{"id":25631,"date":"2022-11-19T12:28:39","date_gmt":"2022-11-19T10:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=25631"},"modified":"2022-11-20T17:12:37","modified_gmt":"2022-11-20T15:12:37","slug":"kw-46-2022-diese-woche-17-18-11-22-kino-start-in-deutschland-hallelujah-leonard-cohen-a-jouney-a-song-im-saarbruecker-filmhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=25631","title":{"rendered":"KW-46-2022: \u201cSo tief wie Cohen selbst\u201c &#8211; \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c &#8211; Film-Kritik: Eine beeindruckende und au\u00dfergew\u00f6hnliche Leonard Cohen-Film-Dokumentation &#8230; Einige vielleicht als eine Film-Kritik zu verstehende Gedanken nach dem ersten Anschauen &#8211; Diese Woche (17.\/ 18.11.22) KINO-START in Deutschland: &#8222;Hallelujah: Leonard Cohen, a Journey, a Song&#8220; &#8211; im SAARBR\u00dcCKER FILMHAUS heute, morgen und am mittwoch zu sehen."},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201cSo tief wie Cohen selbst\u201c &#8211; \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Film-Kritik: Eine beeindruckende und au\u00dfergew\u00f6hnliche Leonard Cohen-Film-Dokumentation<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einige vielleicht als eine Film-Kritik zu verstehende Gedanken nach dem ersten Anschauen<\/strong><\/p>\n<p>von Christof Graf<\/p>\n<p><strong>\u201eIch glaube, ich habe neulich gesagt, ich sei bereit zum Sterben. Ich glaube, ich habe \u00fcbertrieben. Von Zeit zu Zeit bef\u00e4llt einen die Selbst-Dramatisierung. <\/strong><strong>Ich m\u00f6chte ewig leben.\u201c (I said I was ready to die recently, and I think I was exaggerating.\u00a0 One is given to self-dramatization from time to time.\u00a0 I intend to live forever.) sagte Leonard Cohen bei einem letzten Kamingespr\u00e4ch mit Journalisten 2016 im Haus des kanadischen Botschafters in Wilshire\/ Los Angeles am 13. Oktober 2016. Drei Wochen sp\u00e4ter am 7. November 2016 war Leonard Cohen tot. Mit der Film-Dokumentation \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c ist Leonard Cohen scheinbar genau das gelungen: Er lebt \u00fcber seinen Tod hinaus weiter.<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Intension zutr\u00e4glich wurde die weltweite Popularit\u00e4t seiner \u201e\u00dcber-Hymne\u201c \u201eHallelujah\u201c. Es ist das Lied, das nach \u201eSuzanne\u201c, \u201eSo Long Marianne\u201c oder \u201eFirst We Take Manhattan\u201c das wohl bekannteste in der von Hochs und Tiefs und ewigen aber wiederkehrenden wie erfolgreichen Comebacks gepr\u00e4gten \u00a0Karriere des kanadischen Rockpoeten aus Montreal. \u201eHallelujah\u201c ist aber auch ein Lied das vor allem vom Interpretationserfolg anderer K\u00fcnstler noch immer gepr\u00e4gt ist. Dank knapp 1000 Cover-Versionen, die seit dem offiziellen Erscheinen des Songs auf dem Album \u201eVarious Positions\u201c im Jahre 1984 ver\u00f6ffentlicht wurde, erfuhr das Lied und nat\u00fcrlich auch seine Entstehungsgeschichte ein Eigenleben.