{"id":34681,"date":"2026-08-09T12:46:18","date_gmt":"2026-08-09T10:46:18","guid":{"rendered":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34681"},"modified":"2026-08-23T13:27:50","modified_gmt":"2026-08-23T11:27:50","slug":"kw-32-2026-dance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=34681","title":{"rendered":"KW-32-2026: Die Verwandlung von Leonard Cohens Lieder in Tanz &#8211; Das \u201cBallets Jazz Montr\u00e9al\u201d in der K\u00f6lner Philharmonie &#8211; Eine Review von \u00a0\u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c (dt. version)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0\u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Verwandlung von Leonard Cohens Lieder in Tanz &#8211; Text &amp; Fotos von Christof graf (Cohenpedia)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das \u201cBallets Jazz Montr\u00e9al\u201d in der K\u00f6lner Philharmonie<\/strong><\/p>\n<p>Mit \u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c bringt Ballets Jazz Montr\u00e9al im August 2026 ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Zusammenspiel von Tanz, Musik, Licht, Video und Theater in die K\u00f6lner Philharmonie. Die Produktion, die 2017 in Montr\u00e9al uraufgef\u00fchrt wurde und zu Lebzeiten von Leonard Cohen von ihm pers\u00f6nlich gebilligt wurde, versucht nicht, das Leben des kanadischen Singer-Songwriters nachzuerz\u00e4hlen. Stattdessen \u00fcbersetzt sie seine Themen \u2013 Liebe, Begehren, Einsamkeit, Alter, Verlust, Spiritualit\u00e4t und Tod \u2013 in Bewegung. Konzipiert wurde der Abend von Louis Robitaille, die Dramaturgie und Regie stammen von \u00c9ric Jean; choreografiert wurde er von Andonis Foniadakis, Annabelle Lopez Ochoa und Ihsan Rustem.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34696\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-3-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gerade darin liegt die gro\u00dfe St\u00e4rke von \u201eDance Me\u201c: Cohen wird nicht illustriert, sondern k\u00f6rperlich interpretiert. Die rund 75 bis 80 Minuten dauernde, pausenlose Produktion ist in f\u00fcnf gro\u00dfe Lebensphasen beziehungsweise \u201eJahreszeiten\u201c gegliedert. Die 16 musikalischen Stationen bilden dabei keine klassische Handlung, sondern eher ein Mosaik menschlicher Erfahrungen. F\u00fcr die K\u00f6lner Fassung ist folgende Reihenfolge dokumentiert: \u201eHere It Is\u201c, \u201eLover, Lover, Lover\u201c, \u201eDance Me to the End of Love\u201c, \u201eBoogie Street\u201c, \u201eSteer Your Way\u201c, \u201eEverybody Knows\u201c, \u201eTower of Song\u201c, \u201eSo Long, Marianne\u201c, \u201eA Thousand Kisses Deep\u201c, \u201eSuzanne\u201c, \u201eFamous Blue Raincoat\u201c, \u201eTreaty\u201c, \u201eFirst We Take Manhattan\u201c, \u201eIt Seemed the Better Way\u201c, \u201eHallelujah\u201c und \u201eTreaty Reprise\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-9-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34702\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-9-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Leonard Cohens Lieder leben nicht von \u00dcberschwang, sondern von jener eigent\u00fcmlichen Schwere, die entsteht, wenn ein Mensch \u00fcber Liebe spricht und dabei den Tod schon mitdenkt. Cohens gro\u00dfe Themen waren das Begehren und sein Scheitern, der Glaube und sein Verlust, die Sch\u00f6nheit des K\u00f6rpers und dessen Verg\u00e4nglichkeit. Ausgerechnet daraus einen Ballettabend zu machen, k\u00f6nnte leicht in dekorative Melancholie oder sentimentale Verehrung m\u00fcnden. Ballets Jazz Montr\u00e9al entgeht dieser Gefahr in \u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c fast vollst\u00e4ndig. In der K\u00f6lner Philharmonie wird Cohens Musik nicht illustriert, sondern k\u00f6rperlich befragt. Der Abend