{"id":3177,"date":"2016-05-25T21:03:52","date_gmt":"2016-05-25T19:03:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=3177"},"modified":"2016-05-25T21:04:29","modified_gmt":"2016-05-25T19:04:29","slug":"kw-20-2016-75-jahre-bob-dylan-751-beitraege-zu-dylans-75-geburtstag-751751-von-gefallene-engels-im-schatten-der-nacht-zu-er-erfindet-sich-gerade-neu-die","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=3177","title":{"rendered":"KW-20-2016: 75 JAHRE BOB DYLAN \u2013 75+1 Beitr\u00e4ge zu Dylans 75. Geburtstag \u2013 (75+1\/75+1 \u2013 Von &#8222;GEFALLENE ENGELS IM SCHATTEN DER NACHT&#8220; zu &#8222;ER ERFINDET SICH GERADE NEU&#8220; . Die hohe Kunst der Reduktion &#8211;  Performances, in Concert, Music &#038; Poetry, Anecdotes &#038; Infos. the neverending &#038; everlasting comparison. COHEN &#038; DYLAN \u2013 Some critical analysises \u2013 by Christof Graf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gefallene Engel im Schatten der Nacht <\/strong><\/p>\n<p><strong>Bob Dylan wird heute 75 \u2013 Was uns die Rocklegende in Saarbr\u00fccken und Mainz 2015 vorenthielt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von unserem Mitarbeiter<\/p>\n<p>CHRISTOF GRAF<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Bob Dylan, alias Robert Allen Zimmerman<\/strong><\/p>\n<p><strong>(in Duluth, Minnesotta geboren), heute am 24. Mai <\/strong><\/p>\n<p><strong>2016 seinen 75. Geburtstag feiert, wei\u00df man nicht<\/strong><\/p>\n<p><strong>wo, wie und mit wem er ihn feiert. Es gibt zwar \u00fcber<\/strong><\/p>\n<p><strong>500 B\u00fccher \u00fcber den neben Leonard Cohen wohl <\/strong><\/p>\n<p><strong>bedeutendsten Singer\/ Songwriter des<\/strong><\/p>\n<p><strong>20.\/21. Jahrhunderts, aber \u00fcber sein Privatleben <\/strong><\/p>\n<p><strong>ist kaum etwas bekannt. Seit seinem Motorradunfall <\/strong><\/p>\n<p><strong>1966 zog er sich zur\u00fcck und liess kaum mehr etwas <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00fcber sein Privates verlauten. <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ja, er f\u00fchrte zwei Ehen (mit Sara 1965\u20131977 und<\/p>\n<p>Carolyn Dennis 1986\u20131992), ist Vater von (offiziell)<\/p>\n<p>sechs Kindern und lebt mit einer Lebensgef\u00e4hrtin in<\/p>\n<p>Malibu\/ Kalifornien, wenn er nicht gerade auf der<\/p>\n<p>seit 1988 w\u00e4hrenden \u201eneverending tour\u201c ist. Dylans<\/p>\n<p>Privatleben ist tabu, seine Kunst aber<\/p>\n<p>zum gesellschaftlichen Allgemeingut geworden. Pressegespr\u00e4che<\/p>\n<p>und Medienkontakte gibt es selten. Dylan<\/p>\n<p>schreibt, singt, komponiert, schwei\u00dft Metalskulpturen<\/p>\n<p>und malt, das reicht. Bob Dylan selbst ist l\u00e4ngst Gesamtkunstwerk unserer<\/p>\n<p>Zeit, das wie kein anderes von Dylanologen weltweit<\/p>\n<p>akribisch dokumentiert und analysiert wird.<\/p>\n<p>Kurz vor seinem 75. Geburtstag erscheint mit \u201eFallen<\/p>\n<p>Angels\u201c sein 37. Studio-Album im sechsten<\/p>\n<p>Jahrzehnt seines k\u00fcnstlerischen Schaffens. Viel zu viel werden<\/p>\n<p>die Feuilletonisten auf das verwiesen, was Dylan in der Vergangenheit machte,<\/p>\n<p>viel zu wenig wird auf das eingegangen, was Dylan derzeit tut.<\/p>\n<p>Dylan verabschiedet sich (wieder einmal) von seiner<\/p>\n<p>eigenen Geschichte, h\u00e4utet sich und erfindet sich<\/p>\n<p>(wieder einmal) neu.<\/p>\n<p>Selbst die \u201eNeverending Tour\u201c, dadurch gepr\u00e4gt, dass Dylan seit 1988<\/p>\n<p>keines seiner j\u00e4hrlich etwa einhundert Konzerte gleich klingen<\/p>\n<p>l\u00e4sst, scheint Teil einer erneuten H\u00e4utung zu sein. Neue und andere<\/p>\n<p>Inhalte kommen hinzu. 