{"id":22574,"date":"2022-01-08T13:37:42","date_gmt":"2022-01-08T11:37:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=22574"},"modified":"2022-01-09T19:24:16","modified_gmt":"2022-01-09T17:24:16","slug":"kw-01-2022-david-bowie-leonard-cohen-ueber-die-kunst-sterblichkeit-in-musik-umzuwandeln-oder-wie-david-bowie-und-leonard-cohen-dem-tod-musikalisch-begegneten-auszug-aus-dem-buch-david-bowie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=22574","title":{"rendered":"KW-01-2022: David BOWIE &#038; Leonard COHEN : \u00dcber die Kunst, Sterblichkeit in Musik umzuwandeln oder Wie David Bowie und Leonard Cohen dem Tod musikalisch begegneten (Auszug aus dem Buch: David BOWIE &#038; Leonard Cohen \u2013 Begegnungen und Erinnerungen ; von Christof Graf)"},"content":{"rendered":"<p>Photos by \u00a9 Christof Graf<\/p>\n<p>Cohen in Los Angeles, Bowie in New York, der eine Brite, der andere Kanadier; beide seit Jahrzehnten in den USA lebend, der eine an der Ostk\u00fcste, der andere an der Westk\u00fcste. Sie scheinen sich tats\u00e4chlich niemals je \u00fcber den Weg gelaufen zu sein, auch wenn sie auf den ganz gro\u00dfen B\u00fchnen und Festivals dieser Erde, bei Verleihungen von Oscars, Grammys, Emmys und sonstigen Awards oder gar bei Aufnahmen in die &#8222;Rock&#8217;n&#8217;Roll Hall Of Fame&#8220; eingeladen waren. Ja, sie trafen auch die anderen ganz Gro\u00dfen, wie Jagger, McCartney oder Dylan, aber nie einander. Am Ende sind sie dennoch Br\u00fcder im Geiste, als sie jeweils bereits kurz vor ihrem Tod das Requiem, das Sterbeamt und die heilige Messe mit zwei zuvor nie dagewesenen Abschiedswerken bestellten.<\/p>\n<p>Bowies &#8222;Blackstar&#8220; und Cohens &#8222;You Want It Darker&#8220; sind so erstaunliche musikalische Abschiede, wie sie zuvor h\u00f6chstens noch von Johnny Cashs &#8222;Abschiedsalbum&#8220; thematisiert wurden.<\/p>\n<p><strong>Die Todesahnung <\/strong><\/p>\n<p>Die Vermutung lag nahe, dass es Leonard Cohens letztes Album sein w\u00fcrde, als er es im Rahmen eines Kamingespr\u00e4chs am 16. Oktober 2016 in Los Angeles, eine Woche vor Ver\u00f6ffentlichung am 21. Oktober, einer kleinen Gruppe aus aller Welt angereister Medienvertreter in der dortigen Botschaft Kanadas vorstellte. Schon die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung dieses letzten \u00f6ffentlichen Gespr\u00e4ches von Leonard Cohen glich der Vorbereitung eines Schwanengesangs. Neunzehn Tage danach starb er und es f\u00fchlte sich an wie eine Wiederholung von David Bowies Ausstieg aus dem Leben zu Beginn des Jahres 2016. Von Cohens Krankheit wusste man bedingt oder erahnte sie zumindest. Im US-Kulturmagazin NEW YORKER wies er schon darauf hin, dass er bereit sei, zu sterben und in FACEBOOK postete er, als er vom Sterben seiner einstigen Muse Marianne Ihlen h\u00f6rte, dass er ihr wohl bald folgen w\u00fcrde. Ein paar Monate sp\u00e4ter tat er es.<\/p>\n<p>Zuvor reiste er noch bis in sein 80. Lebensjahr sechs Jahre lang durch die Welt und gab w\u00e4hrenddessen so viele Konzerte wie in den f\u00fcnf Jahrzehnten seiner Karriere zuvor. Zudem spielte er mit &#8222;Old Ideas&#8220; (2012), &#8222;Popular Problems&#8220; (2014) und eben &#8222;You Want It Darker&#8220; (2016) noch drei als sein &#8222;Sp\u00e4twerk&#8220; anzusehende Alben ein. Vierzehn Studio-Alben umfasst sein musikalisches Gesamtwerk insgesamt.<\/p>\n<p>Seit David Bowies letztem Konzert am 25. Juni 2004 auf dem deutschen Hurricane-Festival bei Schee\u00dfel, das er wegen eines Herzinfarkts &#8211; nach seinem letzten Song &#8222;Ziggy Stardust&#8220; &#8211; abbrechen musste, ging er neben wenigen Gastauftritten bei David Gilmour (2006) und &#8222;Arcade Fire&#8220; (2005 und 2013) nie mehr auf Tournee.