fragt nicht: Wie sieht \u201eHallelujah\u201c aus? Sondern: Was geschieht mit einem K\u00f6rper, der liebt, zweifelt, altert, sich erinnert und schlie\u00dflich loslassen muss? &#8211; Darin liegt die Intelligenz dieser Produktion. Louis Robitaille konzipierte \u201eDance Me\u201c, \u00c9ric Jean verantwortet Dramaturgie und Regie, die Choreografien stammen von Andonis Foniadakis, Annabelle Lopez Ochoa und Ihsan Rustem. Cohen hatte dem Projekt noch zu Lebzeiten zugestimmt. Das Ergebnis ist weder Musical noch Biografie, weder klassisches Handlungsballett noch blo\u00dfe Greatest-Hits-Revue. Es ist eher ein choreografisches Requiem \u2013 allerdings eines, das den K\u00f6rper feiert, bevor es von seiner Endlichkeit erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34698\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-5-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schon \u201eHere It Is\u201c setzt den Grundton. Aus der Dunkelheit treten K\u00f6rper hervor, zun\u00e4chst weniger als Figuren denn als Erscheinungen. Die Bewegung ist tastend, beinahe rituell. Es entsteht jener Schwebezustand, den Cohen so gut kannte: zwischen Diesseits und Jenseits, Gewissheit und Zweifel. Die T\u00e4nzer scheinen nicht einfach eine B\u00fchne zu betreten; sie werden gleichsam in eine Welt hineingeboren.<\/p>\n<p>Mit \u201eLover, Lover, Lover\u201c kommt das Begehren. Die K\u00f6rper finden zueinander, ohne dauerhaft zueinanderzufinden. H\u00e4nde greifen, Partner werden gehalten, gehoben und wieder losgelassen. Liebe erscheint hier nicht als harmonischer Endzustand, sondern als permanente Bewegung auf einen anderen Menschen zu.<\/p>\n<p>Das titelgebende \u201eDance Me to the End of Love\u201c macht daraus das Zentrum des Abends. Der Titel ist l\u00e4ngst zum romantischen Gemeinplatz geworden, doch die Choreografie gibt ihm seine Unheimlichkeit zur\u00fcck. \u201eBis ans Ende der Liebe\u201c bedeutet eben auch: bis ans Ende. Der Tanz wird zum Versprechen, das seine eigene Verg\u00e4nglichkeit bereits kennt. Die Partnerarbeit besitzt eine gro\u00dfe Z\u00e4rtlichkeit, aber keine Sicherheit. Ein K\u00f6rper f\u00e4ngt den anderen auf; im n\u00e4chsten Augenblick k\u00f6nnte er ihn verlieren.<\/p>\n<p>Vielleicht kommt man Cohen k\u00f6rperlich kaum n\u00e4her.<\/p>\n<p>Dass \u201eDance Me\u201c nicht in dieser elegischen Stimmung verharrt, zeigt \u201eBoogie Street\u201c. Die Bewegung wird kantiger, weltlicher, beinahe nerv\u00f6s. Das Private \u00f6ffnet sich zur Stra\u00dfe, zur Gesellschaft, zur Unordnung des Lebens. \u201eSteer Your Way\u201c versch\u00e4rft diese Perspektive, ehe \u201eEverybody Knows\u201c einen der st\u00e4rksten gesellschaftlichen Momente des Abends bildet. Cohens bitteres \u201eEverybody knows\u201c ist schlie\u00dflich das Gegenteil naiver Emp\u00f6rung: Alle wissen Bescheid, und dennoch geht alles weiter.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34695\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Genau das findet die Choreografie in der Gruppe. Die T\u00e4nzer funktionieren pl\u00f6tzlich wie Teile eines Systems. Bewegungen wiederholen sich, K\u00f6rper ordnen sich ein, l\u00f6sen sich heraus und werden wieder eingefangen. Individualit\u00e4t und Konformit\u00e4t geraten aneinander. Der Mensch ist hier nicht nur Liebender, sondern gesellschaftliches Wesen \u2013 beteiligt an einer Welt, deren Verlogenheit er zugleich durchschaut.<\/p>\n<p>\u201eTower of Song\u201c erlaubt danach Luft. Cohens Selbstironie, ohne die sein Pathos unertr\u00e4glich werden k\u00f6nnte, findet eine spielerischere k\u00f6rperliche Form. Die T\u00e4nzer zeigen Haltung, Rhythmus, beinahe Koketterie. Das ist dramaturgisch klug. Denn ein Abend, der Cohen ausschlie\u00dflich als Hohepriester der Schwermut behandelte, w\u00fcrde gerade den Witz unterschlagen, mit dem dieser Mann seine eigene D\u00fcsternis immer wieder unterlief.