreitete. Ein Nummer-eins-Hit, der die Uhrzeit der <em>Doomsday Clock <\/em>verk\u00fcndete. Ein unglaublicher Vorgang, ein musikalisches Pearl Harbor f\u00fcr das Establishment und seine Darstellung gesellschaftlicher Realit\u00e4t. <em>Eve of destruction<\/em> vermittelte ein bet\u00f6rendes Bild der Endzeitstimmung, die viele empfanden.<\/p>\n<p>Was mit Bob Dylan und seinen Protestsongs begann wurde schnell zum Allgemeingut. Immer mehr Beat- und, wie es dann sp\u00e4ter hie\u00df, Popsongs vermittelten ein gesellschaftskritisches Weltbild, weil sich zunehmend mehr K\u00fcnstler nun trauten, offen und ohne Angst vor politischer Zensur \u00fcber die Realit\u00e4t zu singen. Der unbefriedigende Status quo, die Bedrohung der menschlichen Existenz und die Herrschaft der Kriegsstrategen wurden aus den Hinterzimmern der Macht in die \u00d6ffentlichkeit gezerrt. Sich gegen die Verh\u00e4ltnisse zu wehren wurde zum <em>Zeitgeist<\/em>.<\/p>\n<p>Immer mehr Beat- und, wie es dann sp\u00e4ter hie\u00df, Popsongs vermittelten ein gesellschaftskritisches Weltbild, weil sich zunehmend mehr K\u00fcnstler nun trauten, offen und ohne Angst vor politischer Zensur \u00fcber die Realit\u00e4t zu singen. Der unbefriedigende Status quo, die Bedrohung der menschlichen Existenz und die Herrschaft der Kriegsstrategen wurden aus den Hinterzimmern der Macht in die \u00d6ffentlichkeit gezerrt. Sich gegen die Verh\u00e4ltnisse zu wehren wurde zum <em>Zeitgeist<\/em>.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0\u00a0 Nie wurden die endlosen Jahre des Kalten Kriegs treffender beschrieben als in Bobs Song <em>A hard rain\u2019s a-gonna fall<\/em>, einem Denkmal f\u00fcr die Ewigkeit, vergleichbar dem Guernica-Gem\u00e4lde von Pablo Picasso oder dem Gedicht <em>The Waste Land<\/em> von T.S. Eliot.<\/p>\n<p><em>I heard the sound of a thunder, it roared out a warnin\u2019.<\/em><em> Heard the roar of a wave that could drown the whole world. Heard one person starve, I heard many people laughin\u2019. <\/em>Gro\u00dfe Poesie.<em> Heard the song of a poet who died in the gutter, heard the sound of a clown who cried in the alley. [\u2026]<\/em> <em>Where hunger is ugly, where the souls are forgotten. <\/em><em>Where black is the color, where none is the number<\/em><em> and I<\/em><em>\u2019<\/em><em>ll tell it and speak it and think it and breathe it.<\/em><em> And reflect from the mountains so all souls can see it.<\/em><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Tiefe und unglaubliche Worte, ein Grund stolz zu sein, zur Menschheit zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Zitate 5: Krieg der Generationen<\/strong><\/p>\n<p>Bob Dylan (&#8230;.) gilt nicht nur als einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts, sondern war in den 1960ern auch Stimme und Gesicht der sozialen und politischen Revolte der Jugend. Zum ersten Mal in der menschlichen Geschichte rebellierte eine ganze Generation gegen die Welt ihrer Eltern.<\/p>\n<p>Aus sozialpsychologischer Sicht erm\u00f6glichten seine Protest-Songs und seine Person in einer noch nie dagewesenen Weise Identifizierung und Projektion zugleich. Folgt man C.G. Jung und seinen psychologischen Vorstellungen, dass es so etwas wie die <em>kollektiven Mythen<\/em> einer Generation gibt, dann hatte Bob intuitiv den Weg dorthin gefunden. Es war, als k\u00f6nne er das Unbewusste seiner Generation ans Tageslicht zerren und es aussprechen. Wie ein Pablo Picasso oder ein Salvador Dal\u00ed drang er in neue Dimensionen von Bewusstsein, Identit\u00e4t und Tiefe vor. <em>I was in a certain arena artistically that no one else had ever been in before ever, <\/em>sagt er in <em>No Direction Home<\/em>.