{"id":8615,"date":"2018-06-24T19:32:35","date_gmt":"2018-06-24T17:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=8615"},"modified":"2018-06-24T19:32:35","modified_gmt":"2018-06-24T17:32:35","slug":"kw-22-2018-gunsn-roses-live-in-mannheim-die-zweite-nach-1991-treten-guns-nroses-heute-am-24-juni-2018-in-mannheim-maimarktgelaende-zum-zweiten-mal-auf-vor-27-jahren-schrieb-ich-ueber-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=8615","title":{"rendered":"KW-22-2018: Guns`n `Roses &#8211; Live in Mannheim &#8211; Die Zweite. Nach 1991 treten GUN`S N`ROSES heute am 24. Juni 2018 in Mannheim, Maimarktgel\u00e4nde zum zweiten Mal auf. Vor 27 Jahren schrieb ich \u00fcber das Konzert am 24. August 1991 folgenden Artikel in dem Buch &#8222;Kulturmarketing&#8220;."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/guns1991.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-8616\" src=\"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/guns1991-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Foto: Christof Graf<\/p>\n<p>Quelle: KULTURMARKETING, Wiesbaden, 1995, S. 185 &#8211; 191<\/p>\n<p><strong>Guns&#8217;n&#8217;Roses &#8211; Der Triumphzug des Traums von \u201eSex, Drugs &amp; Rock&#8217;n&#8217;Roll&#8220; beginnt mit einem einzigen Konzert in Deutschland als Open Air<\/strong><\/p>\n<p>Als &#8222;die gr\u00f6\u00dfte Sensation des Konzert-Sornmers &#8217;91&#8220; priesen die Veranstalter Marek Lieberberg und Ossy Hoppe das einzige Konzert der &#8222;neuen&#8220; Bad Boys des Rocks am 24. August 1991 auf dem Mannheimer Mai-Markt-Gel\u00e4nde an. F\u00fcrwahr lassen sie den Mythos von &#8222;Sex, Drugs &amp; Rock&#8217;n&#8217;Roll&#8220; wieder aufleben. Auch lassen sie sich gerne als &#8222;die fr\u00fchen Stones der 90er Jahre&#8220; feiern. Den Ruf, als &#8222;gef\u00e4hrlichste Band der Welt&#8220; zu gelten, h\u00f6ren sie noch lieber. &#8222;Das ist es doch, was den Rock&#8217;n&#8217;Roll ausmacht&#8220;, meint Band-Leader und S\u00e4nger Axl Rose und rechtfertigt damit das oft sinnlos und gar affektiert wirkende &#8222;Aufgebausche&#8220; von Horror-Stories, wie sie seit Bestehen der Band die Runde machen. So etwas wie die Stones gab es halt nur einmal in der Geschichte des Rock&#8217;n&#8217;Roll. Und was dieses &#8222;etwas&#8220; war, wei\u00df bis heute eigentlich immer noch niemand. Die Stones sind eben die Stones. Und die Geschichte, und sei es auch nur die Rockgeschichte, hat eben ihre eigenen Gesetze. Und Gesetze, so sch\u00f6n es auch klingen mag, sind zwar da, da\u00df sie gebrochen werden, unterliegen eben jener dieser Rockgeschichte. Und die, das soll hier nocheinmal ganz klar und deutlich gemacht werden, l\u00e4\u00dft nur einmal so etwas wie die Stones zu. Nicht umsonst f\u00fcr \u00fcber 25 Jahre. Auch wenn ein Axl oder Slash einem Jagger\/ Richards noch so sehr, wenn auch nur in deren Show-Geb\u00e4rden, nacheifern, neben der Rockgeschichte gibt es noch &#8222;etwas&#8220;, was sich nicht verarschen l\u00e4\u00dft: das Publikum. Soviel zur Andacht.