<\/p>\n<p>Mit \u201eSo Long, Marianne\u201c kehrt die Intimit\u00e4t zur\u00fcck. Zoey Andersons Gesang ver\u00e4ndert dabei das Verh\u00e4ltnis von K\u00f6rper und Musik. Pl\u00f6tzlich steht die Stimme nicht mehr nur als Aufnahme \u00fcber dem Tanzraum, sondern kommt aus einem Menschen, der selbst Teil dieses Raumes ist. Abschied wird dadurch unmittelbarer. \u201eSo Long, Marianne\u201c wird nicht als gro\u00dfes Trennungsdrama inszeniert. Gerade das macht es bewegend. Manche Beziehungen enden nicht mit einem Knall. Sie werden Erinnerung. Es ist einer der ber\u00fchrendsten Momente des Abends. In dem Moment wird die Grenze zwischen Tanz und Konzert bewusst aufgehoben. \u201eSo Long, Marianne\u201c erh\u00e4lt dadurch eine besondere Intimit\u00e4t: Der Tanz tritt teilweise zur\u00fcck, und die Stimme wird selbst zum emotionalen K\u00f6rper des St\u00fccks. Abschied wird nicht als dramatischer Zusammenbruch dargestellt, sondern als ambivalenter Zustand zwischen Trauer, Erinnerung und Dankbarkeit.<\/p>\n<p>\u201eA Thousand Kisses Deep\u201c treibt diesen Gedanken weiter ins Traumhafte. Die Choreografie l\u00f6st ihre Konturen. Die T\u00e4nzer fallen, schweben, verschwinden ineinander. Der Kuss ist hier l\u00e4ngst keine konkrete Geste mehr. Er ist Erinnerung an Intimit\u00e4t \u2013 etwas, das im K\u00f6rper gespeichert bleibt, obwohl der Augenblick selbst verschwunden ist.<\/p>\n<p>Und dann \u201eSuzanne\u201c. Kaum eine Figur Cohens ist st\u00e4rker von Projektionen \u00fcberlagert. Die Produktion widersteht der Versuchung, daraus ein kleines Liebesdrama zu machen. Suzanne bleibt vielmehr das, was sie in Cohens Lied immer war: zugleich Frau und Vorstellung, k\u00f6rperlich nah und geistig unerreichbar. Der Tanz macht diese Unverf\u00fcgbarkeit sichtbar. N\u00e4he bedeutet nicht Besitz.<\/p>\n<p>\u201eFamous Blue Raincoat\u201c geh\u00f6rt folgerichtig zu den melancholischsten Momenten. Beziehungen sind nun nicht mehr Gegenwart, sondern Geschichte. Bewegungen beginnen, als wollten sie eine Begegnung wiederholen, die l\u00e4ngst vorbei ist. Die T\u00e4nzer erreichen einander und verfehlen sich zugleich. Der Raum zwischen zwei K\u00f6rpern wird pl\u00f6tzlich wichtiger als die K\u00f6rper selbst.<\/p>\n<p>In \u201eTreaty\u201c wird daraus der Wunsch nach Vers\u00f6hnung. Cohen hat das Liebesverh\u00e4ltnis immer wieder als eine Form von Verhandlung verstanden: zwischen Freiheit und Bindung, Schuld und Vergebung, K\u00f6rper und Geist. Die Choreografie findet daf\u00fcr Balanceakte. Einer tr\u00e4gt das Gewicht des anderen. Einer gibt nach, damit der andere stehen kann. Es ist ein sch\u00f6nes Bild f\u00fcr jede ernsthafte Beziehung: Gleichgewicht ist nichts, was man besitzt. Man muss es fortw\u00e4hrend herstellen.<\/p>\n<p>Dann bricht \u201eFirst We Take Manhattan\u201c in diesen Abend ein.<\/p>\n<p>Die T\u00e4nzer verwandeln sich. Wo zuvor Verletzlichkeit herrschte, regieren pl\u00f6tzlich Kraft, Pr\u00e4zision und Angriff. Die Gruppe marschiert nicht, und doch hat ihre Bewegung etwas von einer Eroberungsmaschine. Macht wird k\u00f6rperlich. Ehrgeiz wird Rhythmus. Die t\u00e4nzerische Virtuosit\u00e4t des Ensembles tritt hier besonders offen hervor \u2013 Spr\u00fcnge, schnelle Richtungswechsel und komplexe Formationen besitzen eine fast aggressive Eleganz.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re leicht, sich von dieser technischen Brillanz verf\u00fchren zu lassen. Doch die Choreografie setzt ihr einen bitteren Unterton entgegen. Wer Manhattan erobert, hat noch lange nicht sich selbst erobert.