{"id":33582,"date":"2025-10-27T16:07:12","date_gmt":"2025-10-27T14:07:12","guid":{"rendered":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=33582"},"modified":"2025-10-27T16:37:25","modified_gmt":"2025-10-27T14:37:25","slug":"kw-43-2025-bob-dylan-live-in-bruessel-2025-brussels-is-the-place-to-be-bob-dylan-in-brussels-2025-review-1st-night-konzertkritik-26-10-25-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=33582","title":{"rendered":"KW-44-2025: Bob Dylan live in Br\u00fcssel 2025 &#8211; \u201eBrussels is the place to be\u201c \u2013 Bob Dylan in Brussels 2025 \u2013 Review 1st \u00a0Night\/ Konzertkritik, 26.10.25 \u2013 Tag 1 von 3 \u2013 von Christof Graf (German &#038; English)"},"content":{"rendered":"<h3><strong>KW-43-2025: Bob Dylan live in Br\u00fcssel 2025 &#8211; \u201eBrussels is the place to be\u201c \u2013 Bob Dylan in Brussels 2025 \u2013 Review 1st \u00a0Night\/ Konzertkritik, 26.10.25 \u2013 Tag 1 von 3 \u2013 von Christof Graf (German &amp; English)<\/strong><\/h3>\n<p>Konzerte von Bob Dylan in Europa sind anders als in Amerika. Woran es liegt? Man wei\u00df es nicht? Oder doch? Nach einigen Shows in den USA in diesem Jahr wage ich die These aufzustellen, dass die Europ\u00e4er mit den handyfreien Shows seit Beginn der \u201eRough And Rowdy Ways &#8211; World Wide Tour im Jahre 2021, nicht besser, aber eben anders umgehen. Die Kategorien gut, besser oder am besten gibt es bei Bob Dylan nicht. Und das eh nur subjektive Urteil, von wem auch immer, ob ein Dylan-Konzert gut oder schlecht war, entzieht sich meiner Meinung nach jeglicher Relevanz. Dylan ist K\u00fcnstler und seine Kunst ist ein Handwerk. Kein Werkst\u00fcck eines Handwerkers oder gar eines K\u00fcnstlers gleicht dem anderen. Das ist es, was ein Dylan-Konzert ausmacht. Und dort, wo es stattfindet, ist der \u201eplace to be\u201c, wie es in einem von Dylans \u201eRough And Rowdy Ways\u201c-Songs (\u201eKey West\u201c) hei\u00dft.\u00a0 Am 26. Oktober 2025 war der \u201eplace to be\u201c in der belgischen Hauptstadt und im Herzen Europas, in Brussels, wenn man Zeuge der Auff\u00fchrung eines k\u00fcnstlerischen Handwerks von Bob Dylan sein wollte.<\/p>\n<p>Und ja, auch der Umgang des Publikums mit Bob Dylan wirkt in Europa wie auch in Brussels auf mich etwas \u201eanders\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Amerikaner verk\u00f6rpert Dylan den kritischen, unabh\u00e4ngigen Geist der Nation \u2013 jemanden, der sich nicht vereinnahmen l\u00e4sst und den \u201eAmerican Dream\u201c immer wieder hinterfragt. Das amerikanische Publikum reagiert oft mit Respekt, aber auch mit Frustration \u2013 Dylan ist in den USA mehr Legende als Liebling, was man in diesem Jahr bei seinen Solo-Auftritten wie auch bei seiner Teilnahme der dreiteiligen \u201eOutlaw-Festival-Tour\u201c mit Willie Nelson &amp; Co. im Fr\u00fchjahr, Sommer und Herbst miterleben konnte. Wenn Amerikaner zu Dylans Auftritten bei der \u201eOutlaw-Tour\u201c pilgern, ist Dylan \u2013 eben neben Willie Nelson oder auch Lucinda Williams, Wilco oder Sheryll Crow einer von mehreren, die den Geist der \u201eAmericana\u201c verk\u00f6rpern. W\u00e4hrend den Auftritten wird lauthals mitgesungen oder Bier geholt oder in eine Pizza gebissen. Ruhig auf dem Sitz geblieben wird da nicht. Und Cellphones, werden \u2013 zumindest bei den \u201eOutlaw-Gigs\u201c &#8211; auch nicht weggesperrt.<\/p>\n<p>In Europa wird Dylan st\u00e4rker als Dichter und intellektueller K\u00fcnstler wahrgenommen. Seine Sprache, Symbolik und seine Verbindung zur europ\u00e4ischen Literatur (Rimbaud, Brecht, Shakespeare) wird gerne hervorgehoben. Die Verleihung des Literaturnobelpreises 2016 wurde in Europa sehr positiv aufgenommen \u2013 in den USA war sie eher umstritten.