<\/p>\n<p>Schnell wurde Bob f\u00fcr unz\u00e4hlige J\u00fcngere zu einem Freund, zu jemandem, dem man zuh\u00f6rt, weil er etwas zu sagen hat. <strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0In der politischen Realit\u00e4t der fr\u00fchen 1960er galten seine Songs als massive Tabubr\u00fcche, f\u00fcr seine Zuh\u00f6rer wirkten sie aufregend revolution\u00e4r, wenn er \u00fcber Rassenungleichheit und soziales Unrecht sang, \u00fcber Milit\u00e4r und Kriegsgewinnler, \u00fcber den kommenden Dritten Weltkrieg und das Sterben im nuklearen Weltuntergang. <strong>&#8230;.<\/strong> \u00a0Er traute sich an Themen, \u00fcber die in den Medien und in der popul\u00e4ren Musik Amerikas bis dahin nicht einmal gefl\u00fcstert wurde. In nur kurzer Zeit hatte er sich von einem der vielen Folkmusiker zu dem herausragenden und weltbekannten Protests\u00e4nger entwickelt. Wie nebenbei legte er damit auch die kulturellen Wurzeln der sich anbahnenden weltweiten Jugendrebellion der sp\u00e4ten Sechziger. \u00dcber die gesamte westliche Kultur verbreiteten sich seine Lieder, sie beeinflussten Musik, Politik und das Leben zahlreicher Menschen.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Zust\u00e4nde in Amerika wurden als bedr\u00fcckend empfunden, der Zustand der Menschheit insgesamt war kein guter. Zwei Weltkriege, einer verheerender als der andere, hatten die westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder in konservativ-reaktion\u00e4ren Gesellschaftssystemen stranden lassen. Die kriegsbesch\u00e4digten Sozialstrukturen in Gesellschaft und Familien waren einer gl\u00fccklichen Kindheit und Jugend nur wenig f\u00f6rderlich. In den L\u00e4ndern Osteuropas und in der Sowjetunion befand sich die Bev\u00f6lkerung in einem totalit\u00e4ren System hinter einem <em>Eisernen Vorhang<\/em> eingesperrt. Gro\u00dfe Teile der Erdkugel bedeckten Entwicklungsl\u00e4nder mit Hunger, Armut und feudalen Lebensbedingungen.<\/p>\n<p>So ist es nicht \u00fcberraschend, da\u00df in den westlichen Gesellschaften zu Anfang der Sechziger h\u00f6chst unterschiedliche Wahrnehmungen von Realit\u00e4t und Gegenwart aufeinanderprallen. Die \u00c4lteren klammerten sich mehrheitlich an den Status quo, weil er besser war als der Weltkrieg, den sie erlebt hatten, viele J\u00fcngere dagegen waren unzufrieden mit der Realit\u00e4t, in die sie hineingeboren waren. Sie tr\u00e4umten von Fortschritt und einer humaneren Welt ohne Rassenprobleme und Kaltem Krieg. Damit waren die Grundmuster der gesellschaftlichen Konflikte angelegt. Ein <em>Clash der Generationen<\/em> sollte folgen, der sich im Verlauf des Jahrzehnts zu einer <em>Jugendrevolte<\/em> und einem <em>Krieg der Generationen<\/em> entwickelte.