{"id":13099,"date":"2019-08-30T21:32:44","date_gmt":"2019-08-30T19:32:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=13099"},"modified":"2021-02-02T19:20:35","modified_gmt":"2021-02-02T17:20:35","slug":"kw-35-2019-heute-wird-peter-maffay-70-jahre-alt-n-congrats","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=13099","title":{"rendered":"KW-35-2019: 40 Jahre #Slow_Train_Coming oder Songs, die noch immer wie christliche Predigten klingen &#8211; #BobDylan:und_das_Christentum- von  Christof Graf  (am 19.8.2019 wurde Bob Dylans &#8222;christliches Album&#8220; Slow Train Coming 40 Jahre alt)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-17994\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-150x150.jpg 150w, https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-300x300.jpg 300w, https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-768x768.jpg 768w, https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover-624x624.jpg 624w, https:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/BD-CD-Slowtraincoming-cover.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>40 Jahre \u201eSlow Train Coming\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>oder<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Songs, die noch immer wie christliche Predigten klingen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>-Bob Dylan und das Christentum-<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">von<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Christof Graf<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><em>Gotta Serve Somebody<\/em> \u2013 5:23<\/li>\n<li><em>Precious Angel<\/em> \u2013 6:30<\/li>\n<li><em>I Believe in You<\/em> \u2013 5:08<\/li>\n<li><em>Slow Train<\/em> \u2013 5:57<\/li>\n<li><em>Gonna Change My Way of Thinking<\/em> \u2013 5:27<\/li>\n<li><em>Do Right to Me Baby (Do Unto Others)<\/em> \u2013 3:52<\/li>\n<li><em>When You Gonna Wake Up<\/em> \u2013 5:28<\/li>\n<li><em>Man Gave Names to All the Animals<\/em> \u2013 4:25<\/li>\n<li><em>When He Returns<\/em> \u2013 4:29<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Mit der Albumtrilogie \u201eSlow Train Coming\u201c (1979), \u201eSaved\u201c (1980) und \u201eShot Of Love\u201c (1981) schuf Bob Dylan um die Jahrzehntwende 1979\/80 ein Teil-Werk seiner Arbeit, das sich mit spirituellen Themen besch\u00e4ftigte und seine damalige Hinwendung zum Christentum reflektierte. Die Songs waren nicht weniger poetisch und tief empfunden als alles andere, was Dylan geschrieben hat &#8211; dennoch konnten Teile seiner Anh\u00e4ngerschaft mit diesem Bekenntnis und dem tiefen Glauben, der sich in den Arbeiten offenbarten, zun\u00e4chst nur wenig anfangen (\u00e4hnlich wie auch 1965 Dylans Konvertierung zum elektrischen Rock&#8217;n&#8217;Roll die Folkpuristen befremdet hatte). Am 20. August 1979 ver\u00f6ffentlichte Bob Dylan sein \u201eSlow Train Coming\u201c-Album und \u00fcberraschte mit seiner Hinwendung zum christlichen Glauben, die nach genauerer Betrachtung seiner fr\u00fcheren Lieder, vielleicht auch nur eine Art logische Folgerung f\u00fcr eine schon immer erkennbare Sinnsuche war.<\/strong><\/p>\n<p>In Dylans Heimat der 70er Jahre konnte man eine Hinwendung zu krassem Individualismus erkennen. Die Generation, die in Deutschland mit dem Begriff der \u201e68er\u201c beschrieben wird, f\u00fchlte sich im Amerika der 70er Jahre verletzt und verloren. Nicht nur K\u00fcnstler wie die Beatles in Indien, Leonard Cohen im Zen-Buddhismus, David Bowie in der optischen Wandlung oder zahlreiche Kreative in Hippie-Kommunen suchten nach Zuflucht und Heilung, Bob Dylan fand dies im evangelikalen Christentum.