<\/p>\n<p>In Europa sehen Fans Dylan oft weniger als amerikanischen Protestmusiker, sondern als universellen Beobachter der menschlichen Erfahrung. Seine Lieder werden gerne als zeitlose Poesie verstanden, nicht nur als Kommentare zur US-Gesellschaft. Und: Bei Konzerten in Europa herrscht oft eine fast ehrf\u00fcrchtige, geradezu and\u00e4chtige Stimmung, wie es auch beim ersten von drei Brussels Abenden mit Bob Dylan der Fall war. Jene, die sich auf sein derzeitiges \u0152uvre einlassen, erwarten keinen \u201eEntertainer aus dem gerade angesagten Musikbusiness\u201c und auch keine Gallionsfigur der \u201eAmericana\u201c, sondern einen Meister, der sich k\u00fcnstlerisch ausdr\u00fcckt, so wie er es gerade will oder kann.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wie das Publikum und die k\u00fcnstlerische Darbietung Dylans beim Europa-Tourstart in Helsinki und bei den bisherigen Konzerten in Stockholm, Kopenhagen, Hamburg und Lingen waren, aber ich wei\u00df, dass die Setlist in Brussels nicht anders war. Die derzeitigen Konzerte gleichen einander sehr. Die Setlists sind geradezu identisch. Und dennoch ist jeder Abend etwas anders.<\/p>\n<p><strong>Die Location<\/strong><\/p>\n<p>Es war keine Sporthalle und auch keine Arena, in der \u00fcber 10.000 Besucher Platz finden. Das Konzert fand im Hauptsaal, des zwischen 1922 und 1929 erbauten und im Jugendstil gehaltenen Geb\u00e4udekomplex unweit vom Gro\u00dfen Markt im Herzen Brussels statt. Dylan trat im Henry-Le-Boeuf-Saal vor ausverkauften 2200 Sitzpl\u00e4tzen auf. Das Konzert begann p\u00fcnktlich um 20.00 Uhr und dauerte etwa 100 Minuten. Die regul\u00e4ren Ticketpreise f\u00fcr das Konzert von Bob Dylan im BOZAR (Br\u00fcssel) variierten zwischen \u20ac 75 (Listening Seats) sowie \u20ac 125, \u20ac 150 f\u00fcr Standardpl\u00e4tze und \u20ac 200 f\u00fcr den Balkon. Auf dem Schwarzmarkt wurden die Tickets sogar f\u00fcr \u20ac 900 pro Ticket gehandelt. Der Saal ist einem klassischen Theater nachempfunden. Es gibt Parterre und drei Balkonetagen.<\/p>\n<p><strong>Die B\u00fchne<\/strong><\/p>\n<p>Eine B\u00fchnenshow hat es bei Dylan noch nie gegeben. Eine Show im herk\u00f6mmlichen gegenw\u00e4rtigen Sinne mit Videoleinw\u00e4nden und technischem Schnick-Schnack ist bei Dylan ohnehin undenkbar. Er und sein Handwerk sind sich selbst genug. Aus dem Dunkel betritt er die in nur schummeriges Club-Licht getauchte B\u00fchne als letzter der f\u00fcnf Musiker. Viel heller wird es nicht werden. Ein samtener Vorhang h\u00e4ngt in eleganten Bahnen von den B\u00fchnenelementen herunter. Quer wie Girlanden herunterh\u00e4ngende Teaservorh\u00e4nge lassen die B\u00fchnendecke weniger hoch erscheinen. Mal wirkt der Hintergrund dunkelgr\u00fcn, mal dunkelblau, mal dunkelgelb. Dylans Piano ist b\u00fchnenmittig aufgebaut. Links hinter ihm stehen das Schlagzeug von Anton Fig und der Standup-Bass von Tony Garnier. Links und rechts vorne die Gitarristen Bob Britt (rechts) und Doug Lancia (links) mit Schieberm\u00fctze. Zwei der bereits oft gesehenen gro\u00dfen Hollywood-Scheinwerfer, jeweils zwei kleinere links und rechts und drei Stehlampen projizieren eher Dunkel als Licht auf den B\u00fchnenboden. Dylan verbarrikadiert sich hinter seinem schwarzen Piano. Neu in Br\u00fcssel: seitdem er zu Beginn des dritten Teils der \u201eOutlaw-Tour\u201c in Bangor\/ Mayne\/ USA einschlie\u00dflich bis zu den ersten Konzerten in Europa ausschlie\u00dflich im Jogging-Anzug-Modus mit Hoody auftritt, tr\u00e4gt er am ersten Br\u00fcsseler Abend wieder Anzug. Schwarz mit dunklem