<\/p>\n<p>Nein, der Film \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c erz\u00e4hlt nicht nur diese Geschichte. Er versucht am Beispiel dieser zur au\u00dfergew\u00f6hnlichen Hymne f\u00fcr Lebensituationen auch die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen K\u00fcnstlers zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die ultimative Musik-Film-Dokumentation, als die derzeit nicht nur auf NET-FLIX quasi alle Musik-Film-Dokus (wie z.B. \u201eBohemian Rhapsody\u201c (Queen), \u201eThat Little Ol&#8216; Band from Texas\u201c (ZZ Top) oder auch \u201eRolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story\u201c von Martin Scorsese , etikettiert werden, ist \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c nicht geworden. Daf\u00fcr bleiben f\u00fcr jene, die sich mit dem Leben von Leonard Cohen besch\u00e4ftigen zu viele Fragen auf. Doch dazu sp\u00e4ter. Vor ab gesagt und unter dem Eindruck des beim bundesweiten Filmstart am 17.11.2022 angeschauenen Films im Saarbr\u00fccker Filmhaus (dortiger Filmstart war am 18.11.2022), ist \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c eine gut und innovativ erz\u00e4hlte Geschichte. Eine Geschichte wie sie so als Musik-Filmgeschichte bisher noch nicht erz\u00e4hlt wurde. Ja, es gibt diese vielen, teils wirklich sehr gut gedrehten \u201eRoad Movie\u201c- und \u201eLive In Concert\u201c-Film-Dokus mit Backstage-Szenen ohne Ende. Und ja, es gibt auch langweilige davon. Und ja, es gibt auch die Film-Dokus mit und die ohne Interviewpassagen des jeweiligen Protagonisten, es gibt die mit und ohne zus\u00e4tzliches mehr oder weniger oder gar tats\u00e4chlichem \u201eArchiv-Material\u201c.<\/p>\n<p>\u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c ist irgendwie, irgendwo und eigentlich die ganze Filml\u00e4nge von 118 Minuten eine Melange aus allem. Der Filmverleiher ordnet den Film den Genres \u201eBiographie-Doku\u201c und \u201eDokumentarfilm\u201c zu. Er ist mehr als das. Die Presse-Mitteilung zum Film beschreibt den Film und Leonard Cohen wie folgt als \u201ePhilosoph und Poet, Suchender und Fragender, Frauenversteher und M\u00f6nch: In Leonard Cohen vereinigen sich viele Widerspr\u00fcche, die ihn zu einem der aufregendsten Songwriter des 20. und 21. Jahrhunderts werden lassen. Nach 5 Jahren und mindestens 150 Strophen war Leonard Cohen endlich mit seinem Magnus Opus \u201eHallelujah\u201c zufrieden &#8211; allerdings beschloss sein Haus-Label Columbia Records, die LP nicht in Amerika zu ver\u00f6ffentlichen. Was zuerst wie eine pers\u00f6nliche Trag\u00f6die wirkte und Cohen in eine Schaffenskrise st\u00fcrzte, war der Beginn einer unerwarteten Karriere des Songs.\u201c<\/p>\n<p>Es hei\u00dft, \u201eder Film sei von Leonard Cohen kurz vor seinem 80. Geburtstag im Jahr 2014 zur Produktion freigegeben worden und w\u00fcrde eine F\u00fclle nie zuvor gesehener Archivmaterialien des sogenannten \u201eCohen Trust\u201c, der das Erbe Leonard Cohens verwaltet, zeigen. Darunter z.B. Cohens pers\u00f6nliche Notizb\u00fccher, Tageb\u00fccher und Fotos, Filmmaterial von gro\u00dfartigen Auftritten sowie \u00e4u\u00dferst seltene Audioaufnahmen und Interviews.<\/p>\n<p>\u201eEs sei eine \u201eultimative Doku \u00fcber Leonard Cohen\u201c, hei\u00dft es in der Vermarktungsmaschinerie der 2021 erschienenen US-Produktion. \u201eEr war ein H\u00f6hepunkt des Filmfestivals Venedig und der Viennale 2021\u201c hei\u00dft es. Und er \u201ew\u00e4hlt einen ungew\u00f6hnlichen Einstieg\u201c, \u2026 \u201eseine weltbekannte Hymne \u201eHallejuah\u201c diene als Prisma, durch die sein Leben, seine Karriere und sein k\u00fcnstlerische Vision gezeigt wird\u201c, hei\u00dft es. Tut sie das?