<\/p>\n<p>Am 8. Januar 2013 &#8211; seinem 66. Geburtstag &#8211; ver\u00f6ffentlichte er erstmals nach zehn Jahren eine neue Single mit dem Titel &#8222;Where Are We Now&#8220;, sowie ein Video von Tony Oursler, eine Hommage an seine Zeit in Berlin von 1976 bis 1979. Anschlie\u00dfend wurde am 8. M\u00e4rz 2013 das Album &#8222;The Next Day&#8220; ver\u00f6ffentlich<\/p>\n<p>So manche glaubten an eine Art &#8222;Comeback&#8220;, doch es war lediglich der Beginn des Endes. Am 18. November 2015 wurde Bowies Musical &#8222;Lazarus&#8220;, mit Michael C. Hall in der Hauptrolle, zum ersten Mal aufgef\u00fchrt; offizielle Premiere in Anwesenheit Bowies war am 7. Dezember 2015 in New York. Das Musical ist eine Adaption des Films &#8222;Der Mann, der vom Himmel fiel&#8220; von 1976, in dem Bowie die Hauptrolle innehatte. Am 8. Januar 2016 erschien schlie\u00dflich &#8222;Blackstar&#8220;, das 26. und letzte Studioalbum David Bowies. Zwei Tage sp\u00e4ter verstarb er an Leberkrebs, der 18 Monate vor seinem Tod diagnostiziert worden war. Die Diagnose hatte Bowie der \u00d6ffentlichkeit nicht mitgeteilt.<\/p>\n<p>Der Tod von Leonard Cohen sei &#8222;pl\u00f6tzlich, unerwartet, aber friedvoll&#8220; eingetreten, hie\u00df es in einer Erkl\u00e4rung von dessen Manager Robert Kory. Der 82-J\u00e4hrige soll an den Folgen eines Sturzes am 7. November 2016 in seinem Haus in Los Angeles gestorben sein. Zur Ursache hatte es zuerst keine Angaben gegeben. Cohen hatte seit 2015 mit einer stetig nachlassenden Gesundheit zu k\u00e4mpfen, sich \u00fcber die Art seines Leidens allerdings weitgehend bedeckt gehalten. Sp\u00e4ter wurde bekannt, dass er an Blutkrebs und R\u00fcckenmarkskrebs litt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war es nicht das erste Mal, dass &#8222;Tod&#8220; in der Rockmusik thematisiert wurde. Aber es war das erste Mal in der Pop-Geschichte, dass so viele namhafte K\u00fcnstler innerhalb eines Jahres verstorben waren und einige von ihnen, Bowie und Cohen, die Konfrontation mit dem Tod tats\u00e4chlich im Zeitraum ihres unmittelbaren Ablebens zum Bestandteil ihres Sp\u00e4twerkes machten. So waren bis auf Johnny Cash, der am 5. November 2002 mit &#8222;The Man Comes Around&#8220; sein letztes Album zu Lebzeiten als viertes in der &#8222;American Recordings&#8220;-Serie ver\u00f6ffentlicht hatte, noch nie K\u00fcnstler der Popul\u00e4ren Musik mit dem Schreiben des eigenen Requiems umgegangen.<\/p>\n<p>Cash h\u00f6rte man 2002 auch an, dass er schwer krank war. Die Gebrochenheit seiner Stimme passte jedoch zum Grundton des Albums. Sein Gesang auf diesem Album ist fragil, zur\u00fcckhaltend und w\u00fcrdevoll, \u00e4hnlich wie die Ges\u00e4nge von Bowie und Cohen. Cashs 2002er Album dreht sich vorwiegend um Liebe, Tod und das Leben danach. Der Titelsong handelt vom J\u00fcngsten Gericht und der Wiederkehr Jesu Christi und ist eines der letzten St\u00fccke, die Cash schrieb. F\u00fcr die erste Auflage der sogenannten &#8222;American Recordings&#8220; im Jahre 1994 nahm Cash \u00fcbrigens auch &#8222;Bird On A Wire&#8220; von Leonard Cohen als Coverversion mit auf das Album.<\/p>\n<p>2016 war es also nicht das erste Mal, dass man den Tod gesch\u00e4tzter wie liebgewonnener Musikerpers\u00f6nlichkeiten betrauerte, und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Hunger 1983 TRIBUTE - Catherine Deneuve David Bowie 4K - Synthwave: Downtown Binary - Paradox\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/O4DKVBZD6uM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Photos by \u00a9 Christof Graf Cohen in Los Angeles, Bowie in New York, der eine Brite, der andere Kanadier; beide seit Jahrzehnten in den USA lebend, der eine an der Ostk\u00fcste, der andere an der Westk\u00fcste. 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