Hemd, ohne Hut. Auch die vier anderen sind dunkel gekleidet. Fast bei jedem Lied steht Dylan mindestens einmal kurz auf. Den Rest der Zeit verbringt er bei 17 Liedern im Sitzen. Die Band wird nicht vorgestellt. Ein Wort ans Publikum, wenn auch nur in Form eines \u201eWell, thank you\u201c, so geh\u00f6rt in Hamburg, wird auch nicht gerichtet. In seinen Songs sind Worte genug. Nach dem letzten Song \u201eEvery Grain Of Sand\u201c, bei dem Dylan dann nach \u201eTo Be Alone With You\u201c, \u201eWatching The River Flow\u201d, \u201cIt`s All Over Now, Baby Blue\u201d und \u201cGoodbye Jimmy Reed\u201d noch einmal zur Mundharmonika greift steht Dylan ein letztes Mal auf, stellt sich f\u00fcr einen Moment von knapp 20 Sekunden mit seinen Musikern einem etwas helleren Licht und macht eine Andeutung einer kleinen k\u00fcnstlerischen Verbeugung. Dann geht Dylan mit langsamen Schritten eines alten Handwerkers nach getaner Arbeit dorthin zur\u00fcck, woher er gekommen ist: Ins Dunkel des Backstage-Bereiches. Das Saallicht geht an. Das Publikum verl\u00e4sst artig, wohl auch beeindruckt davon, Zeuge eines musikalischen Werkes gewesen zu sein, den Saal. Ob es ein gutes oder ein schlechtes Konzert gewesen ist, ist v\u00f6llig irrelevant. Relevant ist, dass es stattgefunden hat und man wieder einmal Zeitzeuge war.<\/p>\n<p><strong>Das Publikum<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht aus knapp 2000 j\u00fcngeren und \u00e4lteren Boomern. Einige aus der Generation Z sind auch dabei. J\u00fcngere gab es kaum. Alle scheinen irgendwie ihre eigene Reise hinter sich gebracht zu haben. Neben Dylanmaniacs, Dylanologen, Dylanianer und Dylanreisebegleiter aus Br\u00fcssel, Belgien h\u00f6re ich im Vorraum, beim Anstehen, um das Cellphone in die Yondr-Pockets verschlie\u00dfen zu lassen au\u00dferdem noch Deutsche, Amerikaner, Franzosen, Niederl\u00e4nder, Engl\u00e4nder und Luxemburger vorangegangene Konzerterinnerungen austauschen.<\/p>\n<p><strong>Die Band<\/strong><\/p>\n<p>Bob Dylan &#8211; guitar, baby grand piano, harp<\/p>\n<p>Tony Garnier &#8211; electric and standup bass<\/p>\n<p>Anton Fig &#8211; drums<\/p>\n<p>Bob Britt &#8211; acoustic guitar, electric guitar<\/p>\n<p>Doug Lancio &#8211; acoustic guitar, electric guitar<\/p>\n<p><strong>Das Konzert<\/strong><\/p>\n<p>Die Setlist ist unver\u00e4ndert. Sie ist identisch mit den bisherigen europ\u00e4ischen Setlists in diesem Jahr. Es hat drei, bis vier Songs gedauert, bis der Saal akustisch ausgesteuert war.<\/p>\n<p>Der \u201cOpener\u201d I&#8217;ll Be Your Baby Tonight\u201d kommt etwas ungl\u00fccklich her\u00fcber. Mal vernuschelt Bob den Song, mal scheint das Mikrofon zu weit entfernt zu sein. Der Rest des ein wenig missgl\u00fcckten Konzerteinstiegs geht auf die Rechnung des Toningenieurs. \u201eIt Ain&#8217;t Me, Babe\u201d, meint Bob im zweiten Song, greift zur Gitarre und wendet dabei sitzend dem Publikum den R\u00fccken zu. Sieht nicht sch\u00f6n aus, ist Bob aber egal. Wirkt wohl auch etwas unh\u00f6flich, wie er da fast abseits des Geschehens und dennoch mittendrin zu sein scheint. Bob scheint aber auch das egal zu sein. Zum Ausgleich hat man die Ehre, ihn Gitarre spielen zu h\u00f6ren. Wohl gemerkt: zu h\u00f6ren. Zu sehen bekommen Bob Dylan live on stage nur wenige der 2200. Die in den vorderen Parterre-Reihen sitzenden sehen 100 Minuten eh nur das Schwarz der Piano-R\u00fcckwand an. Hin und wieder schaut Dylans Haarschopf heraus. Die hinteren Reihen haben nicht mal die Chance, das erleben zu d\u00fcrfen. Dylan inszeniert Zuh\u00f6r-Zwang ohne Sicht par excellence. Die \u201eRARW\u201c-Songs \u201cI Contain Multitudes\u201d und \u201cFalse Prophet\u201d, \u201cBlack Rider\u201d und sp\u00e4ter auch \u201cKey West\u201d klingen leise, wirken wie Vorlesungen mit etwas Klang. Sie sind spoken-words mit sparsamen Klaviert\u00f6nen. Es gibt kaum ein Solo der Gitarristen. Das h\u00f6chst konzentrierte Schlagzeugspiel von Anton Fig ist perfekt auf Dylans Sprechgesang abgestimmt.