<\/p>\n<p>\u00dcber den Begriff <em>Krieg der Generationen<\/em> mag man kontrovers denken. Ohne Frage waren die heftigen sozialen Umw\u00e4lzungen der 1960er kein <em>Krieg<\/em> im herk\u00f6mmlichen Sinne, so wie auch die Kriege der Gegenwart zur Unterwerfung von Menschen, L\u00e4ndern, Gesellschaften und Wirtschaftsordnungen l\u00e4ngst nicht mehr mit Milit\u00e4r und Armeen ausgetragen werden. Doch versteht man unter <em>Krieg<\/em> im weiteren Sinne auch den schnellen und radikalen Sturz und die Verschiebung von gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnissen und Wertesystemen dann erscheint mir diese Metapher angemessen. In den 1960ern marschierten keine Soldaten und es gab nur wenige Tote. Kein <em>Mastermind<\/em> und keine Feldherren erteilten Befehle, klare Fronten existierten nicht. Doch un\u00fcbersehbar endete ein Zeitalter und ein neues begann.<\/p>\n<p>Die Metapher vom <em>Krieg der Generationen<\/em> ist eine bewusste Zuspitzung, um eine Beschreibung der gesellschaftlichen Entwicklung der 1960er unter einem zusammenh\u00e4ngenden Blick zu erm\u00f6glichen, der von den fr\u00fchen Vorboten bis zu den heutigen Nachwirkungen reicht. Heftige Auseinandersetzungen um zivilisatorischen Fortschritt gibt es seit Anbeginn, sie machen die menschliche Evolution aus, die nicht nur biologisch erfolgt, sondern auch gesellschaftlich, politisch und sozial. Doch nie zuvor wurden Auseinandersetzungen um die Zukunft so global und grunds\u00e4tzlich, so umfassend und so intensiv gef\u00fchrt wie in dem Jahrzehnt der 1960er.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Zitate 6: Meine Reise mit Bob <\/strong><\/p>\n<p>Als Bob 1961 Greenwich Village erreichte, feierte ich meinen zehnten Geburtstag. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich Hamburger Stadtteil Horn, in einer ungl\u00fccklichen Familie, die in Not und Elend lebte, so wie die Mehrheit der Deutschen in der Zeit zwischen Kriegsende und den Wirtschaftswunderjahren. <strong>&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>In der Fernsehsendung <em>Weltspiegel<\/em>, damals eine der wenigen M\u00f6glichkeiten, f\u00fcr einige Augenblicke aus Deutschland herauszugucken, hatte ich mitbekommen, dass es im fernen Amerika eine B\u00fcrgerrechtsbewegung gab und sich im August 1963 mehr als eine Viertelmillion Menschen bei einem <em>Marsch auf Washington f\u00fcr Arbeit, Freiheit und B\u00fcrgerrechte <\/em>versammelt hatten. Es gab einen kurzen Ausschnitt aus der Rede von Martin Luther King, dazu einige Szenen von Bob Dylan und Joan Baez. Das fand ich spannend und ging danach wieder zum Fu\u00dfball. Ohne die Bedeutung zu erahnen, die seine Songs f\u00fcr mich bekommen sollten, hatte Bob mein Leben betreten.<\/p>\n<p>Schnell entdeckte ich auch Bob selbst, seine Platten <em>The freewheelin\u2019 [&#8230;] <\/em>und <em>The times they are a-changin\u2019<\/em>. Es war, als w\u00fcrde mir jemand eine neue Welt zeigen und mich auffordern, sie zu erkunden. <em>Die Zeiten \u00e4ndern sich<\/em>, da war es. Nun berauschten mich nicht nur seine Songs und die Texte, es war auch und vor allem seine Stimme, das Anklagende, Aggressive und Vorwurfsvolle, in dem ich mich verlor. Neuartige Einsichten und Gef\u00fchle tobten in mir, als sei ich unter Drogen gesetzt, als entdeckte ich Teile meines Gehirns, deren Existenz ich vorher nicht einmal geahnt hatte. Viele Monate h\u00f6rte ich t\u00e4glich seine Platten. Wer war dieser Typ, der mir das Leben erkl\u00e4ren konnte? Woher wusste er, was ich dachte, was ich f\u00fchlte, wohin ich wollte, wie die Welt sein sollte? Wieso konnte er aussprechen, was mir nicht gelang?<\/p>\n<p><em>There was music in the cafes at night and revolution in the air<\/em>.