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zur Entmystifizierung von Guns &#8217;n &#8218;Roses. Die Band, die seit ihrer Gr\u00fcndung 1985 in Los Angeles, und sp\u00e4testens seit ihrem f\u00fcr viele Musik-Kenner unverst\u00e4ndlicherweise zum Megaseller gewordenenen Album &#8222;Appetite For Destruction&#8220; Starkult vom Feinsten betreibt, ist lediglich ein Produkt des Marktes, und will man ihr trotzdem ein Kompliment machen, ein Produkt der Rockgeschichte. Denn nur sie hat mit ihren Einfl\u00fcssen die Macht, &#8222;etwas&#8220; aus einer Band zu machen. Vorausgesetzt die Band hat ein Potential und der Markt eine Nachfrage. Letztere bestand zumindest durch den scheinbar durch die Kommerzialiserung der Musikbranche bis aufs Minimum reduzierten Mythos von &#8222;Sex, Drugs and Rock&#8217;n&#8217;Roll,&#8220; welchen die Band befriedigte. Ein Minimum an Potential bestand im Posing von Frontmann Axl Rose und in einem f\u00fcr eine junge Rockband eigentlich ungew\u00f6hnlichen Gitarristen mit Format eines Jimmy Page.<\/p>\n<p>Doch bevor die Guns&#8217;n&#8217;Roses an den Strand der Rockbegeisterten gesp\u00fclt wurden hatten sie so manchen Stein aus ihrem Weg zu r\u00e4umen. Dies gelang nach dem 1986 noch beim bandeigenen Label &#8222;Uzi Suicide&#8220; ver\u00f6ffentlichten Deb\u00fct &#8222;Live Like A Suicide.&#8220; Von da an begann denn erst das Interesse der Major Companies. Geffen lie\u00df die Guns mit einem ersten Album &#8222;Appetite for de-struction&#8220; schie\u00dfen. Weltweit wurden von diesem Album bis 1991 ca. 16 Millionen Exemplare verkauft. Das Nachfolge-Album &#8222;Lies&#8220; schaffte immerhin die 5 Millionen-Marke.<\/p>\n<p>Doch die Band mit Izzy Stradlin(gif), Duff &#8222;Rose&#8220; McKagan(bg), Steven Ad-ler[dr), Axl und Slash machte vor allem mit den Eskapaden der beiden letztgenannten von sich reden. Hierzu geh\u00f6ren solche, f\u00fcr den seltsamen Humor der beiden sprechenden Fehltritte, wie Alkohol und Drogenexzesse oder die eingeschlagene Nase eines David Bowie, welcher die Liebste von Axl zu sehr be\u00e4ugt hatte. Von den st\u00e4ndigen Presseschikanen und Interviewabsagen ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt seien hier nur die unn\u00f6tigen Fotografierverbote, welche auf das Konto eines cleveren Fotografen namens George Chin gehen, der die Band seit ihrer Gr\u00fcndung unter einem Exclusiv-Vertrag stehen hat. Wollen die Fans in ihren Magazinen also Fotos von ihren Idolen, sind sie von der Gunst und Geldgier eines George Chins abh\u00e4ngig. Denn der verkauft entweder seine Fotos exclusiv oder l\u00e4\u00dft andere Fotografen und Agenturen f\u00fcr harte Dollars mit in den Fotograben gehen.<\/p>\n<p>Wohl unterst\u00fctzt von Axl, denn der, erblickt er zumindest in den vorderen Reihen eine Kamera, bricht gar ein Konzert ab, um dem Fotogeilen einen Bowie-\u00e4hnlichen Knock-Out zu verpassen. So geschehen, und kurz vor dem Mannhei-mer-Konzert in allen Medien verbreitet, bei einem Konzert in den Staaten in Missouri.<\/p>\n<p>Aber auch solche Skand\u00e4lchen wie das Pinkeln eines Izzys in den Gang eines Flugzeuges, Axls Pr\u00fcgel f\u00fcr seine Nachbarin, und diverse Gef\u00e4ngnisaufenthalte lassen Dichtung und Wahrheit eins werden, wenn es um die Schaffung einer Kultband geht.<\/p>\n<p>Erinnerungen an die Stones werden wach? Naja, da lob ich mir doch das Original.<\/p>\n<p>Mit denen spielen Axl und Slash &amp; Co. gar vier Mal im Vorprogramm auf deren &#8222;Steel Wheels-US-Tour 1989.