{"id":2633,"date":"2016-05-02T20:14:20","date_gmt":"2016-05-02T18:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=2633"},"modified":"2016-05-02T20:14:20","modified_gmt":"2016-05-02T18:14:20","slug":"kw-17-2016-75-jahre-bob-dylan-75-beitraege-zu-dylans-75-geburtstag-675-dylan-picasso-cohen-matisse-cohen-dylan-performances-in-concert-music-poetry-anecdotes-infos-the","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=2633","title":{"rendered":"KW-17-2016: 75 JAHRE BOB DYLAN &#8211; 75 Beitr\u00e4ge zu Dylans 75. Geburtstag &#8211;   (6\/75 &#8211; Dylan &#038; Picasso, Cohen &#038; Matisse : COHEN &#038; DYLAN &#8211; Performances, in Concert, Music &#038; Poetry, Anecdotes &#038; Infos. the  neverending &#038; everlasting comparison. COHEN &#038; DYLAN &#8211; Some critical analysises &#8211; by Christof Graf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dylan &amp; Picasso, Cohen &amp; Matisse<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zu Bob Dylan f\u00fchlte sich Cohen hingezogen, seit er dessen Platten Mitte der 60er Jahre zum ersten Mal h\u00f6rte. Cohen bemerkte 1967 gar einmal, da\u00df er \u201eso etwas wie der Spiegel Bob Dylans&#8220; sei, und selber am meisten davon beeindruckt wie auch \u00fcberrascht w\u00e4re, weil ihm manches von Dylan sehr bekannt vork\u00e4me.<\/strong><\/p>\n<p>Er sei wie eine Figur aus einem seiner B\u00fccher, die lebendig geworden w\u00e4re. Irgendwie h\u00e4tte er das Gef\u00fchl gehabt, als ob er ihn \u201eerfunden&#8220; h\u00e4tte. \u201eAls ich ihn das erste Mal geh\u00f6rt habe, habe ich ihn sofort verstanden. Ich habe verstanden, was er tat. Ich sah, da\u00df er eine Rolle einnahm, in der ich mich gerne gesehen h\u00e4tte. Ich habe mich ermutigt gef\u00fchlt, als ich seine Musik h\u00f6rte. Denn wenn man Dylans Musik zuh\u00f6rt, hat man das Gef\u00fchl, neue vielleicht nicht gekannte Energien freigesetzt zu bekommen. Das macht den Wert eines k\u00fcnstlerischen Werkes \u00fcberhaupt aus.&#8220;<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Sichtweise ergab sich auch bei einem Gespr\u00e4ch zwischen dem Autor und Paul Williams, bei Dylans Konzert in Prag 1995: \u201eErst, wenn man auf dem Weg ist, das Konzerterlebnis als ein St\u00fcck Kunst zu erfahren, ist man auf dem Weg zu verstehen, da\u00df mit dem Konzert &#8211; unabh\u00e4ngig von der Tonaufnahme &#8211; der eigentliche Akt des Kunstschaffens stattfindet.&#8220; K\u00fcnstler wie Dylan oder auch Cohen schaffen mit jedem Auftritt Kunst und vergr\u00f6\u00dfern damit ihr k\u00fcnstlerisches Werk. Cohen verglich Dylan 1988 in einem Interview mit dem MUSICIAN MAGAZINE gar mit Pablo Picasso: \u201eNobody is identifying our popul\u00e4r singers like Matisse or Picasso. Dylan&#8217;s a Picasso that exuberance r\u00e4nge and assimilation of the whole history of music.&#8220;<\/p>\n<p>In einem anderen Interview mit dem Autor bemerkte Cohen auf die Frage, mit wem er dann zu vergleichen sei, wenn Dylans malerisches Pendant Picasso sei: \u201eNat\u00fcrlich Matisse&#8220;. Der Vergleich Dylans mit Picasso ist in der Tat legitim. Gerade wenn man das Dylan&#8217;sche Wortgut der 60er Jahre untersucht, l\u00e4\u00dft sich die N\u00e4he Dylans zum Surrealismus nicht leugnen. H\u00e4lt man sich an die Definition des Surrealismus, als psychischem Automatismus, ist die Untersuchung dieser Analogie interessant. In fr\u00fchen Dylan-Songs wie z.B. \u201eFarewell Angelina&#8220; oder in \u201eVisions Of Johanna&#8220; sind \u00e4hnlich bizarre und skurille Bilder zu erkennen, wie sie Picasso mit Zeichenstift und Pinsel schuf. Ein weiterer Ansatzpunkt ist seine von Picasso bekannte Produktivit\u00e4t. \u00c4hnlich wie der unentwegt kreative Picasso, der selbst nebenbei st\u00e4ndig zumindest irgendetwas skizzierte, malte er fast t\u00e4glich oder war stets anderweitig k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig. Er arbeitete, weil sein Inneres aus ihm heraus mu\u00dfte. Dies ist die Motivation des Handelns. Er hat keine andere Wahl, als seine Kreativit\u00e4t herauszulassen. Zudem ist beiden K\u00fcnstlern wohl auch der Wesenszug des Egozentrikers gemein.