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Politische Aktivit\u00e4ten wurden zum Lebensinhalt meiner letzten Schuljahre am Gymnasium. Was gab es Wichtigeres, als nach Freiheit zu suchen und f\u00fcr Utopien zu k\u00e4mpfen? Es war 1968, das Jahr des globalen Protests. Gegen die Verh\u00e4ltnisse, gegen den Mist und M\u00fcll, der mich in meinem Zuhause umgab und die Welt bev\u00f6lkerte. Gegen Atombomben, den Kalten Krieg und gegen schmutzige Politiker. Gegen die Nazischei\u00dfe unserer V\u00e4ter und die vertuschte Vergangenheit meines Vaterlands. <em>Trau keinem \u00fcber drei\u00dfig. Fighting for peace is like fucking for virginity. <\/em><em>Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Macht kaputt, was euch kaputt macht. <\/em>Ich war darin sehr konsequent.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Hannelore war anders als die M\u00e4dchen, die ich bisher kannte. Sie verspr\u00fchte Musik, Tanz und Lebensfreude. Ihre N\u00e4chte verbrachte sie in den Clubs auf der Reeperbahn, dem Top Ten, dem Gr\u00fcnspan und den anderen, die im Rotlichtbezirk von St. Pauli lagen. Dort, wo Bob am 17. und 18. Oktober 2003 zwei tolle Konzerte in dem kleinen Club Docks auf der Reeperbahn spielte. Manchmal haben Hannelore und ich auch gev\u00f6gelt. Es bedeutete nichts, gar nichts. In Hannelores Augen galt ich als unwichtiger und unbedarfter Junge am Rande. Sex war von ihr als freundliche Geste gemeint, als Service. <em>Love ist just a four letter word<\/em>, wie es in einem von Bobs Songs hie\u00df.<\/p>\n<p>Im zweiten Semester begann sie als Prostituierte im Club Amphore zu arbeiten, nahe den Landungsbr\u00fccken am Hafen. Es war ein Champagnerpuff, vergleichbar den Prominenten-Treffs der Gegenwart, allein die Bezahlung funktionierte auf eine andere Weise. Zuerst \u00fcbte sie diese T\u00e4tigkeit nur nebenbei aus, sp\u00e4ter wurde sie zu ihrem einzigen Lebensinhalt. Offenbar verdiente Hannelore dabei recht gut, denn nach kurzer Zeit musste sie nicht mehr in einem winzigen Zimmer zur Untermiete wohnen, wo es strikt verboten war, mich oder andere Jungs \u00fcber Nacht mitzubringen. Nun konnte sie sich eine eigene Wohnung leisten, sogar eine mit drei Zimmern. Sp\u00e4ter kaufte sie sich ein gebrauchtes Auto. Damit lebte sie materiell unter besseren Umst\u00e4nden als viele normale Familien.<\/p>\n<p>Aus Neugier \u00fcber ihre n\u00e4chtliche Existenz habe ich mich eines Abends in die Amphore getraut, wenn auch mit Herz-klopfen. F\u00fcr einen Jungen wie mich, mit beschr\u00e4nkter Lebens-erfahrung, war es ein v\u00f6llig irrer Ort. Aber sogar dort klang Bob Dylans <em>Like a rolling stone<\/em> dr\u00f6hnend aus den Boxen. Der Club lag am Wasser, dort wo es hinter der Davidstra\u00dfe zur Elbe heruntergeht, nahe den sp\u00e4ter besetzten H\u00e4usern an der Hafenstra\u00dfe. Drinnen gab es Tische, Sofas und B\u00e4nke. Das <em>Herrengedeck Phallus<\/em>, bestehend aus Bier und Doornkaat, kostete f\u00fcnfundsiebzig Mark.<\/p>\n<p><strong>Zitate 7: Zur\u00fcck in der Gegenwart <\/strong><\/p>\n<p>&#8230;.