&#8220; Axl tritt gar noch einmal bei deren &#8222;Urban-Jungle-Europe-Tour 1990&#8220; in Barcelona an die Seite von Jagger. Dies und nicht zuletzt Songs wie &#8222;One In A Million&#8220; vom &#8222;Lies&#8220;-Album, in dem au\u00dfer Bullen auch Schwarze und Schwule angegriffen werden, eben in einer Sprache, wie man sie in den Stra\u00dfen von LA spricht, und eben auch &#8222;wie sie die Kids sprechen und verstehen&#8220;, so zumindest ein Promo-Text, machen Guns &#8218;\u00ab Roses zum Gewaltakt in jeglicher Hinsicht.<\/p>\n<p>Da bis ins Jahr 1991 das Management der Guns die Anweisung hatte, s\u00e4mtliche Interviews, und die waren gerade zu der Zeit schwieriger zu bekommen, als ein Date mit dem Papst, gegenzulesen und unautorisierte Aussagen mit Gerichtsklagen zu verhindern, war man in der Vorbereitungsphase des einzigen Konzerts in Deutschland im Rahmen einer zweij\u00e4hrigen Welttournee auf ein paar wenige Aussagen aus der Pressemappe angewiesen. Doch die sollen uns hier, bis auf die l\u00e4cherliche Anma\u00dfung &#8222;die Stones und die Roses sind Br\u00fcder im Geiste&#8220;, erspart bleiben. Vielmehr soll auf die schon im Fr\u00fchjahr 1991 angek\u00fcndigte &#8222;Konzert-Sensation&#8220; hingeleitet werden.<\/p>\n<p>Und die begann im wahrsten Sinne des Wortes mit Gewehrfeuer und Rosenzauber. Gleich zwei namhafte Musikzeitschriften machten es ihren amerikanischen Kollegen nach und bannten Axl im August mit der Headline &#8222;Wer hat Angst vor Axl RoseT\u00a0 (MUSIKEXPRESS\/SOUNDS), sowie Slash und Axl mit einer Titelstory (FACHBLATT MUSIKMAGAZIN) aufs Front-Cover. Die monatlichen Hard-Rock-Bibeln METAL HAMMER, ROCK HARD, ROCK POWER standen ihnen in zahlreichen Vorberichten in nichts nach. Lediglich das in Neckarsteinach angesiedelte BREAK OUT lie\u00df sich nicht vom Rosen-Fieber anstekken. &#8222;Da Capo&#8220; sollte hier f\u00fcr BRAVO stehen. Und sogar der STERN lie\u00df sich nicht lumpen. Doch nicht nur dessen Vorbericht sollte der Grund f\u00fcr das von der Konzertagentur Lieberberg &amp; Hoppe gemeldete &#8222;Sold out&#8220; sein. Ein Sold out, das es \u00fcblicherweise bei Open-Air-Veranstaltungen selten gibt. Ein Sold out das allerdings auch aus Sicherheitsgr\u00fcnden auf 60.000 Zuschauer beschr\u00e4nkt war und somit die Schwarzmarktpreise f\u00fcr ein Ticket von 60 M\u00e4rker in schwindelnde H\u00f6hen trieb. Ein Tag vor dem \u201eTag X&#8220; wurden in M\u00fcnchen Preise von DM 450 laut. Doch diese sanken eine Stunde vor Konzertbeginn auf DM 10! Der Markt regeneriert sich von selbst, als Trost einer k\u00fcnstlich zum Kult erkorenen Band.<\/p>\n<p>In der Bef\u00fcrchtung eines Wiederholungsfalles von Missouri \u00fcberschrieb die DPA zwei Tage vor dem Konzert eine Meldung mit &#8222;1000 Ordner sorgen f\u00fcr &#8222;Rock ohne Gewalt&#8220;.&#8220; Inhalt dieser Meldung war der Wunsch nach einem &#8222;friedlichen&#8220; Konzert: &#8222;Veranstalter und Polizei stellen rund 1000 Sicherheitskr\u00e4fte, welche Kosten von mehreren Hunderttausend Mark verursachen werden, so Einsatzleiter Hartmut Lewitzki von der Mannheimer Polizei im Vorfeld. Zum Konzert wird eine Anti-Gewalt-Kampagne unter dem Motto &#8222;Rock ohne Gewalt&#8220; mit Aufklebern und Plakaten vorbereitet. Knapp 100 Sanit\u00e4ter und \u00c4rzte werden im Einsatz sein. &#8222;Die Polizei will das Maimarktgel\u00e4nde mit Gittern in drei Blocks zu je rund 20.000 Zuschauern aufteilen. Etwa f\u00fcnf Meter breite G\u00e4nge zwischen den Blocks sollen mit einem starken Aufgebot von Sicherheitskr\u00e4ften freigehalten werden. Der gesamte Ablauf des Konzertes werde aus der Luft mit Hubschraubern und Video \u00fcberwacht. Neben den \u00fcblichen Einla\u00dfkon-trollen auf Waffen, Flaschen und Alkohol werden Beamte der Kriminalpolizei auch in Zivil auf den Parkpl\u00e4tzen rund um das Gel\u00e4nde besonders auf Rauschgiftmi\u00dfbrauch achten,&#8220; so Lewetzki weiter.