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es nicht das traditionelle Christentum, das ihn beim Entstehen von \u201eSlow Train Coming\u201c getrieben hat, vielleicht ist es das Messianistische im Christentum, das ihn dazu getrieben hat, es nicht nur hin und wieder \u2013 bei einem Song \u2013 sondern mit einem ganzen Album zu zelebrieren, vielleicht war die Zeit reif daf\u00fcr, mehr messianistisch zu wirken als fr\u00fcher. Ein F\u00fchrer wollte er schlie\u00dflich nie sein, weder ein politischer noch der einer Generation. \u201eDon&#8217;t follow leaders, watch the parkin&#8216; meters\u201c, sang er schon 1965 in dem Song \u201cSubterranean Homesick Blues\u201d auf dem Album \u201cBringing It All Back Home\u201d.<\/p>\n<p>Biblische Motive, Texte, Figuren aus der Bibel kamen auch schon in fr\u00fcheren Songs, wie z.B. sogar in \u201eBlowin`in the wind\u201c vor: Die Taube, die Noah den Weg weist; der Prophet Jesaja, der klagt, dass die Menschen nicht h\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p>Das war 14 Jahre her. Viel war seitdem geschehen. Ein Motorradunfall, Woodstock, eine Zwangspause, die Rolling Thunder Revue-Tournee, Alben wie z.B. \u201eDesire\u201c und \u201eStreet Legal\u201c. Schon auf letzterem waren biblische Bez\u00fcge zu h\u00f6ren, allen voran in dem noch in der letzten Gegenwart seiner \u201eNeverending Tournee\u201c gespielten Song \u201eSe\u00f1or (Tales of Yankee Power)\u201c, eine sehr Gospel lastige langsame Ballade, die die Frage eines J\u00fcngers an seinen Meister, wohin seine Reise eigentlich gehen solle, stellt. Fragen, die auf seine private Situation zur\u00fcckzufahren waren. Dylan hatte eine teure Scheidung von seiner Frau Sara im Vorjahr zu verkraften, zudem die Trennung von seinem vier Kindern. \u2013 In Krisen sei man empf\u00e4nglicher f\u00fcr Glauben jeglicher Art, f\u00fcr Religionen und Spiritualit\u00e4t, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Dylan, der eine 115-Konzerte \u2013 Tournee hinter sich brachte, bei der er sowohl den Protests\u00e4nger im Sinne von Woody Guthrie wie auch den Entertainer im Sinne von Elvis Presley gab, um allen Erwartungshaltungen, insbesondere jenen seiner Promoter zu entsprechen, fl\u00fcchtete sich in die Bibel. Wie z.B. auch Leonard Cohen, den er im New York der Mitte\/Ende 60er Jahre erstmals traf, war Dylan in seinen j\u00fcdischen Traditionen verwoben, nicht eng genug, um nicht zum Christentum zu konvertieren. Cohen lie\u00df sich in den 90er Jahren von seinem japanischen Zen-Meister im Kloster von Mount Baldy in Kalifornien, zwar zum buddhistischen M\u00f6nch ordiniert, konvertierte aber nie. Dylan tat es. Entgegengesetzt zu John Lennon z.B., der im Song \u201eImagine\u201c, \u201eImagine there is no heaven but only sky\u201c, singt, verwies Dylan schon immer mehr auf den \u201eHeaven\u201c-Aspekt. Lennon bezog sich mehr auf den \u201esky\u201c, den nat\u00fcrlichen, rein physischen Himmel, Dylan sah den Fokus auf dem \u201eheaven\u201c, wie z.B. in \u201eKnockin`On Heaven`s Door\u201c. Hier l\u00e4dt Dylan das Wort \u201eHeaven\u201c semantisch auf, was er auch noch bei seinem letzten Konzert auf deutschem Boden, beim Stuttgarter Jazz Open am 10. Juli 2019 tat. \u201eTryin to get to Heaven\u201c, das Lied vom 1997er Album \u201cTime Out Of Mind\u201d ist eine Folk-Rock-Ballade, deren Erz\u00e4hler &#8222;um die ganze Welt&#8220; gereist ist und in dem denkw\u00fcrdigen Refrain des Songs &#8222;versucht, in den Himmel zu gelangen, bevor sie die T\u00fcr schlie\u00dfen&#8220; (Trying To get to heaven, before they close the door\u201c). Der Song ist 20 Jahre nach dem \u201eSlow Train Coming\u201c-Album entstanden und wird auch noch \u00fcber 20 Jahre nach seiner Entstehung von Dylan live in Concert performt.