\u00a0 Im Sommer 1981 wurden zwei Bob-Dylan-Konzerte in der Open-Air Arena von Bad Segeberg bei Hamburg angek\u00fcndigt. Mit Gl\u00fcck bekam ich Karten f\u00fcr beide Abende. Oft kehren meine Gedanken in die warme Sommernacht vor dem ersten Konzert zur\u00fcck, die ich mit <em>lovely<\/em> Martina verbrachte. Immer wieder lief auf dem Plattenspieler Bobs <em>At Budokan<\/em> durch. H\u00e4tten wir uns getraut, h\u00e4tten wir viele Jahrzehnte gl\u00fccklich zusammengelebt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Nachmittag fuhren wir beide mit einer kleinen Clique um meinen Soziologie-Professor zu Bobs Konzert. Wir freuten uns und waren aufgeregt wie kleine Kinder. Wild kochten bizarre Ger\u00fcchte, was aus ihm geworden sei. Er w\u00fcrde zwischen seinen Songs predigen oder mit dem R\u00fccken zum Publikum singen. Es wurde eine gro\u00dfartige Show, eine unvergessliche Nacht mit zwanzigtausend Zuschauern. Am zweiten Abend ging ich mit meinem Schulfreund Bernd zu Bob. Von seinen vielen Auftritten, die ich mittlerweile gesehen habe, sind die warmen N\u00e4chte in Bad Segeberg herausragende Erinnerungen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 W\u00e4hrend ich am 13. November 2017 diese Zeilen schreibe steht Bob Dylan auf Platz eins der UK Record Store Charts mit <em>Trouble no more. The bootleg series 13<\/em>. Zwei Abende vorher hat er in dem kleinen St\u00e4dtchen Upper Darby in Pennsylvania das dreiundsiebzigste Konzert im Jahr 2017 gespielt. Vor f\u00fcnfzig Jahren nahm er <em>Don\u2019t think twice<\/em> auf. L\u00e4ngst wurden seine Songs und Texte zu Elementen unserer Kultur und unseres Lebens. <em>How many roads must a man walk down, before you call him a man?<\/em> Vernehmen wir diese Worte, dann wissen wir, ohne gro\u00df nachdenken zu m\u00fcssen, es ist Bob Dylan, auch ohne Refrain und Musik, so selbstverst\u00e4ndlich, wie wir den Eiffelturm, die Pyramiden oder das Gesicht von Albert Einstein erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Oktober 2016 bekam Bob Dylan den Nobelpreis f\u00fcr Literatur verliehen. Die Auszeichnung erfolgte <em>f\u00fcr seine poetischen Neuschaffungen in der gro\u00dfen amerikanischen Gesangstradition<\/em>. Das Nobelkomitee erkl\u00e4rte im Rahmen seiner W\u00fcrdigung, <em>the music, the social commentary, the public performance all mattered. He\u2019s a very interesting traditionalist, in a highly original way, not just the written tradition, but also the oral one; not just high literature, but also low literature.<\/em><a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Zum ersten Mal erhielt ein Songwriter diese bedeutendste aller literarischen Ehrungen. Wie immer bei seiner Person l\u00f6ste dieser Vorgang neben gro\u00dfer Begeisterung auch Kontroversen aus. Aber deutlich \u00fcberwogen Zustimmung und Freude gegen\u00fcber kritischen Reaktionen. Manchen galt er als <em>nicht literarisch<\/em> genug, so als ob Songs keine Poesie seien. War nicht <em>Suzanne<\/em> von Leonard Cohen ein Gedicht, bevor er die Worte sang und sie unsterblich machte? Doch es erscheint nicht notwendig, die Preisverleihung oder gar ihn selbst zu verteidigen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.<\/strong>\u00a0 Es muss eine dunkle und kalte Nacht am Waterfront Congress Centre in Stockholm gewesen sein, wo Bob unter Ausschluss jeder \u00d6ffentlichkeit in einem kleinen Raum den Nobelpreis entgegennahm. Wahrscheinlich wehte ein eisiger Wind vom Klarabergsviadukten her\u00fcber. <em>Es ist kurz nach Mitternacht. Im Backstagebereich des Waterfront [&#8230;] warten die Mitglieder der Nobelakademie, angef\u00fchrt von ihrer Vorsitzenden Sara Danius, bereits seit mehr als einer Stunde auf Bob Dylan. [&#8230;] Derweil schleicht [&#8230;] drau\u00dfen eine Gestalt mit tief ins Gesicht gezogenem Hut durch den Nebel auf eben dieses Konzerthaus zu. Es ist Bob Dylan, der es w\u00f6rtlich meint, wenn er sagt, er werde den Preis\u00a0ohne [jede] \u00d6ffentlichkeit<\/em><em> entgegennehmen.