<\/p>\n<p>Das Zittern nahm im Vorfeld also kein Ende. Den anstr\u00f6menden Massen wurde noch einmal per Riesenplakat mit der Aufschrift &#8222;Danke f\u00fcr das &#8222;SOLD OUT&#8220;&#8220; seitens Marek Lieberberg und Ossy Hoppe gedankt. Die M.Lieberberg-Konzertagentur wandte sich auf der R\u00fcckseite des &#8222;Rock ohne Gewalt-Handzettels&#8220; noch einmal mit folgenden Worten an die Gemeinde der vermeintlichen Unruhestifter Guns &#8217;n &#8218;Roses: &#8222;Liebe Freunde, wir allen freuen uns auf Guns &#8217;n &#8218;Roses und ihre G\u00e4ste. Als Veranstalter und Fans wissen wir, da\u00df Guns &#8217;n &#8218;Roses eine unkonventionelle Gruppe ist. Dies macht auch ein Gro\u00dfteil ihrer Faszination aus.<\/p>\n<p>Es hat in der Vergangenheit Schwierigkeiten bei Konzerten gegeben, die von bestimmten Medien unn\u00f6tig aufgebauscht und verzerrt dargestellt wurden. Deshalb ist es wichtig, da\u00df wir alle gemeinsam unsere Absicht einer friedfertigen und reibungslosen Veranstaltung bekunden und gegenseitig R\u00fccksicht nehmen, auch wenn einmal etwas Unvorhergesehenes geschieht. Bitte beachtet die Hinweise des Ordnungsdienstes und die Richtungsballons.<\/p>\n<p>Dieses Festival soll f\u00fcr uns alle ein besonderes Ereignis werden. Deshalb mu\u00df absolute Gewaltlosigkeit unser aller Anliegen sein. Wir bitten deshalb besonders herzlich um Eure pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Zielsetzung. Sollte es im Rahmen der Veranstaltung zu Verz\u00f6gerungen oder Versp\u00e4tungen kommen, so nehmt diese mit der Ruhe eines Rock &#8217;n Rollers hin. Wir werden Euch stets auf dem Laufenden halten, falls dies eintreten sollte. Denkt daran: &#8222;It&#8217;s only Rock&#8217;n&#8217;Roll and we like it &#8211; but don&#8217;t fight it!&#8220;&#8220; Soviel also in Sachen Vorfeld &#8222;der Konzert-Sensation im Sommer &#8217;91&#8220;. Am TagX war man dann von einem wirklich gutorganisierten und trotz oder gerade wegen des Gro\u00dfaufgebotes an Uniformierten friedlichen Ablaufs zumindest bis zum Beginn des Guns &#8217;n &#8218;Roses-Acts angenehm \u00fcberrascht. W\u00e4hrend die Presse in ihrem Areal, wie in einem K\u00e4fig gleich, G\u00e4ste beim wirklich gelungenen und sehr gro\u00dfz\u00fcgigen Kalten B\u00fcffet im GEFFEN-Areal und die Fans in ihren Blocks bei herrlichem Sommerwetter der bevorstehenden Action entgegenfieberten, er\u00f6ffneten Nine Inch Nails \u00fcberraschenderweise das Spektakel. Wer auf die auf Karten und Plakaten ausgedruckte Anfangszeit von 17.00 Uhr setzte, verpa\u00dfte gar den Opener &#8222;Slave To The Grind&#8220; der amerikanischen SkidRow. Doch sowohl die &#8222;N\u00e4gel&#8220; als auch die Mannen um Sebastian Bach waren f\u00fcr die knapp 70.000 Fans nur musikalisches Beiwerk. Und auch der &#8222;stage-diving&#8220; erprobte Sebastian konnte mit seinem Hechtsprung ins Publikum nur die vorderen Reihen begeistern. Nach Songs wie &#8222;Get The Fuck Out&#8220;, &#8222;Riot Act&#8220;, &#8222;Youth Gone Wild&#8220;, u.a. war nach knapp 5o Minuten und zwei Zugaben die Zeit f\u00fcr SkidRow um; F\u00fcr Sebastian Bach, der sich bei seinem Bad in der Masse am Hals verletzt hatte, sogar der Tag gelaufen. Er mu\u00dfte ins Krankenhaus.