<\/p>\n<p>F\u00fcr jene, die sich f\u00fcr Leonard Cohen interessieren, jene, die ein wenig in das Leben und Werk Leonard Cohens eintauchen m\u00f6chten, mehr \u00fcber Leonard Cohen erfahren m\u00f6chten, als das, was sie beim Besuch eines seiner Konzerte erfahren haben, f\u00fcr jene ist der Film der perfekte Einstieg in das Leben und Werk von Leonard Cohen. F\u00fcr jene, die gerne noch tiefer in das Werk Cohens eintauchen bleiben gelegentlich Fragen offen. Offene Fragen wie z.B.: Warum kommen seine Kinder Adam Cohen, der 2019 Cohens posthumes Album \u201eThanks For The Dance\u201c fertigstellte nicht zu Wort? Warum wird auch nicht seine Tochter Lorca befragt? Was war die genaue Todesursache Leonard Cohens? Wie hat Cohen in Los Angeles gelebt? Cohens H\u00e4user in Montreal in Westmount und im Parc Du Portugal dagegen werden gezeigt. Warum wird sein fast zehnj\u00e4riger Aufenthalt in Hydra nicht thematisiert? Lebensabschnittsgef\u00e4hrtinnen wie die Filmschauspielerin Rebecca De Mornay oder die Musikerin Thomas Anjani kommen nicht zu Wort. Daf\u00fcr aber Dominique Isserman, die auch Fotografin des Filmplakates ist und Cohen noch vor seinem Tod 2016 ein letztes Mal fotografierte.<\/p>\n<p>Das Filmpublikum ist den Kommentatoren des Films wie z.B. seinem fr\u00fcheren Produzenten John Lissauer, K\u00fcnstlern wie z.B. Jeff Buckley, John Cale, Brandi Carlile, Judy Collins, Sharon Robinson oder dem Vater seines Enkels Rufus Wainwright, einer von vielen die u.a. auch \u201eHallelujah\u201c gecovert haben, ausgesetzt. Einer, der eine Art roten Faden durch den Film spinnenden Kommentatoren ist die US-amerikanische Musikautoren-Legende Larry &#8222;Ratso&#8220; Sloman. Autor zahlreicher B\u00fccher, der Leonard Cohen fast 30 Jahre lang [1974 \u2013 2001] regelm\u00e4\u00dfig interviewte. Ausz\u00fcge seiner teils nie zuvor geh\u00f6rten, ungeschnittenen Interviewb\u00e4nder sind Bestandteil des Films. Er ist es, der das Bild Leonard Cohens um eine Variante erg\u00e4nzt: Humor. Er greift im Film z.B. den ewigen Vergleich zwischen Bob Dylan und Leonard Cohen auf. Auch Cohen \u00e4u\u00dferst sich dazu. Man erf\u00e4hrt im Film aber auch, was durchaus schon bekannt war: Mitte der 1980er Jahre besuchte Cohen ein Konzert von Bob Dylan in Paris. Am n\u00e4chsten Morgen trafen sie sich in einem Caf\u00e9 und sprachen \u00fcber ihre letzten Alben. Dylan interessierte sich vor allem f\u00fcr den Song \u201eHallelujah\u201c und er fragte Cohen, wie lange er daf\u00fcr gebraucht hatte, ihn zu schreiben. &#8222;Two years&#8220;, log Cohen. Tats\u00e4chlich brauchte er f\u00fcnf oder gar mehr Jahre. Tats\u00e4chlich gibt es unz\u00e4hlige weitere Strophen, als die, die bekannt sind, und die nie ver\u00f6ffentlicht wurden. Von 150 spricht Sloman im Film. Cohen fragte Dylan in Paris nach einem Song von dessen \u201eInfidels\u201c-Album. \u201cI really like &#8222;I and I&#8220;, how long did it take you to write that?&#8220; &#8211; &#8222;About fifteen minutes,&#8220; sagte Dylan. Sloman lacht dar\u00fcber im Film und meint nur: \u201eDylan machte sich dar\u00fcber lustig.