2015, das Jahr in dem ein anderer gro\u00dfer<\/p>\n<p>Vertreter amerikanischer Popkultur ein Hundert Jahre alt geworden w\u00e4re,<\/p>\n<p>gilt als Dylans \u201eSinatra Jahr\u201c. Dylan brachte 2015 das Album \u201eShadows<\/p>\n<p>In the Night\u201c heraus. Dylan versuchte sich damit als Interpret von<\/p>\n<p>Hits und Evergreens aus dem Great American Songbook, die man bis<\/p>\n<p>dahin zumeist mit Frank Sinatra in Verbindung gebracht hatte. Arrangiert<\/p>\n<p>ist das Album f\u00fcr die sogenannte \u203akleine\u2039 Band. Aufgenommen wurde ganz<\/p>\n<p>klassisch in ein oder zwei Takes. Dylan transferiert Songs aus dem<\/p>\n<p>20. ins 21. Jahrhundert und macht sie im kollektiven Ged\u00e4chtnis<\/p>\n<p>\u201eFallen Angels\u201c ist quasi der zweite Teil der damaligen Aufnahmesession,<\/p>\n<p>bestehend aus zw\u00f6lf weiteren Songs, die damals nicht mitver\u00f6ffentlicht<\/p>\n<p>wurden. Damit macht sich der Rockmessias und seinen J\u00fcngern ein perfektes<\/p>\n<p>Es sind keine eigenen Kompositionen, sondern Verbeugungen<\/p>\n<p>vor dem \u00fcberreichen amerikanischen Liedgut, die bis in die vierziger Jahre<\/p>\n<p>zur\u00fcckreichen. Nat\u00fcrlich klingt es nicht wie Sinatra und Big Band.<\/p>\n<p>Es klingt wie Dylan, der damit einen neuen Blick auf in Vergessenheit<\/p>\n<p>geratene Songs er\u00f6ffnet. Waren es<\/p>\n<p>bei \u201eShadows In the Night\u201c noch haupts\u00e4chlich durch Sinatra<\/p>\n<p>bekannt gewordene Nummern, sind auf \u201eFallen Angels\u201c, jene Klassiker<\/p>\n<p>aus dem \u201eGreat American Songbook\u201c zu h\u00f6ren, die mit anderen, weniger<\/p>\n<p>bekannten Interpreten in Verbindung stehen. Dylan reduziert sie<\/p>\n<p>auf das Wesentliche, indem Pomp, Show und gro\u00dfe B\u00fchne wegfallen.<\/p>\n<p>Und das erlebte man 2015 auch auf Dylans Konzertreise, die nach 28 Jahren<\/p>\n<p>erstmals tats\u00e4chlich anders war. Ja, Dylan tat schon immer gern das,<\/p>\n<p>was man nicht von ihm erwartete, aber in seinem \u201eSinatra Jahr\u201c war<\/p>\n<p>wirklich alles anders, denn alles war gleich. Und er kam sogar gleich zwei<\/p>\n<p>mal nach Deutschland und auch in unsere Region. Im Sommer 2015 gab er<\/p>\n<p>ein Open Air-Konzert in Mainz, im Herbst eines in Saarbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Beides St\u00e4dte, in denen er erst je zwei Mal im Rahmen<\/p>\n<p>von knapp 3000 \u201eneverendingtour\u201c-Konzerten auftrat.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr wirkten die ersten Konzerte in den USA<\/p>\n<p>noch wie Proben. Im Sommer \u00fcberraschte er in Mainz sein Publikum, das<\/p>\n<p>l\u00e4ngst schon kein \u201eBest Of\u201c-Programm mehr erwartet, bereits mit Premieren<\/p>\n<p>wie z.B. dem zuvor noch nicht live-geh\u00f6rten Sinatra-Song<\/p>\n<p>\u201eFull Moon and Empty Arms\u201c . Gitarre spielte er nicht mehr,<\/p>\n<p>daf\u00fcr sa\u00df am \u201eGrand Piano\u201c oder gab sich frank-a-like t\u00e4nzelnd am Steh-<\/p>\n<p>Die Konzerte im Herbst wurden schlie\u00dflich geradezu perfektioniert. Von<\/p>\n<p>Oktober bis November gab es so gut wie keine Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>In Saarbr\u00fccken begann Dylan wie \u00fcberall sonst auch mit dem apokalyptisch anmutenden \u201eThings<\/p>\n<p>Have Changed\u201c , spielte neben f\u00fcnf \u201eSinatra-Songs\u201c keinen einzigen Song aus den 70er<\/p>\n<p>und 80ern, vieles vom \u201eTempest\u201c-Album (2012) und neben einer von zwei Zugaben<\/p>\n<p>im 20-Song-Set keinen typischen Dylan-Song wie eben \u201eBlowin`In the Wind\u201c mehr.<\/p>\n<p>Dylan 2015 war anders. Und das Saarbr\u00fccker Publikum honorierte es mit<\/p>\n<p>and\u00e4chtigem Zuh\u00f6ren. Neu war auch, da\u00df er zum damaligen Zeitpunkt<\/p>\n<p>schon noch nicht ver\u00f6ffentlichte Songs (\u201eAll Or Nothing At All\u201c und<\/p>\n<p>\u201eMelancholy Mood\u201c) des aktuellen Albums vorstellte.