{"id":34399,"date":"2026-07-06T23:15:32","date_gmt":"2026-07-06T21:15:32","guid":{"rendered":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34399"},"modified":"2026-07-09T20:32:38","modified_gmt":"2026-07-09T18:32:38","slug":"kw-27-2026-nick-cave-live-beim-60th-montreux-jazz-festival-intensiv-duester-und-ausdrucksstark-magische-momente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34399","title":{"rendered":"KW-28-2026: Nick Cave Live beim 60th Montreux Jazz Festival &#8211; Intensiv, d\u00fcster und ausdrucksstark &#8211; Magische Momente"},"content":{"rendered":"<p class=\"isSelectedEnd\" style=\"text-align: center;\">Photos: Christof Graf<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Als Nick Cave am sp\u00e4ten Sonntagabend des 5. Juli die B\u00fchne des Auditorium Stravinski beim Montreux Jazz Festival betrat, lag \u00fcber dem Genfer See bereits jene eigent\u00fcmliche Sommerd\u00e4mmerung, die Montreux seit Jahrzehnten zu einem mythischen Konzertort macht. Doch was sich in den folgenden zweieinhalb Stunden entfaltete, hatte wenig mit nostalgischer Festivalromantik zu tun. Nick Cave &amp; The Bad Seeds pr\u00e4sentierten sich vielmehr als eine Band auf dem H\u00f6hepunkt ihrer Ausdruckskraft \u2013 d\u00fcster, intensiv und zugleich von einer unerwarteten W\u00e4rme durchzogen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Bereits die ersten Takte von \u201eFrom Her to Eternity\u201c machten deutlich, dass Cave auch mit 68 Jahren nichts von seiner elektrisierenden B\u00fchnenpr\u00e4senz eingeb\u00fc\u00dft hat. Hochgewachsen, ganz in Schwarz gekleidet und mit jener Mischung aus Prediger, Crooner und Schamane, die seit Jahrzehnten seine Auftritte pr\u00e4gt, zog er das Publikum augenblicklich in seinen Bann. Die Stimme, inzwischen etwas rauer und tiefer als in fr\u00fcheren Jahren, besitzt weiterhin jene einzigartige F\u00e4higkeit, zwischen fl\u00fcsternder Intimit\u00e4t und apokalyptischer Wucht zu wechseln.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Das Programm spannte einen weiten Bogen \u00fcber vier Jahrzehnte Bandgeschichte. Mit \u201eTrain Long-Suffering\u201c und dem Titelsong des aktuellen Albums \u201eWild God\u201c schlug Cave die Br\u00fccke zur Gegenwart, w\u00e4hrend Klassiker wie \u201eTupelo\u201c, \u201eO Children\u201c oder das unerbittlich vorangetriebene \u201eThe Mercy Seat\u201c die lange Geschichte der Bad Seeds lebendig werden lie\u00dfen. Besonders beeindruckend war dabei die dramaturgische Geschlossenheit des Abends: Die Songs wirkten nicht wie einzelne Nummern einer Setlist, sondern wie Kapitel einer gro\u00dfen Erz\u00e4hlung \u00fcber Verlust, Hoffnung, Schuld und Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Die Bad Seeds selbst agierten dabei mit einer Pr\u00e4zision und Spielfreude, die ihresgleichen sucht. Warren Ellis, mit seiner wilden Haarm\u00e4hne und dem permanenten Wechsel zwischen Violine, Gitarre und elektronischen Klangfl\u00e4chen, blieb der kreative Gegenpol zu Cave \u2013 weniger Begleiter als vielmehr musikalischer Dialogpartner. Gerade bei \u201eCarnage\u201c oder dem schwebenden \u201eBright Horses\u201c entstand zwischen beiden eine beinahe telepathische Kommunikation, die zu den st\u00e4rksten Momenten des Konzerts geh\u00f6rte.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Bemerkenswert war zudem die intensive Beziehung zwischen Cave und seinem Publikum. Immer wieder suchte er den direkten Kontakt zu den Zuschauern in den ersten Reihen, griff nach ausgestreckten H\u00e4nden oder lie\u00df einzelne Textzeilen vom Saal weitersingen. In Montreux wirkte dies nie kalkuliert oder routiniert, sondern wie Ausdruck einer aufrichtigen Suche nach Gemeinschaft \u2013 eine Qualit\u00e4t, die seine Konzerte seit den pers\u00f6nlichen Trag\u00f6dien der vergangenen Jahre zunehmend pr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Zu den H\u00f6hepunkten des Abends z\u00e4hlte das fragile \u201eHenry Lee\u201c, dessen morbider Charme im Auditorium eine beinahe kammermusikalische Atmosph\u00e4re erzeugte. Wenig sp\u00e4ter verwandelte \u201eJubilee Street\u201c den Saal in einen brodelnden Organismus aus Rhythmus und Ekstase, bevor das Finale mit \u201eRed Right Hand\u201c und dem monumentalen \u201eThe Mercy Seat\u201c noch einmal die ganze Spannweite des Cave&#8217;schen Kosmos offenbarte \u2013 zwischen Bibel, Blues und existenzieller Beschw\u00f6rung.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Das Montreux Jazz Festival feiert in diesem Jahr sein 60-j\u00e4hriges Bestehen und hat in seiner Geschichte unz\u00e4hlige legend\u00e4re Konzerte erlebt. Der Auftritt von Nick Cave &amp; The Bad Seeds darf sich ohne \u00dcbertreibung in diese Reihe einordnen. Es war kein nostalgischer R\u00fcckblick eines gro\u00dfen K\u00fcnstlers auf sein Lebenswerk, sondern die eindrucksvolle Demonstration einer k\u00fcnstlerischen Vitalit\u00e4t, die weiterhin nach vorne dr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Am Ende verlie\u00df das Publikum das Auditorium nicht euphorisiert, sondern bewegt \u2013 und vielleicht ist genau das die gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke eines Nick-Cave-Konzerts: Es unterh\u00e4lt nicht nur, sondern hinterl\u00e4sst Spuren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Photos: Christof Graf Als Nick Cave am sp\u00e4ten Sonntagabend des 5. Juli die B\u00fchne des Auditorium Stravinski beim Montreux Jazz Festival betrat, lag \u00fcber dem Genfer See bereits jene eigent\u00fcmliche Sommerd\u00e4mmerung, die Montreux seit Jahrzehnten zu einem mythischen Konzertort macht. 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