<\/p>\n<p>Gerade 18.00 Uhr, vermutete man in der noch bis 22.00 Uhr verbleibenden Zeit, denn sollte das Konzert zeitm\u00e4\u00dfig \u00fcberschritten werden, war eine Konventionalstrafe von satten 140.000 Dollar f\u00e4llig, einen \u00fcberlangen Guns &#8217;n &#8218;Roses-A.ci. Doch weit gefehlt. Gute zwei Stunden harrte ein Publikum aus, das sich wohl durch gar nichts aus der Ruhe bringen lassen wollte. Auch nicht von der BILD-Hysterie-Mache vom gleichen Tag, in der ein Bild von Axl mit dem Text: &#8222;Neben seinem Bett hat Axl eine Maschinenpistole stehen, auf dem Nachttisch liegt ein 9mm-Revolver. Ohne schl\u00e4ft er nicht\u201c, abgedruckt war.<\/p>\n<p>Scheinbar nichts mehr konnte den Gig in Gefahr bringen. Ein Gig \u00fcbrigens, das sei schon hier gesagt, der die kontroversesten Meinungen hervorbrachte. W\u00e4hrend die S\u00dcDDEUTSCHE ZEITUNG von &#8222;H\u00e4\u00dflichen Amerikanern&#8220; und die SAARBR\u00dcCKER ZEITUNG von &#8222;Genialen Nichtsk\u00f6nnern&#8220; in ihrer Nachberichterstattung sprachen, lie\u00df DIE RHEINPFALZ die Guns &#8217;n &#8218;Roses &#8222;ein Signal f\u00fcr 60.000 setzen&#8220; und der K\u00d6LNER STADTANZEIGER beschrieb die &#8222;Rosen aus Stahl&#8220; gar als &#8222;Rock-Hoffiiung der 90er.&#8220;<\/p>\n<p>Und als dann ca. 20 Minuten nach Acht die Mundharmonika-T\u00f6ne von Enmo Morricones &#8222;Spiel mir das Lied vom Tod&#8220; erklangen, kannte die Spannung keine Steigerung mehr. Nachdem daraufhin irgendein Roadie etwas Unverst\u00e4ndliches als Ank\u00fcndigung ins Mikrofon pl\u00e4rrteund man nur dessen letzten Worte richtig verstand, begr\u00fc\u00dfte Axl die knapp 70.000 geduldig Wartenden mit &#8222;Welcome to the jungle&#8220;. Passender gings kaum mehr. Die zweist\u00fcndige Umbaupause trug erste Fr\u00fcchte, und Axl legte sich im ungewohnten Schotten-Kilt daf\u00fcr im gewohnten Stil m\u00e4chtig ins Zeug. Laut, dreckig, von der Stra\u00dfe kommend und r\u00fcpelhaft wie kein anderer S\u00e4nger einer Band. Dazu das zweite Kl\u00fcngel Slash an der Gitarre. Ein Gitarrist, der auf seinem Instrument etwas zu sagen und dies auch erz\u00e4hlt, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, die meist nur viel erz\u00e4hlen, aber dabei nichts sagen. Und auch der neue Ex-Cu\/r-Drummer Matt Sorum ist nach dem gescha\u00dften Steve Adler eine Bereicherung an den Schlagzeugen. Weniger auffallend dagegen das neue Mitglied an den Keyboards, Diz-zy Reed. Nach der zweiten Nummer &#8222;Mr. Brownstone&#8220; gab es dann den ersten Vorgeschmack auf die ca. &#8222;3568 Mal&#8220; im Erscheinungsdatum verschobene LP &#8222;Use Your Illusions, Vol. I &amp; II&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Bad Obsession&#8220; und &#8222;Dust And Bones&#8220; hinterlie\u00dfen jedoch weniger Eindr\u00fccke, als von einer derart spannend gemachten LP erwartet. Egal, alles, was an diesem Abend von einer Band namens Guns &#8217;n &#8218;Roses kommen sollte, sollte gut sein. Schlie\u00dflich war man dabei, ja, man konnte sagen, man war dabei gewesen. Spielte die Band bei ihrem letzten Deutschland-Gig im Tor 3 in D\u00fcsseldorf gerade vor 400 Leuten, hat sich der Marktwert bis zum 24.08.91 doch um ein Vielfaches potenziert. Doch weiter im Kontext. Die Stimmung stieg merklich, als die Band Paul MC Cartneys &#8222;Live And