<\/p>\n<p>\u201eIt Seemed the Better Way\u201c wirkt danach wie die Ern\u00fcchterung eines alten Mannes. Die Bewegung verliert ihren demonstrativen Gestus. Sie wird kleiner, konzentrierter. Gerade diese Reduktion ist stark. Der sp\u00e4te Cohen spricht nicht mehr mit der Selbstgewissheit des jungen Liebhabers. Er spricht als jemand, der gelernt hat, dass weder Religion noch Liebe noch Kunst endg\u00fcltige Antworten liefern.<\/p>\n<p>Dann kommt das St\u00fcck, das eigentlich nicht mehr zu retten sein d\u00fcrfte: \u201eHallelujah\u201c.<\/p>\n<p>Zu viele Castingshows, Hochzeiten, Beerdigungen und pathetische Coverversionen haben aus Cohens widerspr\u00fcchlichem Lied eine universelle Gef\u00fchlstapete gemacht. Ballets Jazz Montr\u00e9al widersteht erfreulicherweise der Versuchung, noch mehr Pathos daraufzulegen. Zoey Anderson und DaMond LeMonte Garner singen, w\u00e4hrend die Choreografie sich zur\u00fccknimmt.<\/p>\n<p>Das ist die richtige Entscheidung.<\/p>\n<p>Denn Cohens \u201eHallelujah\u201c war nie das Lied einer ungebrochenen Erl\u00f6sung. Es handelt vom Scheitern und davon, trotzdem noch ein Halleluja sagen zu k\u00f6nnen. Vom Glauben nach dem Verlust der Gewissheit. Von der Liebe nach der Entt\u00e4uschung. Von Sch\u00f6nheit, obwohl man wei\u00df, dass sie vergeht.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rper auf der B\u00fchne m\u00fcssen dazu nichts mehr beweisen. Sie sind einfach da.<\/p>\n<p>Das abschlie\u00dfende \u201eTreaty Reprise\u201c f\u00fchrt den Abend deshalb nicht zu einem triumphalen Ende. Es f\u00fchrt ihn zur\u00fcck zum Wunsch nach Verst\u00e4ndigung. Vielleicht gibt es am Ende keinen Sieg, sondern lediglich die M\u00f6glichkeit, mit dem anderen \u2013 und mit sich selbst \u2013 Frieden zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Ensemble tr\u00e4gt diese Idee mit beeindruckender k\u00f6rperlicher Pr\u00e4senz. Zur f\u00fcr 2026 ver\u00f6ffentlichten Besetzung geh\u00f6ren Zoey Anderson, Gustavo Barros, Millie Brinck-Dubuc, Yosmell Calderon Mejias, Marcel Cavaliere, Kyle Davis, Jasmine Heart Cruz, Shanna Irwin Calderon, Miu Kato, DaMond LeMonte Garner, Zack Preece, Madelaine Salhany und Silje Vereide; Troy Atamanuk wird als Intern gef\u00fchrt. Besonders Yosmell Calderon Mejias besitzt jene selbstverst\u00e4ndliche B\u00fchnenautorit\u00e4t, bei der technische Sicherheit nicht mehr als Technik sichtbar wird. Anderson und Garner wiederum erweitern als singende T\u00e4nzer die Ausdrucksm\u00f6glichkeiten des Ensembles.<\/p>\n<p>Doch es w\u00e4re falsch, aus diesem Abend einzelne Stars herauszuschneiden. Seine eigentliche Hauptfigur ist die Gemeinschaft der K\u00f6rper. Immer wieder entstehen Paare, Trios und Gruppen, nur um sich erneut aufzul\u00f6sen. Ein Mensch tritt hervor und verschwindet wieder in der Menge. Das passt zu Cohen: Das Individuum verlangt verzweifelt nach Einzigartigkeit und wei\u00df doch, dass seine elementaren Erfahrungen \u2013 Liebe, Eifersucht, Verlust, Alter und Tod \u2013 von Millionen anderen geteilt werden.<\/p>\n<p>Auch \u00e4sthetisch besitzt \u201eDance Me\u201c gro\u00dfe Geschlossenheit. Dunkelheit, Gegenlicht, Projektionen und reduzierte Kost\u00fcme schaffen einen Raum, der weniger Schauplatz als Bewusstseinslandschaft ist. Manchmal sieht man eher Schatten als Menschen. Manchmal scheint ein K\u00f6rper nur f\u00fcr Sekunden aus dem Dunkel aufzutauchen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner l\u00e4sst sich Verg\u00e4nglichkeit kaum inszenieren.<\/p>\n<p>Ganz ohne Einwand bleibt der Abend dennoch nicht. Sechzehn musikalische Stationen in knapp achtzig Minuten erzeugen eine enorme Dichte. Nicht jede choreografische Idee erh\u00e4lt die Zeit, die sie verdient h\u00e4tte. Manche Motive \u2013 Fallen, Auffangen, Umkreisen, Trennen \u2013 kehren so h\u00e4ufig wieder, dass aus poetischer Wiederholung gelegentlich choreografische Konvention wird. Und bisweilen ist die visuelle Sch\u00f6nheit des Abends so vollkommen, dass man sich einen Riss in dieser Perfektion w\u00fcnscht: etwas H\u00e4ssliches, Sperriges, wirklich Verst\u00f6rendes.