<\/em><a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Der Nobelpreis w\u00fcrdigt Bob Dylans literarische Leistung. Doch stelle ich seine Auszeichnung in ihren historischen Kontext, erscheint sie mir, ein wenig jedenfalls, auch als eine Anerkennung der Jugend der 1960er und deren gesellschaftsver\u00e4ndernder Wirkung, die von seinem Werk und Leben nicht zu trennen ist. Und wer wei\u00df, vielleicht war die Preisverleihung sogar als ein politisches Zeichen an die Welt gemeint, in Zeiten, in denen man t\u00e4glich mehr an der demokratischen Staatsform verzweifeln kann, wenn Wahlen sich immer \u00f6fter als Entscheidung zwischen Pest und Cholera herausstellen, mit denen gleicherma\u00dfen der Weg in eine falsche Richtung fortgesetzt wird. Nicht nur in Amerika.<\/p>\n<p>Zunehmend f\u00fchle ich mich \u00e4hnlich zornig wie mit siebzehn, als ich Dylans Songs kennenlernte und mich in sie verliebte. Mein Blick ist der eines Kindes der 1960er geblieben, getragen von Begeisterung f\u00fcr Tr\u00e4ume und abgrundtiefer Skepsis gegen\u00fcber der Realit\u00e4t. Die Gegenwart betrachte ich pessimistisch, vermutlich nicht als Einziger. <em>Every moment of existence seems like some dirty trick. <\/em><em>Happiness can come suddenly and leave just as quick. Any minute of the day the bubble can burst<\/em>.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Besser als Bob k\u00f6nnte ich es nicht ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Lyrics: Bob Dylan, Only a pawn in their game<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Nach: Bob Dylan. Eyes on the Prize, Documentary. YouTube. Ohne Jahr. www.youtube.com\/watch?v=XUcyUoIFW04<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> www.needsomefun.net\/bob-dylan-s-footsteps-hibbing-part-2\/5\/<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Gray, Michael. The Bob Dylan Encyclopedia. S. 305.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zitiert nach: No Direction Home, zweiteiliger Dokumentarfilm. Regie:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Martin Scorsese. 2005.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Lyrics: Bob Dylan, A hard rain\u2019s a-gonna fall<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Doomsday_Clock<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Abrufbar unter: www.youtube.com\/watch?v=SDkcbipclDQ<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Lyrics: Bob Dylan, A hard rain\u2019s a-gonna fall<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Lyrics: Bob Dylan, Tangled up in blue<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Martin Grossman: But is it Literature? Bob Dylan and the Nobel Prize. 