<\/p>\n<p>Vielleicht passt kein anderer von Dylans sogenannten \u201echristlichen\u201c Songs zu Dylans Hinwendung zum Christentum besser wie dieser, und das lange nach dem sich Dylan von seiner \u201echristlich\/biblischen Phase\u201c und nach drei Alben 1981verabschiedet hat. Vielleicht ist Dylan gar nicht der \u201ePrediger\u201c, den man nie wollte, vielleicht ist er auch nur einer jener \u201ePilger\u201c, stets auf der Reise mit einem Mitteilungsbed\u00fcrfnis, das sich einfach nur in verschiedenen Facetten zeigt und die christliche Facette war nur eine von vielen. Vielleicht gibt und gab es nie eine \u201ePredigt\u201c im christlichen Sinne, sondern nur die Mitteilung, auf der Suche, auf dem Weg zu sein. Vielleicht ben\u00f6tigt man gar kein Ziel und nur der Weg ist das tats\u00e4chliche Ziel und den begeht er sp\u00e4testens aber nicht nur seit Beginn der \u201eNeverending Tour\u201c 1988, v\u00f6llig egal, in welcher religi\u00f6sen Auspr\u00e4gung. Vielleicht geht es nur um \u201eWatching The River Flow\u201c, so der 1971er Titel aus der \u00fcber 500 Dylan-Songs-Kompilation.<\/p>\n<p>Aber wie manifestierte sich die biblische Phase Bob Dylans? Zahlreiche Biografien beschreiben den angeblichen Ursprung: Am Ende seiner 1978er Herbsttour durch die USA, hatte ihm bei einem Konzert in San Diego jemand aus den vorderen Reihen ein Silberkreuz auf die B\u00fchne geworfen. Normalerweise k\u00fcmmere er sich nicht um solche Geschenke, sagte Dylan sp\u00e4ter, aber dieses Mal steckte er den Anh\u00e4nger ein. Am 19. November 1978 in einem Hotelzimmer in Tucson, Arizona, war Dylan wie des \u00d6fteren auf dieser Tour in schlechter Verfassung. Beim gedankenverlorenen Kramen in seinen Taschen fand er das Kreuz in der Hosentasche: \u201eIch sp\u00fcrte eine Gegenwart in dem Zimmer, die niemand anderes als Jesus sein konnte. Mein K\u00f6rper zitterte davon. Die Herrlichkeit Gottes hat mich niedergestreckt und erhoben.\u201c \u2013 Der Beginn von Bob Dylans Erfahrung mit dem Christentum.<\/p>\n<p>Doch sein Publikum war ver\u00e4rgert, verwirrt oder entsetzt, besonders dann, wenn Dylan in seinen damaligen Konzerten (um 1979-1980) \u00fcber Jesus, Gott und die Bibel sprach. Dennoch gibt es wunderbare Songs auf dem Album \u201eSlow Train Coming\u201c. \u201ePrecious Angel\u201c z.B. ist dabei eine von Dylans sch\u00f6nsten Melodien, mit einem Text, der teilweise von Jesus Christus handelt.<\/p>\n<p>\u201eSlow Train Coming\u201c und \u201eGotta Serve Somebody\u201c sind gro\u00dfartige Rock-Gospel-Nummern. Es gibt eine Anspielung auf die Angst, den Weg des Denkens zu \u00e4ndern, wenn du aufwachst? \u201cBut you&#8217;re gonna have to serve somebody, yes you are\/ You&#8217;re gonna have to serve somebody\/ Well, it may be the devil or it may be the Lord\/ But you&#8217;re gonna have to serve somebody\u201d singt, bekehrt, schreit Dylan, was seine sich nicht als \u201cJ\u00fcnger\u201d f\u00fchlende immer mehr sich abkehrende Fangemeinde nicht h\u00f6ren m\u00f6chte. Der verstorbene Dylanologe Paul Williams meinte zu dem Album: &#8222;Langj\u00e4hrige Zuh\u00f6rer, die keine evangelischen Christen sind, k\u00f6nnen sich nur fragen: &#8218;Versucht er, mich zu bekehren? Nennt er mich einen Narren? Teilt er seine Gef\u00fchle mit mir oder verspottet er mich?'&#8220; \u2013 Die Antwort kannte nur der Wind, konnte man darauf wom\u00f6glich sp\u00f6ttisch erwidern.