{"id":34436,"date":"2026-07-08T10:33:35","date_gmt":"2026-07-08T08:33:35","guid":{"rendered":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34436"},"modified":"2026-07-09T21:00:05","modified_gmt":"2026-07-09T19:00:05","slug":"kw-28-2026-marillion-in-frankfurt-tribute-to-leonard-cohen-without-dedication","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34436","title":{"rendered":"KW-28-2026: Marillion in Frankfurt &#8211; Tribute To Leonard Cohen without Dedication &#8211; Konzertr\u00fcckblick von Christof Graf"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">Photos: Christof Graf<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Frankfurt am Main. Es gibt Bands, die spielen Konzerte. Und es gibt Bands wie Marillion, die erschaffen eine Welt f\u00fcr ein Konzert, in der sich Erinnerungen, Sehns\u00fcchte und Hoffnungen f\u00fcr die Momentaufnahme einer Konzertl\u00e4nge verdichten. Der Auftritt der britischen Progressive-Rock-Institution am 7. Juli in der Frankfurter Jahrhunderthalle geh\u00f6rte zweifellos zur zweiten Kategorie. Schon beim er\u00f6ffnenden \u201eSplintering Heart\u201c war sp\u00fcrbar, dass dies kein Abend f\u00fcr schnelle Effekte oder routinierte Nostalgie werden w\u00fcrde. Die f\u00fcnf Musiker betraten die B\u00fchne mit jener unaufgeregten Selbstverst\u00e4ndlichkeit einer Band, die seit Jahrzehnten gemeinsam musiziert und l\u00e4ngst nichts mehr beweisen muss. Stattdessen entwickelte sich ab Konzertbeginn um 20.30 (ohne Vorband) \u00fcber die folgenden gut zwei Stunden ein Konzert, das weniger von Virtuosit\u00e4t als von Atmosph\u00e4re, Dramaturgie und emotionaler Wahrhaftigkeit lebte.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Im Zentrum stand einmal mehr Steve Hogarth. Der S\u00e4nger besitzt inzwischen jene seltene B\u00fchnenpr\u00e4senz, die weder auf Gesten noch auf Pose angewiesen ist. Seine Stimme hat \u00fcber die Jahre an Sch\u00e4rfe verloren, daf\u00fcr aber an Ausdruck gewonnen. Besonders in dem Tribute To Leonard Cohen-Song \u201eThe Crow (Hogarth) and the Nightingale (Cohen)\u201c und dem nach wie vor bewegenden \u201eEaster\u201c gelang es ihm, die gro\u00dfen Themen der Band \u2013 Verlust, Hoffnung, Menschlichkeit und Mitgef\u00fchl \u2013 mit bemerkenswerter Intensit\u00e4t zu vermitteln. Wurde das Cohen-Tribute vom &#8222;An Hour Before Its Dark&#8220;-Album beim letzten Konzert in Frankfurt noch mit &#8222;The next song is dedicated to Leonard Cohen&#8220; angek\u00fcndigt worden, agierte der Song vier Jahre sp\u00e4ter auch nicht mehr als musikalischer bestandteil inmitten des Konzertes, sondern gleich als zweiter Song zu Beginn des Konzertabends.<\/p>\n<p>Beim Beginn von &#8222;Easter&#8220; stolperte Frontmann Steve Hogarth und fiel in den Fotograben. Was unfalltr\u00e4chtiger aussah, wie es gl\u00fccklicherweise nicht war, \u00fcberspielte Hogarth mit einer &#8222;Nichts passiert&#8220;-Geste und einem schmunzelnden &#8222;I\u00b4m ok&#8220; und machte, als sei es ein teil der Show und sang einige Minuten aus dem Graben weiter, bevor er um die B\u00fchne herum ging, um die B\u00fchne unbeschadet von hinte wieder zu betreten.