<\/p>\n<p>Die jeweiligen Biographien spiegeln sich in den Werken der K\u00fcnstler wieder. Neue Welten werden erschlossen. Beide K\u00fcnstler haben einen gro\u00dfen Fundus unver\u00f6ffentlichter Werke. Beide arbeiten bzw. arbeiteten an bereits bestehenden Werken immer wieder von Neuem und schufen mit dieser Bearbeitung auch wieder neue Werke. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, da\u00df gerade bei dieser von Picasso bekannten Methodik das alte, vom Betrachter eigentlich schon f\u00fcr perfekt gehaltene Werk in dem Pro-ze\u00df der Bearbeitung und des Neuschaffens v\u00f6llig zerst\u00f6rt wird. Statt dessen entsteht unter den H\u00e4nden Picassos ein h\u00f6her stilisiertes, abstraktes, entfremdetes Werk, dem der in diesen Dingen (scheinbar) naive Betrachter zuerst einmal den Untergang des vorhergehenden, weniger abstrakten und daf\u00fcr greifbareren vertrauteren Werkes vorwirft. Gerade an dieser Visualisie-rung des Prozesses der Neuschaffung durch Destruktion des urspr\u00fcnglichen<\/p>\n<p>Werkes wird die Parallele zu Dylan sichtbar und gerade diese Analogie f\u00fchrt zum Verst\u00e4ndnis des Gesamtwerkes von Bob Dylan in den 12 Jahren, die die Never Ending Tour umspannen. \u201eTangled Up In Blue&#8220; ist ein solches Beispiel. Der Song wurde 1974 geschrieben und 1975 ver\u00f6ffentlicht. 1978 und 1984 \u00e4nderte Dylan den Text und pr\u00e4sentierte erst 1988 den Song wieder in der UrFassung. Auch Cohen wei\u00df seine Werke im Laufe der Zeit zu variieren, was z.B. die beiden Fassungen des Song \u201eChelsea Hotel #1&#8243; und \u201e#2&#8243; mit unterschiedlichen Strophen beweisen.<\/p>\n<p>Auch der Song \u201eDemocracy&#8220; unterliegt live einer Wandlung. Bei seiner&#8217;93er \u201eFuture&#8220;-World Tour offerierte Cohen mehr als die sechs vom Album bekannten Strophen. Das Script hat 80 Strophen. Doch Cohen ist mehr als Dylan der totale Formalist. Nach au\u00dfen verk\u00f6rpert er die Suche nach Perfektion, im Innern praktiziert er das totale Streben nach Freiheit.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie z.B. Matisse pr\u00e4feriert Cohen diese extreme Form der kultivierten Lebensart, woraus er seine Methode entwickelt. Mit dem totalen Formalismus die totale Freiheit anzustreben, um so zu einem wahren Wilden zu werden, ist sein Ziel. Seine Art des gentlemanliken Auftretens und die Form seiner Kunst unterst\u00fctzt den Vergleich mit Matisse. In dem Gewand der Bourgeoisie agiert er als Enfant Terrible. Im Erreichen der totalen Kontrolle \u00fcber sich gelangt er zu Bildern, die ohne diese vorherige Kontrolle, nie unkontrolliert wirken k\u00f6nnten. Wenn Cohen Abend f\u00fcr Abend dieselbe Geschichte erz\u00e4hlt, scheint es, als ob er seine Spontanit\u00e4t hinter einem durchdachten Konstrukt verbirgt, womit sich der Kreis der Analogien, Dylan und Picasso, Cohen und Matisse schlie\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dylan &amp; Picasso, Cohen &amp; Matisse Zu Bob Dylan f\u00fchlte sich Cohen hingezogen, seit er dessen Platten Mitte der 60er Jahre zum ersten Mal h\u00f6rte. 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