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnungsnummer beginnt mit einem funky Riff aus Orgel, Schlagzeug und Bass, bevor Dylan eine Reihe hypnotischer S\u00e4tze des \u201eWas-w\u00e4re-wenn-Spiels\u201c suggeriert, das in der unvermeidlichen Klausel gipfelt, dass, egal was du tust, wer du bist oder wie andere dich verfolgen, dein Schicksal auf die Notwendigkeit bestimmt ist, jemandem zu dienen. Dylan schl\u00e4gt vor, dass es entweder der Herr oder der Teufel sein wird, aber der Wortlaut des Textes l\u00e4sst gerade genug Spielraum f\u00fcr jeden spirituellen Aufenthalt, um sich frei zu f\u00fchlen, die Gerechtigkeit Jesu Christi abzusch\u00fctteln, die Dylan geradezu ausspuckt, wenn er\/sie sich daf\u00fcr entscheidet.<\/p>\n<p>Dylan wollte auch, dass das Album von der Optik her \u201echristlich\u201c verstanden wird: Dylan arbeitete eng mit dem Columbia Art Department wegen dem Cover zusammen und kam mit einer Zeichnung, in der das Auge gleicherma\u00dfen auf den vorr\u00fcckenden Zug und auf die Spitzhacke des Eisenbahnarbeiters\/Sch\u00fclers gelenkt wird, dessen Axt einem Kreuz \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>Jeder Song auf \u201eSlow Train Corning\u201c betont die Bedeutung christlicher Lehren und Philosophie, die einerseits unz\u00e4hlige Christen f\u00fcr immer oder vor\u00fcbergehend in Dylans Fangemeinde lockte und einige Dylan-Gl\u00e4ubige entweder vorerst oder in einigen Extremf\u00e4llen dauerhaft entfremdete. Manche meinen bis heute, Dylan habe auf \u201eSlow Train Coming\u201c die Botschaft Jesu einfach nur \u201ever- und zer-predigt\u201c.<\/p>\n<p>\u201ePrecious Angel\u201c ist ein Beispiel hierf\u00fcr. Dylan scheint direkt zu seiner Geliebten zu singen und sie leidenschaftlich zu dr\u00e4ngen, nicht in die Dunkelheit des Fleisches zu schwanken. Musikalisch unterst\u00fctzt wird Dylan auf dem Album \u00fcbrigens von Dire Straits-Gr\u00fcnder und Gitarrist \u201eMark Knopfler\u201c, der ihn 2011 bei einigen Konzerten seiner Neverending Tour begleitete.<\/p>\n<p>\u201eI Believe In You\u201c, der dritte Song auf dem Album, verlangsamt abrupt die Dinge, wenn sich Dylan \u201enackt am Altar Jesu zu entbl\u00f6\u00dfen versucht\u201c, und wiederholt immer wieder, dass sein Glaube selbst durch die Tr\u00e4nen, das Lachen, die Einsamkeit, den Verrat, die unvermeidlichen Ablenkungen des Lebens, die Kritik und die dunkelste Stunde vor dem Morgengrauen unersch\u00fctterlich ist. Bob l\u00fcftet seine pers\u00f6nliche Beziehung zu Jesus und liefert inbr\u00fcnstig jede Silbe seines Gesangs ab, als, wenn er den Sch\u00f6pfer verherrlichen, anbeten und anbeten soll, \u00fcber den in der Bibel geschrieben wurde. Was auch immer er jemals besa\u00df, um offen seinen tiefen inneren Mut der \u00d6ffentlichkeit auszusetzen, die mit dem Song \u201eSara\u201c auf dem Album \u201eDesire\u201c zu verschwinden begann, ist jetzt auf \u201eSlow Train Corning\u201c ausgel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Im Titeltrack \u201eSlow Train Coming\u201c, findet sich Dylan in einer vergeblichen Geste metaphorisch die H\u00e4nde hochwerfend wieder. Die Menschheit ist in ihrer egoistischen Entscheidung verloren, spirituelle Kriege mit Satan zu f\u00fchren. Dylan ist auf der Suche nach jemandem, der wei\u00df, wie man tats\u00e4chlich br\u00fcderliche Liebe lebt. Diese kathartische Befreiung von Dylans Hoffnungslosigkeit konstruiert ironischerweise sinnbewusst. Es scheint eine Figur zu geben, die sich im Laufe des Albums entwickelt, insbesondere im dem Album den Titel gebenden Song. Dylan sieht sich nicht messianistisch oder gar missionarisch, Dylan sieht sich h\u00f6chstens als Verk\u00fcnder der Botschaft des anderen.<\/p>\n<p>In \u201eGoing to Change My Way of Thinking\u201c ist Dylan bei knisternden Rock-Grooves bereit f\u00fcr die R\u00fcckkehr, wenn die Welt endet. \u201eDo Right To Me (Do Unto Others)\u201c unterstreicht diese f\u00fcr ihn geltende \u201egoldene Regel\u201c und in \u201eWhen He Returns\u201c. Und &#8222;I Believe In You&#8220; dient ebenso gut als Ausdruck mehr erdgebundener W\u00fcnsche. Bei \u201eSlow Train Coming\u201c ist Dylans Verehrung \u00fcberall h\u00f6rbar himmelw\u00e4rts gerichtet.