25.10.2016. https:\/\/www.rockerteeshirts.com\/blogs\/rockers-blog\/music-industry-news<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Fabian Jonas: Knockin\u2019 on Kevin\u2019s Door. In: Die ZEIT. 01.04.2017. www.zeit.de\/kultur\/literatur\/2017-04\/bob-dylan-literaturnobelpreis-\u200cuebergabe-stockholm-dramolett<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Lyrics: Bob Dylan, Sugar baby<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00dcber das\u00a0 Buch (Produktinformation)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Bob Dylan ist nicht nur Songwriter, Musiker und Nobelpreistr\u00e4ger, sondern auch Kopf und Stimme der politischen und sozialen Unruhe der J\u00fcngeren in den1960ern, die das menschliche Zusammenleben bis in die Gegenwart ver\u00e4ndert hat. Das Jahrzehnt war ein Krieg der Generationen um gesellschaftlichen Fortschritt, B\u00fcrgerrechte, den Vietnam-Krieg, Sexualit\u00e4t und Demokratisierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Erz\u00e4hlung wirft einen Blick auf Bob Dylan und die Zeitgeschichte seines Daseins. Sie stellt seinen Lebensweg in Verbindung zu seiner gesellschaftlichen Bedeutung und zeigt die soziale und politische Dimension seiner Songs. Sie beschreibt, was er in den K\u00f6pfen seiner Generation bedeutet hat, deren Stimme er war, aber nie sein wollte. Meistens zumindest.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-13044\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00dcber den Autor:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Michael Brenner wurde 1951 in Hamburg geboren und mit den Beatles, den Rolling Stones, Bob Dylan und der jugendlichen Revolte der sp\u00e4ten 1960er erwachsen. Nichts beeinflusste ihn und seine Generation so sehr wie die verdr\u00e4ngte Schuld der Elterngeneration und die rebellischen sozialen Umw\u00e4lzungen der Sechziger Jahre, die unsere Gesellschaft bis heute pr\u00e4gen. In seinen B\u00fcchern &#8222;KINDER DER VERLIERER Heimat Nachkriegszeit&#8220; (2012, 2. \u00fcberarbeitete Fassung, Verlag Books on Demand) sowie &#8222;NACHKRIEGSLAND&#8220; (Verlag Ellert &amp; Richter, 2015) hat er sich mit seiner famili\u00e4ren Biografie und dem westdeutschen Nachkriegsland auseinandergesetzt. Es sind bewegende B\u00fccher, die Zeitgeschichte erlebbar machen. Seine pers\u00f6nlichen Erinnerungen stehen stellvertretend f\u00fcr die Hunderttausender. Im Juli 2018 hat Michael Brenner das Buch &#8222;LOOKING FOR BOB DYLAN, Bob Dylan &amp; Zeitgeschichte, Vol I: Krieg der Generation&#8220; herausgebracht. Es ist erh\u00e4ltlich als gedruckte Ausgabe bei Amazon und als Kindle ebook. Ein Blick auf den politischen Bob Dylan als Stimme seiner Generation. In dieser Erz\u00e4hlung werden Bob Dylan und sein Lebensweg mit seiner Zeit verkn\u00fcpft. Dazu bringt der Autor seinen pers\u00f6nlichen Bezug zu Bob Dylan in den 1960ern und 70ern ein. Aktuell arbeitet Michael Brenner an einem Roman zum Thema &#8222;Terrorismus&#8220;.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Looking for Bob Dylan: Bob Dylan, Zeitgeschichte &amp; Zeitgeist Vol I: Krieg der Generationen\" type=\"text\/html\" width=\"625\" height=\"550\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"max-width:100%\" src=\"https:\/\/lesen.amazon.de\/kp\/card?preview=inline&#038;linkCode=kpd&#038;ref_=k4w_oembed_P685D37OdYgTsH&#038;asin=B07G1F7SHF&#038;tag=kpembed-20\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-13045\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-Book-Looking-For-BD3-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Looking for Bob Dylan: Bob Dylan, Zeitgeschichte &amp; Zeitgeist Vol I: Krieg der Generationen &#8230; ein Traum von einem Buch &#8230; &nbsp; Im Umfeld der nostalgischen Berichterstattung um das 50. 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