\u201c F\u00fcr Cohen-Kenner sind es insbesondere jene kleinen Details, die den Film interessant machen. Aber dennoch, die Kritik muss das zulassen: So viel wirklich neues Material zeigt der Film nicht. Zu sehen ist z.B. Cohens erster deutscher TV-Auftritt von \u201eHallelujah\u201c im ZDF bei \u201eWetten da\u00df \u2026\u201c \u00a01984. Zu sehen sind Konzert-Aufnahmen von Cohens offiziellen Live-DVDs wie z.B. \u201eLive In London\u201c. Zu sehen sind Ausschnitte aus bisherigen TV-Interviews und Dokumentationen wie z.B. \u201eLadies and Gentlemen &#8211; Mr. Leonard Cohen (1965)\u201c, die Cohen in den Anf\u00e4ngen seiner Schriftsteller-Karriere zeigen oder \u201eLeonard Cohen. Spring 1996\u201c, ein Portrait von Armelle Brusq (1997). Letztere zeigen Cohen bei seinen Zen-Studien im Zen-Kloster von Mount Baldy nahe von Los Angeles. Zu sehen sind auch immer wieder Einblendungen von \u201eRatso\u201c, der Aussagen von Cohen oder anderer kommentiert. Sharon Robinson, langj\u00e4hrige \u2013 nicht sexuelle \u2013 Freundin, Co-Autorin und Co-Produzentin (2001-2004) erinnert sich an Cohen, ebenso wie Judy Collins, die den ersten Live-Auftritt von Leonard Cohen inszeniert hat und die erste war, die in den 1960er Jahren Cohens \u201eSuzanne\u201c einem breiten Publikum vorstellte, bevor Cohen das selbst tat. Sloman erinnert auch daran, da\u00df es wohl Bob Dylan war, der einer der ersten war, der \u201eHallelujah\u201c live coverte. Dylan selbst konnte aktuell f\u00fcr den Film nicht f\u00fcr einen O-Ton gewonnen werden. Hier bedient man sich im Film eines eher allgemeinen Statements von Dylan zum Covern von Songs. Zu h\u00f6ren sind aber Ton-Aufnahmen von Dylans zweimaliger \u201eHallelujah\u201c-Performance aus dem Jahr 1988.<\/p>\n<p>Angereichert werden bisher tats\u00e4chlich ungesehene Fotos, Live-Footage und auch Interview-Aussagen aus Talk-Shows und TV-Interviews, in denen sich Cohen u.a. zu \u201eHallelujah\u201c und seinem ewigen inneren Kampf, der sich um die lebenslange Sinnsuche rund um Liebe, Tod, Frauen und Religionen drehte. Im Mittelpunkt steht immer wieder der Song \u201eHallelujah\u201c und seine vielen nicht ver\u00f6ffentlichen Strophen, von denen Cohen in seinen Konzerten oft einige vortrug, die nicht in der Original-Version vom \u201eVarious Position\u201c-Album zu h\u00f6ren sind. Im Fokus stehen aber auch Interpretationen anderer K\u00fcnstler, allen voran die von John Cale (Ex-Velvet Underground) und Jeff Buckley, die zu der Renaissance des 80er Jahre-Songs in den 90ern beigetragen haben. Im Film-Fokus stehen auch von da an durch Cover-Versionen im Blockbuster \u201eShrek\u201c und Interpretationen bei \u201eAmerican Idol\u201c oder \u201eThe Voice of\u2026\u201c-TV-Shows, die \u201eHallelujah\u201c eine Art Unsterblichkeit im kollektiven Ged\u00e4chtnis offerierten und auch Stra\u00dfenmusikern der n\u00e4chsten Generationen Gelegenheit zur Interpretation geben.<\/p>\n<p>Die Film-Interessierten an den Abendkassen der Filmtheater wird das nicht schmerzen, teils bereits bekanntes Material gezeigt zu bekommen, das zumeist nur in den Tiefen der Archiven von Medienanstalten oder Sammlern ruht. Der Film-Interessierte bekommt eine gut erz\u00e4hlte Geschichte gut erz\u00e4hlt, die sich ganz an der Tradition einer guten Hollywood-Produktion von unterhaltsam gut erz\u00e4hlten Geschichten anlehnt . Selbst die Kunstform des Narrativ ist dabei akzeptabel wie legitim. Leonard Cohen kann sich aktuell dazu nicht \u00e4u\u00dfern, hat das finale Werk nicht gesehen und wei\u00df nur von dem Projekt an sich, bevor es beendet wurde. Letzte aktuelle Statements zu \u201eHallelujah\u201c stammen aus raren Interviews w\u00e4hrend seiner Comeback-Welttour 2008-2010, passen aber ebenso unterhaltsam wie legitim in die Storyline.