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Musikalisch pr\u00e4sentierten sich Marillion in bestechender Form. Steve Rothery lie\u00df seine Gitarre nicht dominieren, sondern erz\u00e4hlen. Seine Soli waren keine Demonstrationen technischer \u00dcberlegenheit, sondern melodische Kommentare zum Geschehen, oftmals von beinahe hymnischer Sch\u00f6nheit. Mark Kellys Keyboardfl\u00e4chen verliehen vielen Passagen jene charakteristische Weite, die seit Jahrzehnten zum Markenzeichen der Band geh\u00f6rt, w\u00e4hrend Pete Trewavas und Ian Mosley das Fundament mit der Gelassenheit erfahrener Handwerker legten. Der Schwerpunkt des Programms lag auf dem Sp\u00e4twerk der Band. St\u00fccke wie \u201eSounds That Can&#8217;t Be Made\u201c oder die vier Teile der \u201eCare\u201c-Suite aus dem Album \u201eAn Hour Before It&#8217;s Dark\u201c machten deutlich, wie bemerkenswert es ist, dass Marillion auch nach mehr als vierzig Jahren nicht von ihrer Vergangenheit leben m\u00fcssen. Gerade die \u201eCare\u201c-Sequenz entwickelte sich zu einem emotionalen Zentrum des Abends \u2013 eine nachdenkliche Reflexion \u00fcber Verg\u00e4nglichkeit und Solidarit\u00e4t, die in Zeiten globaler Krisen nichts von ihrer Aktualit\u00e4t verloren hat.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Nat\u00fcrlich fehlten auch die Klassiker nicht. Als die ersten Takte von \u201eHotel Hobbies\u201c erklangen und nahtlos in \u201eWarm Wet Circles\u201c sowie \u201eThat Time of the Night\u201c \u00fcbergingen, verwandelte sich die Jahrhunderthalle f\u00fcr einige Minuten in eine Zeitmaschine zur\u00fcck in die Mitte der achtziger Jahre. Das Publikum, \u00fcberwiegend mit der Band gemeinsam gealtert, sang jede Zeile mit einer Inbrunst mit, die eher an ein kollektives Erinnerungsritual als an ein gew\u00f6hnliches Rockkonzert erinnerte. &#8222;Lucky Man&#8220;, der f\u00fcnfte Song des Abends wurde als Tournee-Debut angek\u00fcndigt, was besondesr die eingefleischte Fangemeine begeisterte. Noch mehr Begeisterung erfuhr der darauffolgende sechste Song &#8222;Ribbons And Lace&#8220;, ein brandneuer Song, des f\u00fcr Fr\u00fchjahr 2027 angek\u00fcndigtenb neuen Albums.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Den emotionalen H\u00f6hepunkt erreichte der Abend jedoch erst mit der zweiten Zugabe. Ausz\u00fcge aus dem Jahrhundertalbum \u201eBrave\u201c f\u00fchrten schlie\u00dflich zu einem majest\u00e4tischen \u201eThe Great Escape\u201c, dessen finale Steigerung die Jahrhunderthalle in stehender Ovation vereinte. Selten klang Resignation so tr\u00f6stlich und Hoffnung so glaubw\u00fcrdig zugleich.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Marillion haben sich stets gegen die Mechanismen des schnellen Musikgesch\u00e4fts gestellt und \u00fcber Jahrzehnte eine au\u00dfergew\u00f6hnlich enge Beziehung zu ihrem Publikum aufgebaut. Der Frankfurter Abend zeigte eindrucksvoll, warum diese Verbindung bis heute tr\u00e4gt: Weil diese Band nicht einfach Songs spielt, sondern Geschichten erz\u00e4hlt \u2013 \u00fcber das \u00c4lterwerden, \u00fcber Verletzlichkeit und dar\u00fcber, dass Empathie vielleicht doch die st\u00e4rkste Form des Widerstands ist.<\/p>\n<p>Die Jahrhunderthalle erlebte an diesem Juliabend keinen nostalgischen R\u00fcckblick einer Prog-Rock-Legende, sondern eine Band, die auch im f\u00fcnften Jahrzehnt ihrer Karriere bemerkenswert gegenw\u00e4rtig wirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Photos: Christof Graf Frankfurt am Main. Es gibt Bands, die spielen Konzerte. Und es gibt Bands wie Marillion, die erschaffen eine Welt f\u00fcr ein Konzert, in der sich Erinnerungen, Sehns\u00fcchte und Hoffnungen f\u00fcr die Momentaufnahme einer Konzertl\u00e4nge verdichten. Der Auftritt der britischen Progressive-Rock-Institution am 7. 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