<\/p>\n<p>\u201eSlow Train Coming\u201c, kommt als Album und nicht als Manifest, eher als Einteiler als als Trakt daher. Dylan gab zu, dass er anfangs von seinen neuen Songs &#8222;erschrocken&#8220; war und erwog, sie von Carolyn Dennis, einer seiner Backgrounds\u00e4ngerinnen (und die sp\u00e4ter seine zweite Frau wurde) aufnehmen zu lassen. &#8222;Ich wollte diese Lieder nicht schreiben&#8220;, sagte er 1984 zu Bono Vox von U2 und deutete an, dass sie aus einer g\u00f6ttlichen Inspiration jenseits seiner Kontrolle stammten. Am Ende nahm er seine Mission an, erkannte aber nach dem dritten christlichen Album, dass er sich doch nicht nur auf eine Konfession oder Religion festlegen kann. Formatierung war nie Dylans Thema, also konnte es auch keine Religion sein, die ihn zu formatieren vermochte, im Gegenteil, er liebte es, das Verh\u00e4ltnis umzukehren, und zu \u201eunformatieren\u201c. Es blieb der Glaube, ja, aber nicht die Religion, oder wenn die Religion, dann die ohne die dazu geh\u00f6rige Institution, da die eh nicht von Gott gemacht ist. \u2013 Getreu dem Motto, auch der moderne Mensch kann gl\u00e4ubig sein, an Gott glauben, ohne Gesetzen einer kirchlichen Institution folgen zu m\u00fcssen. \u201eYou gotta serve somebody\u201c\u2026\u2026.aber Du bist es, der entscheidet, wem du dienst, auf gar keinem Fall einer Institution, so Dylans interpretierte Religionsdimension. Egal, welcher biblischen Tradition \u2013 egal, ob j\u00fcdisch oder christlich \u2013 f\u00fcr Dylan ist es keine Institution, f\u00fcr Dylan ist es der Glaube, der eine spirituelle Dimension definiert, und damit eine wesentliche Dimension des Lebens vielleicht nicht definiert, aber notwendig macht. Vielleicht war es das, wor\u00fcber sich Bob Dylan in seiner christlichen Phase, beginnend mit \u201eSlow Train Coming\u201c, einfach nur mitteilen und teilhaben lassen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>u.a.<\/p>\n<p>GRAF, Christof: Man On The Road \u2013 Die Neverending Tour 1988 \u2013 1999, L-Echternach, 1999<\/p>\n<p>GRAF, Christof: Bob Dylan &#8211; America \u2013 oder der Tag, an dem Bob Dylan durch Saarbr\u00fccken fuhr, Oldenburg, 2012<\/p>\n<p>GRAF, Christof: End Of The Road \u2013 Die Neverending Tour 1988 \u2013 2019, Saarbr\u00fccken, 2021<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cohenpedia.de\/bob-dylan-files-articles-essays\/\">https:\/\/cohenpedia.de\/bob-dylan-files-articles-essays\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/cohenpedia.de\/bob-dylan-the-little-german-bob-dylan-files-by-christof-graf\/\">https:\/\/cohenpedia.de\/bob-dylan-the-little-german-bob-dylan-files-by-christof-graf\/<\/a><\/p>\n<p>blog.leonardcohen.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; 40 Jahre \u201eSlow Train Coming\u201c oder Songs, die noch immer wie christliche Predigten klingen -Bob Dylan und das Christentum- von Christof Graf \u00a0 Gotta Serve Somebody \u2013 5:23 Precious Angel \u2013 6:30 I Believe in You \u2013 5:08 Slow Train \u2013 5:57 Gonna Change My Way of Thinking \u2013 5:27 Do Right to [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":17996,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-13099","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13099"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13099\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17998,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13099\/revisions\/17998"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/17996"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}