<\/p>\n<p>Den Machern des Films Dan Geller und Dayna Goldfine darf man dankbar f\u00fcr das \u201efinish product\u201c sein. Sie wurden von Aufnahmen von Cohen, der \u201eHallelujah\u201c auf der B\u00fchne w\u00e4hrend einer Auff\u00fchrung in Oakland, Kalifornien, sang, inspiriert. Danach entdeckten sie Alan Lights 2012 erschienenes Buch \u201eThe Holy or the Broken\u201c als weitere Inspirationsquelle f\u00fcr den Film. 2014 wurde aus der Idee das Projekt. Die Reise rund um das Lied bekam filmische Strukturen. Aus mehr als 100 Stunden Archiv und Audio- und \u00fcber 70 Stunden Interview-Material wurden knapp 2 Stunden Film-Doku \u00fcber ein Lied, das nicht nur doppelten, sondern mehrfachen Boden, wie fast alle Lieder Leonard Cohens innehaben. 150 Strophen befinden sich in zahlreichen von Leonard Cohen ein Leben lang gef\u00fchrten Notizb\u00fcchern.<\/p>\n<p>Einige Strophen werden zitiert, teils von Cohen selbst. Schnell wird deutlich, es geht nicht nur um Gott und Religion. Es geht um Macht und Machtlosigkeit, um Krieg, Frieden, Kunst, Sprache und Frauen, um Sex und Liebe, die ewige Sinnsuche \u00fcber die von Cohen praktizierenden religi\u00f6sen Riten hinaus.<\/p>\n<p>Man erf\u00e4hrt: \u201eHallelujah\u201c wird nicht nur deswegen gesungen, um Gott zu preisen und zu loben.<\/p>\n<p><em>Now I&#8217;ve heard, there was a secret chord<\/em><\/p>\n<p><em>That David played and it pleased the Lord<\/em><\/p>\n<p><em>Es geht auch darum, alles in frage zu stellen.<\/em><\/p>\n<p><em>But you don&#8217;t really care for music, do you?<\/em><\/p>\n<p><em>It goes like this, the fourth, the fifth,<\/em><\/p>\n<p><em>the minor fall, the major lifts,<\/em><\/p>\n<p><em>the baffled* king composing: Hallelujah<\/em><\/p>\n<p>Wer Bibel und Talmud kennt, wei\u00df um die am wenigsten verstandene Geschichte von K\u00f6nig David und Batschewa, ein Sinnbild f\u00fcr vieles, was Cohens Lied zum Ausdruck kommt. Erfolg, Misserfolg z.B. auch. Auch im Film wird thematisiert, da\u00df Cohens Mitte der 2000er von seiner damaligen Managerin Kelly Lynch, ihr Name wird nicht genannt, um sein Millionen-Verm\u00f6gen gebracht wurde und er mit 74 nochmal \u201eArbeiten\u201c gehen musste und wie ein Ph\u00f6nix aus der Asche zur\u00fcck auf die Konzertb\u00fchnen gehen musste, um sein Altersgeld aufzubessern.<\/p>\n<p>K\u00f6nig David wird bei Cohen in seinem \u201eHallelujah\u201c, das nicht nur Lob, sondern auch Klage-Lied ist, zum Sinnbild seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit als Rockpoet. Es beschreibt bildreich moralische Verwerfungen, auf die man nicht stolz ist. Cohen ver\u00e4nderte Textzeilen des \u00d6fteren bei Live-Aufritten, was auch zus\u00e4tzlichen Raum f\u00fcr Interpretationen \u00f6ffnete. In einer fr\u00fcheren Version stand anstatt \u201ebaffled\u201c \u201eBattle King\u201c, was David pl\u00f6tzlich vom \u201everbl\u00fcfften\u201c zum \u201eSchlachten f\u00fchrenden\u201c K\u00f6nig machte.<\/p>\n<p>Zuguterletzt wird auch Cohens Faszination f\u00fcr Zen-Buddhismus im Film zitiert. Er f\u00fchlte sich entwurzelt, sagt Cohen. Der Zen-Meister, der u.a. auch auf der \u201eRecent Songs\u201c-Europatour 1979\/ 1980 im Tourbus mitfuhr, weil der auch in Deutschland ein Zen-Zentrum gr\u00fcndete, gab Cohens Leben Struktur. \u201eIch wollte Zeit mit ihm verbringen. \u2013 Er formalisierte mein Leben\u201c. Der Film ist voller aussagekr\u00e4ftigen S\u00e4tze, \u00e4hnliche wie diese.