<\/p>\n<p>Von den zehn \u201eRARW\u201c-Songs spielt er neun. Das 17min\u00fctige \u201eMurder Must Foul\u201c wartet noch immer darauf live dargeboten zu werden. Daf\u00fcr gibt es immerhin Reminiszenzen an die 1960er Jahre. Doch jene Songs sind in Br\u00fcssel erst nach ein bis zwei Minuten Spielzeit als diese zu erkennen. Zu sehr werden Songs wie \u201eIt Ain`t Me, Baby\u201c, \u201eDesolation Row\u201c und \u201eIt`s All Over Now Baby Blue\u201d geradezu dearrangiert. Musikalisch \u00fcberschreitet Dylan gerne auch mal die Genre-Grenzen und offeriert zwischen Rock, Blues und Folk auch etwas Bossa-Nova-haftes und Freejazz-m\u00e4\u00dfiges. \u201eTo Be Alone With You\u201c wird gar zur Tanzmusik und bei \u201eWatching The River Flow\u201d zelebriert Dylan den Blues mit Mundharmonika. Der musikalische H\u00f6hepunktvwar mich an diesem Abend bereits im ersten Drittel mit \u201eWhen I paint My Masterpiece\u201c zu h\u00f6ren. Es klang ungewohnt leicht swingend und entz\u00fcckt verspielt und Dylan trieb es erneut, wenn auch nur sitzend an die Gitarre.<\/p>\n<p><strong>Die Setlist :<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>I&#8217;ll Be Your Baby Tonight (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>It Ain&#8217;t Me, Babe (Bob on guitar and baby grand piano)<\/li>\n<li>I Contain Multitudes (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>False Prophet (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>When I Paint My Masterpiece (Bob on guitar then baby grand piano)<\/li>\n<li>Black Rider (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>My Own Version Of You (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>To Be Alone With You (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Crossing the Rubicon (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Desolation Row (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Key West (Philosopher Pirate) (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Watching the River Flow (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>It&#8217;s All Over Now, Baby Blue (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>I&#8217;ve Made Up My Mind To Give Myself To You (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Mother of Muses (Bob on baby grand piano)<\/li>\n<li>Goodbye Jimmy Reed (Bob on baby grand piano and harp)<\/li>\n<li>Every Grain of Sand (Bob on baby grand piano and harp)<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Quelle: boblinks.com<\/em><\/p>\n<p><strong>Conclusio :<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Tribut \u201eGoodbye Jimmy Reed\u201d und dem finalen \u201cEvery Grain of Sand\u201d, das Dylan nochmals mit einem Mundharmonika-Solo in Szene setzte, endet der erste von drei Konzert-Abenden in Br\u00fcssel. \u2013 Fazit: Kein gutes, aber auch kein schlechtes Konzert, Br\u00fcssel aber war \u201eder place tob e\u201c an diesem Abend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KW-43-2025: Bob Dylan live in Br\u00fcssel 2025 &#8211; \u201eBrussels is the place to be\u201c \u2013 Bob Dylan in Brussels 2025 \u2013 Review 1st \u00a0Night\/ Konzertkritik, 26.10.25 \u2013 Tag 1 von 3 \u2013 von Christof Graf (German &amp; English) Konzerte von Bob Dylan in Europa sind anders als in Amerika. 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