<\/p>\n<p>Denn Cohen war nicht nur elegant melancholisch. Er konnte obsz\u00f6n, politisch, bitter und grausam sein. \u201eDance Me\u201c liebt seinen Cohen gelegentlich etwas zu sehr.<\/p>\n<p>Doch das ist ein Einwand gegen einen au\u00dfergew\u00f6hnlich gelungenen Abend. Entscheidend ist, dass Ballets Jazz Montr\u00e9al der Musik nicht unterw\u00fcrfig begegnet. Die Choreografen illustrieren keinen Heiligen Leonard. Sie nehmen seine Gedanken und setzen sie einer anderen Kunstform aus.<\/p>\n<p>Dabei geschieht etwas Bemerkenswertes: Man beginnt Cohens Musik anders zu h\u00f6ren, weil man sie gesehen hat.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper erweist sich dabei als das vielleicht geeignetste Instrument f\u00fcr diese Lieder. Denn alles, wovon Cohen geschrieben hat, geschieht letztlich mit ihm: Wir begehren mit dem K\u00f6rper. Wir ber\u00fchren und werden ber\u00fchrt. Wir tragen andere und lassen sie fallen. Wir altern. Wir verlieren. Und irgendwann verschwindet genau der K\u00f6rper, der all dies erfahren hat.<\/p>\n<p>Darum hei\u00dft dieser Abend \u201eDance Me to the End of Love\u201c und nicht blo\u00df \u201eDance with Me\u201c.<\/p>\n<p>Tanz mich bis zum Ende.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34699\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-6-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist Bitte und Liebeserkl\u00e4rung, aber ebenso Todesbewusstsein. Ballets Jazz Montr\u00e9al versteht diesen kleinen Unterschied. Und aus ihm gewinnt die Produktion ihre eigentliche Gr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Am Ende bleibt kein gro\u00dfes choreografisches Ausrufezeichen. Es bleibt etwas viel Cohenhafteres: ein Zweifel, eine Erinnerung, vielleicht eine Art Trost. Das letzte Wort geh\u00f6rt nicht der Gewissheit, sondern der Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-8-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34701\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-8-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und irgendwo zwischen einem gefallenen K\u00f6rper, einer ausgestreckten Hand und einem letzten \u201eHallelujah\u201c begreift man, was dieser Abend im besten Moment vermag: Er tanzt nicht zu Leonard Cohen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-13-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34704\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-13-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-14-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-34705\" src=\"http:\/\/leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/MONTREAL-BALLET-by-ChristofGraf-Cologne2026-14-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c Die Verwandlung von Leonard Cohens Lieder in Tanz &#8211; Text &amp; Fotos von Christof graf (Cohenpedia) Das \u201cBallets Jazz Montr\u00e9al\u201d in der K\u00f6lner Philharmonie Mit \u201eDance Me \u2013 Music by Leonard Cohen\u201c bringt Ballets Jazz Montr\u00e9al im August 2026 ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Zusammenspiel von Tanz, Musik, Licht, Video und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":34693,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-34681","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=34681"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34711,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/34681\/revisions\/34711"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/34693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=34681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=34681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=34681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}