<\/p>\n<p>Am Ende des Films hat der Film meiner Meinung nach Probleme zum Ende zu finden. Ich \u00fcberlege noch immer, wo und wann ich den Film h\u00e4tte enden lassen? Meiner Meinung nach h\u00e4tte er mit der letzten Live-Performance von Hallelujah am 21. Dezember 2013 in Auckland, New Zealand enden k\u00f6nnen. Es war der letzte Live-Auftritt einer fast 500 Konzerte umspannenden Konzertreise von 2008-2010 und 2012\/ 2013. \u2013 Ein kurze Snippet-Szene vom letzten Europa-Konzert am 20. September 2013 in Amsterdam ist im Film zu sehen.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach h\u00e4tte er mit der h\u00f6chst beeindruckenden Live-Performance von Hallelujah beim legend\u00e4ren Glastonbury-Festival 2008 enden k\u00f6nnen. Hier wurde mehr als einmal deutlich, da\u00df Leonard Cohen auch auf Festival-Gel\u00e4nden vor 100.000 Besuchern, Open Air-Areale in and\u00e4chtige Zentren tiefer Stille verwandeln konnte. Ein kurze Snippet-Szene vom von der BBC damals mitgeschnittenen aber nie gesendeten Glastonbury-Konzert ist im Film zu sehen.<\/p>\n<p>Ein definitiv gutes Film-Finale, h\u00e4tte meiner Meinung nach auch der Schnitt nach Leonard Cohens Konzert-Finale beim \u201eConcert for Reconciliation, Tolerance and Peace\u201c im Ramat Gan Stadium, Israel, am 24. September 2009 sein k\u00f6nnen. Es war Leonard Cohens erstes Konzert in Israel seit seiner 1980er-World Tour. Das Konzert stand f\u00fcr die Befriedung des Konflikts zwischen Juden und Pal\u00e4stinenser. Nach \u00fcber drei Stunden und drei Zugabebl\u00f6cken, bei dem die knapp 50.000 fast jedem Song soviel Andacht und Ruhe schenkten, wie man es auch in Synagogen, Kirchen und Zen-Tempeln erleben kann, tat Leonard Cohen etwas Ungew\u00f6hnliches und Einzigartiges. Er verabschiedete sein Publikum nicht nur dankbar mit einem \u201eGod Bless You\u201c oder \u201eKommt gut nach Hause\u201c und \u201eDon`t catch a cold\u201c, er gab seinem ihm dankbaren Publikum einen Segen, wie ihn ein j\u00fcdischer Priester seiner Gemeinde gibt: \u201eMay the Lord bless you and keep you. May the Lord let His face shine upon you and be gracious to you. May the Lord look kindly upon you and give you peace.\u201d \u2013 An dieser Stelle h\u00e4tte der Film ein gutes, wenn auch abruptes Ende im Stile altbekannter \u201eFilm Noir\u201c-Technik verdient. Ein kurze Snippet-Szene mit diesem Segen ist im Film zu sehen.<\/p>\n<p>Der Film h\u00e4tte an mehreren Stellen und ohne an Qualit\u00e4t der Geschichte verlierend, enden k\u00f6nnen. Ein weiteres alternatives Film-Ende h\u00e4tte die bereits anfangs dieser kleinen Film-Kritik zitierte Leonard Cohen-\u00c4u\u00dferung bei dem Kamingespr\u00e4ch mit Journalisten 2016 im Haus des kanadischen Botschafter in Los Angeles am 13. Oktober 2016 sein k\u00f6nnen: \u201cI said I was ready to die recently, and I think I was exaggerating.\u00a0 One is given to self-dramatization from time to time. I intend to live forever.