Let Die&#8220; in einen an diesem Abend wundersch\u00f6nen Sonnenuntergang in den Mannheimer Himmel schrie. Die Ly-rics zwar nur erahnend, schafft es Axl immer wieder dennoch, eine gekonnte Cover-Version dieses Klassikers hinzuschmettern. Die links und rechts von der B\u00fchne angebrachten Video-Leinw\u00e4nde hatten Schwierigkeiten, den st\u00e4ndig von B\u00fchnenrand zu B\u00fchnenrand rennenden Axl ins Bild zu setzen. Doch nach dem einstigen Cartney-Hit war dann auch mal f\u00fcr die Kamera-Leute Schlu\u00df. Und den hatte Axl gesetzt. Die PA verstummte, Axl rannte von der B\u00fchne, die etwas konsterniert wirkenden Restmusiker taten es ihrem Frontmann nach und nach zwanzig Minuten war erstmal Schicht.<\/p>\n<p>Was war passiert? Niemand wu\u00dfte es. Auf der Pressetrib\u00fcne gab&#8217;s die unm\u00f6glichsten Mutma\u00dfungen. Die Menge schien in Unruhe zu kommen, als w\u00fcrde eine Wolf eine Schafsherde umschleichen. Kurze Zeit sp\u00e4ter erschien Marek Lieberberg selbst auf der B\u00fchne, um die Menge an den &#8222;Rock ohne Gewalt-Handzettel&#8220; zu erinnern. Man habe Sound-Probleme, hie\u00df es. Man arbeite daran, hie\u00df es. Das Problem w\u00fcrde alsbald gel\u00f6st, hie\u00df es. &#8211; Das Problem hie\u00df in Wirklichkeit nicht Sound, sondern Axl Rose. Denn, dem pa\u00dfte der Sound entweder wirklich nicht, oder er hatte doch wirklich eine unerlaubt ins Publikum mitgebrachte Foto-Kamera entdeckt und &#8222;Missouri-erinnert&#8220; wutschnaubend \u00fcber diese Schlamperei der Veranstalter schimpfend die B\u00fchne verlassen. Einige Tausend zogen sich vorsichtigerweise in Richtung Ausgang zur\u00fcck, wohl wissend, was ein drohender Wolf unter ca. 70.000 Schafen anrichten vermag. Die Zeit verging und Marek Lieberberg wollte es wohl niemand sonst zumuten, die Massen ein zweites Mal zu beschwichtigen. &#8222;Man sollte bitte Ruhe bewahren, das Konzert w\u00fcrde gleich fortgesetzt, sobald das Problem beseitigt sei.&#8220; Wie erst im Nachhinein in Insiderkreisen als Top Secret gehandelt wurde, war die Tatsache, da\u00df sich Herr Rose wirklich von irgendetwas gest\u00f6rt f\u00fchlte. Von was, war irgendwie allen, vielleicht ihm selbst auch nicht klar. Auf jeden Fall war er der Meinung nicht weiter spielen zu wollen. Dieser Laune entsprach wohl auch der 2 Flaschen Jack-Daniels-Genu\u00df dieses Tages. Axl machte sich auf den Weg, das Gel\u00e4nde zu verlassen. Doch Festival-Profi Lieberberg entrinnt man nicht so leicht. Der wies Ordner und Polizei aus,das Gel\u00e4nde abzuriegeln und alles, was nach Axl Rose aussah, wenn es sein sollte auch mit Gewalt, auf die B\u00fchne zu verfrachten. Gesagt, getan. Nach zwanzig Minuten Zwangspause erschien Axl, diesmal in Hotpants, scheinbar zur Besinnung gekommen wieder auf der B\u00fchne, und es begann der Anfang vom Ende. Die St\u00e4rke dieses Konzerts lag in der ungeheuren Emotionalit\u00e4t der Songs, die die Guns &#8217;n &#8218;Roses wirklich beherrschen, als sei es ihr t\u00e4glich Brot. Doch das ist meist auch eine Flasche Whiskey und eine Nase voll Koks. So scheint es zumindest bei einem Gro\u00dfteil ihrer Darbietungen. Aber sind es nicht die wahren K\u00fcnstler, die gerade in Trance, sich dennoch unter Kontrolle haben und nur ihren K\u00fcnsten dabei freien Lauf lassen? Oder ist es einfach nur der vom Blues gepr\u00e4gte Rock, der die Massen in ihren Bann zieht? Denn nicht der