<\/p>\n<p>Kein Konzert wurde danach mehr variiert, \u00a0die Setlist blieb gleich<\/p>\n<p>und es blieb nicht aus, was ausbleiben musste: Jedes Konzert wurde<\/p>\n<p>besser und besser. Dylans Stimme war pl\u00f6tzlich ungewohnt akzentuiert und<\/p>\n<p>das Zusammenspiel der wie ein Kammermusik-Orchester wirkenden<\/p>\n<p>Band war geradezu perfekt. Das Anliegen Bob Dylans war 2015 erstmals ein anderes<\/p>\n<p>und wurde auch h mit den ersten Konzerten 2016 in<\/p>\n<p>Tokio best\u00e4tigt: Dylan will sp\u00e4testens jetzt mit 75 Jahren wieder einmal<\/p>\n<p>ein anderer sein und zwar der, der wie kein anderer Vergangenheit und<\/p>\n<p>Gegenwart zu vereinen wei\u00df.<\/p>\n<p>Die Konzerte in Mainz und Saarbr\u00fccken 2015 stehen beispielhaft<\/p>\n<p>f\u00fcr eine Wende, die Dylan derart noch nie zelebriert hat. Und nein,<\/p>\n<p>es sind keine Coverversionen, die er da auf \u201eShadows in The Night\u201c<\/p>\n<p>und \u201eFallen Angels\u201c zweckentfremdet. Es geht nicht mehr um die<\/p>\n<p>ewig anmutende Rapture des eigenen etwa 500 Songs enthaltenden<\/p>\n<p>Gesamtkunstwerks, jetzt geht es um die \u00dcberlieferung alten<\/p>\n<p>amerikanischen Liedgutes, das ohne das Zutun von Dylan vielleicht gar nicht<\/p>\n<p>mehr geh\u00f6rt werden w\u00fcrde. Dylan als \u201eWerk\u201c, der<\/p>\n<p>aufgrund seiner wie Masken wirkenden H\u00e4utungen<\/p>\n<p>gerne als \u201eShakespeare des Rock\u201c genannt wird, umfasst<\/p>\n<p>die Gr\u00f6\u00dfe des Landes, in dem er vor 75 Jahren geboren wurde.<\/p>\n<p>Seine Songs sind wie der Speicher eines Propheten der<\/p>\n<p>Pop-Welt, der unerm\u00fcdlich praktiziert.<\/p>\n<p>Nein, es war nicht Bob Dylan,<\/p>\n<p>der zu den bedeutendsten Interpreten des Great American Songbook z\u00e4hlte,<\/p>\n<p>es waren die Namen von Louis Armstrong, Fred Astaire oder eben Frank Sinatra.<\/p>\n<p>Deren Musik h\u00f6rte man in den 70ern und 80ern noch aus<\/p>\n<p>den Limousinen amerikanischer GIs, als die auch durch<\/p>\n<p>Zweibr\u00fccker Stra\u00dfen kreuzten. Aber ja, es ist Bob Dylan,<\/p>\n<p>der nun mehr nicht nur auf die Songs, sondern auch auf<\/p>\n<p>deren Interpreten aufmerksam macht, die aus einer Zeit kommen,<\/p>\n<p>in den Cadillacs \u00fcber den Sunset Boulevard cruisten, in Filmen<\/p>\n<p>noch geraucht wurde und Menschen gar nicht wussten,<\/p>\n<p>was Globalisierung, Digitalisierung und ein Smartphone sind.<\/p>\n<p>Happy Birthday, Bob und Danke f\u00fcr Dein Geburtstagsgeschenk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00dcber den Autor: Prof. Dr. Christof, Jg. 1963 publizierte mehrerer B\u00fccher \u00fcber Bob Dylan und Leonard Cohen. Im Herbst erscheint sein neues Buch \u201eBob Dylan \u2013 Schatten in der Nacht\u201c. Ausz\u00fcge davon gibt es bereits im Netz unter: blog.leonardcohen.de unter der Domain <\/em><a href=\"http:\/\/www.cohenpedia.de\/\"><em>www.cohenpedia.de<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bildzeilen:<\/p>\n<ol>\n<li>Bob Dylan stellte 2015 mit \u201eFull Moon and Empty Arms\u201c in Mainz den ersten \u201eShadows In The Night\u201c Song in Deutschland vor.<\/li>\n<li>Transportiert amerikanisches Liedgut vom 20. Ins 21. Jahrhundert: Bob Dylan, der am 24.5. 75 Jahre alt wird.<\/li>\n<li>So verabschiedete sich Bob Dylan 2015 vor seinem Saarbr\u00fccker und Mainzer Publikum.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fotos: Christof Graf<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gefallene Engel im Schatten der Nacht Bob Dylan wird heute 75 \u2013 Was uns die Rocklegende in Saarbr\u00fccken und Mainz 2015 vorenthielt &nbsp; Von unserem Mitarbeiter CHRISTOF GRAF &nbsp; Wenn Bob Dylan, alias Robert Allen Zimmerman (in Duluth, Minnesotta geboren), heute am 24. Mai 2016 seinen 75. 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