\u201c Drei Wochen sp\u00e4ter am 7. November 2016 ist Leonard Cohen gestorben. Mit der Film-Dokumentation \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c ist Leonard Cohen scheinbar genau das gelungen: Er lebt \u00fcber seinen Tod hinaus weiter. Der Film ist so tief wie Cohen selbst und ist eine beeindruckende und au\u00dfergew\u00f6hnliche Leonard Cohen-Film-Dokumentation. Ein Film f\u00fcr Cohen-Kenner und Cohen-Begeisterte wie auch f\u00fcr die, \u00a0in die Welt von Leonard Cohen einsteigen Wollenden ein leicht zu findendes Tor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>PRESSE-STIMMEN:<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eSo tief wie Cohen selbst. &#8211; Der perfekte Einstieg in das Leben und Werk von Leonard Cohen\u201c. (www.cohenpedia.de)<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>So entfaltet sich im Verlauf von zwei Stunden eine einzigartige j\u00fcdisch-buddhistische Lebensreise zwischen Exzess, Erleuchtung und transzendentaler Obdachlosigkeit. \u201eLove is not some kind of victory march\u201c, hei\u00dft es im Songtext. \u201eIt\u2019s a cold and it\u2019s a broken Hallelujah.\u201c (Viennale)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbSpielt in einer eigenen Liga \u2013 ein majest\u00e4tischer, beinahe symphonischer Dokumentarfilm.\u00ab \u2013 The Wall Street Journal<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbEiner der besten Dokumentarfilme des Jahres.\u00ab \u2013Esquire<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbEinzigartig und h\u00f6chst erfreulich \u2013 Eine vielschichtige Musikdokumentation dar\u00fcber, wie ein stiller K\u00fcnstler ungeplant einen Song geschaffen hat, der die ganzen Welt bewegt.\u00ab \u2013 Variety<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbVoller Bewunderung f\u00fcr diesen gro\u00dfartigen K\u00fcnstler und das lebendige Erbe seines Werks.\u00ab \u2013 The Guardian<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbEine faszinierende Studie \u00fcber die Funktionsweise und Metaphysik des popkulturellen Ged\u00e4chtnisses.\u00ab \u2013 The New York Times<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbEine z\u00e4rtliche und offenherzige Hommage.\u00ab \u2013 The Wrap<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbErhellend und Ber\u00fchrend\u00ab \u2013 RAY<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>INFOS:<\/strong><\/p>\n<p>Regie &amp; Drehbuch: Daniel Geller, Dayna Goldfine, Produktion: Daniel Geller, Dayna Goldfine, Kamera: Daniel Geller,\u00a0Tongestaltung: Bob Edwards, Scott R. Lewis, Filmmusik: John Lissauer, Schnitt: Dayna Goldfine, Bill Weber, Daniel Geller, Mit: Mit: Leonard Cohen, Jeff Buckley, John Cale, Brandi Carlile, Eric Church, Judy Collins, Bob Dylan, Glen Hansard, Sharon Robinson, Rufus Wainwright u.v.a.<\/p>\n<p>USA 2021, 116 min., Farbe<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/popscene5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-25624\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/popscene5-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/popscene4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-25623\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/popscene4-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cSo tief wie Cohen selbst\u201c &#8211; \u201eHallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song\u201c Film-Kritik: Eine beeindruckende und au\u00dfergew\u00f6hnliche Leonard Cohen-Film-Dokumentation Einige vielleicht als eine Film-Kritik zu verstehende Gedanken nach dem ersten Anschauen von Christof Graf \u201eIch glaube, ich habe neulich gesagt, ich sei bereit zum Sterben. 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