Heavy Metal, wie so oft und f\u00e4lschlicherweise behauptet, sondern die Wurzeln des Blues umgarnen den B\u00fchnenboden auf dem Axl &amp; Co. stehen. Dies zeigt sich vor allem in einer Wahnsinns-Version von Bob Dylans All-Time-Klassiker &#8222;Knockin&#8217;On Hea-ven&#8217;s Door&#8220;. Da beginnen Rosen zu bl\u00fchen und Gewehre zu gl\u00fchen. Davor gab&#8217;s &#8222;Civil War&#8220;, &#8222;Double Talkin Jive&#8220;, und ein mit Feuerzeugen verl\u00e4ngerter Sonnenuntergang bei &#8222;It&#8217;s So Easy&#8220; und &#8222;Patience&#8220;. &#8222;November Rain&#8220;, und &#8222;You Could Be Mine&#8220;, dieses Mal ohne Arnold Schwarzenegger als Termina-tor, lassen das Konzert schon jetzt locker \u00fcber die 22.00 Uhr-Grenze gehen. Ein Drum-Solo und Slash &#8217;s Hommage an Hendrix und Paco de Lucia-Kl\u00e4nge leiten Songs wie &#8222;Sweet Child Of Mine&#8220;, &#8222;Nighttrain&#8220;, &#8222;Yesterdays&#8220;, &#8222;14 Years&#8220;, und &#8222;My Michelle&#8220; ein.<\/p>\n<p>Nach dem Dylan-Cover setzte die Band schlie\u00dflich mit der zweiten Zugabe noch einen drauf. &#8222;Paradise City&#8220; diente als Ausklang eines Konzert, das auf seine eigene individuelle Art und Weise seine Register der Rockgeschichte zog: Blues, Hardrock und Punk vermischt mit den Gef\u00fchlen der aggressivsten Art der 80er und 90er. Sollte man von Guns &#8217;n &#8218;Roses auch noch in zehn Jahren den einen oder anderen guten Song zu h\u00f6ren bekommen, und sollte Axl bis dahin wirklich singen gelernt haben, w\u00fcrde wohl auch ich von einer Kultband sprechen. Aber bitte noch nicht jetzt.<\/p>\n<p>Vielleicht aber schon im Jahr darauf. Denn Guns &#8217;n &#8218;Roses sind innerhalb ihrer \u201eUse Your Illusions&#8220;-World Tour l\u00e4ngst zum Kult geworden. Der Lockvogel in Form eines einzigen Open Airs und Konzerts \u00fcberhaupt sollte genug Werbung sein f\u00fcr die f\u00fcnf Open Airs im Sommer&#8217;92. Nach 119 Shows in den gr\u00f6\u00dften Stadien der USA, Kanadas, S\u00fcdamerikas und Japans des vergangenen Jahres, nach 26 Open Airs im Sommer&#8217;92 in 13 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern mit \u00fcber 1,6 Millionen Zuschauern &#8211; davon allein 300.000 begeisterte Fans bei den f\u00fcnf deutschen Auftritten &#8211; gastierten die \u201eGunners&#8220; noch einmal f\u00fcr f\u00fcnf Open Airs im Sommer&#8217;93 in Deutschland. Fazit: \u201eSold Out!\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Christof Graf Quelle: KULTURMARKETING, Wiesbaden, 1995, S. 185 &#8211; 191 Guns&#8217;n&#8217;Roses &#8211; Der Triumphzug des Traums von \u201eSex, Drugs &amp; Rock&#8217;n&#8217;Roll&#8220; beginnt mit einem einzigen Konzert in Deutschland als Open Air Als &#8222;die gr\u00f6\u00dfte Sensation des Konzert-Sornmers &#8217;91&#8220; priesen die Veranstalter Marek Lieberberg und Ossy Hoppe das einzige Konzert der &#8222;neuen&#8220; Bad Boys des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8616,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8615","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8615"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8617,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8615\/revisions\/8617"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/8616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/leonardcohen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}