{"id":9452,"date":"2018-10-08T19:34:48","date_gmt":"2018-10-08T17:34:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.leonardcohen.de\/?p=9452"},"modified":"2018-10-08T19:34:48","modified_gmt":"2018-10-08T17:34:48","slug":"kw-41-2018-das-promo-video-zu-the_flame-stammt-aus-leonard-cohens-rede-anlaesslich-der-verleihung-des-prince-of-astorius-awards-den-leonard-cohen-am-23-oktober-2011-erhielt-anbei-die-rede-sowie-e","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leonardcohen.de\/?p=9452","title":{"rendered":"KW-41-2018: Das Promo-Video zu #THE_FLAME stammt aus Leonard Cohens Rede anl\u00e4\u00dflich der Verleihung des PRINCE OF ASTORIUS-AWARDS, den Leonard Cohen am 23. Oktober 2011 erhielt. Anbei die Rede sowie eine \u00dcbersetzung von Uwe Schrade."},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Leonard Cohen \u2014 How I Got My Song \u2014 Prince of Asturias Award (Oviedo, October 21, 2011)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/5u_7e3Tv7Uk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Quelle: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5u_7e3Tv7Uk<\/p>\n<p><strong>Prince Of Asturias Award<\/strong> &#8211;&gt;\u00a0 Auszeichnungen \u00e0 Dieser Preis wird seit 1981 von der Stiftung Prinz von Asturien vergeben. Zum ersten Mal vom spanischen Pinzen 1981 und dann j\u00e4hrlich in Oviedo, der Hauptstadt des F\u00fcrstentums Asturien wird er in Anwesenheit des spanischen Thronfolgers Infant Felipe von Spanien (und seit 2004 seiner Gemahlin Do\u00f1a Letizia) vergeben. Die Preisverleihung kommt einer Art Verleihung eines akademischen Grades nahe. Jury und Preistr\u00e4ger geh\u00f6ren zur Intellektuellen Schicht. Die Preistr\u00e4ger, die von der meist hochkar\u00e4tigen Besetzung gek\u00fcrt werden, zeichnen sich durch besondere F\u00e4higkeiten nund Leistungen aus. Acht Kategorien werden hierbei ber\u00fccksichtigt: Kunst, Literatur, Sozialwissenschaften, Kommunikation und Geisteswissenschaften, Eintracht, internationale Zusammenarbeit, wissenschaftliche und technische Forschung und Sport. Cohen erhielt ihn in der Kategorie \u201eGeisteswissenschaft und Literatur\u201c. Am 23. Oktober 2011 erhielt Leonard Cohen diese Auszeichnung: Der Preis wurde wie gew\u00f6hnlich im Theater Campoamor \u00fcberreicht. Der Prinz-von-Asturien-Preis ist mit einem Geldbetrag in H\u00f6he von 50.000 Euro dotiert. Dar\u00fcber hinaus erhielt Leonard Cohen wie jeder Preistr\u00e4ger eine Skulptur, die vom katalanischen K\u00fcnstler Joan Mir\u00f3 entworfen wurde, \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Quelle: ZEN &amp; POESIE &#8211; Das LEONARD COHEN &#8211; Lexikon, 2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Uwe Schrade hat mir den Text als deutsches Transcript zugesandt: Dank hierf\u00fcr<\/p>\n<p><strong><em>Die Akzeptierungsrede der \u201ePrinz von Asturien\u201d-Auszeichnung f\u00fcr Dichtkunst ins Deutsche transformiert: \u201e Ihre Majest\u00e4t, K\u00f6nigliche Hoheiten, Exzellenzen, Mitglieder der Jury, verehrte Preistr\u00e4ger, verehrte Damen und Herren. Es ist eine grosse Ehre, heute Abend vor Ihnen zu stehen. Und mir geht es \u00e4hnlich, wie vielleicht dem grossen Meister, meinem Vorredner und Preistr\u00e4ger Maestro Riccardo Muti (Cohens Vorredner und ein weiterer Preistr\u00e4ger des Abends) , der es treffend umschrieben hat, wenn er sagte: \u201eIch bin es nicht gewohnt ohne mein Orchester im R\u00fccken vor dem Publikum alleine zu stehen, aber ich werde versuchen mein Bestes als Solo-K\u00fcnstler zu geben. Ich war die ganze letzte Nacht wach, fragte mich, was ich dieser erhabenen, ehrenwerten Gesellschaft heute Abend erz\u00e4hlen soll, und als ich dann s\u00e4mtliche Schokoladent\u00e4felchenund alle Erdn\u00fcsse der Minibar verzehrt hatte, krizzelte ich einige Worte aufs Papier. Ich glaube nicht, dass ich mich auf diese Notizen abst\u00fctzen brauche. Wie sie unschwer feststellten k\u00f6nnen, bin ich zutiefst ergriffen durch die Ehre, dass mich dieses Gremium als K\u00fcnstler anerkennt und gew\u00fcrdigt hat. Aber ich bin heute Abend auch hier, um Ihnen eine andere Art, die andere Dimension der Dankbarkeit aufzuzeigen. Ich glaube, ich kann das in drei, vier Minuten erkl\u00e4ren, so lassen Sie es mich denn versuchen. Als ich in Los Angeles die Koffer packte um hierher zu kommen, da f\u00fchlte ich eine Art von Ungleichgewicht in mir, weil ich schon immer eine ambivalente Beziehung zu Auszeichnungen f\u00fcr die Dichtkunst hatte. Dichtkunst kommt von einem Platz, von einem Ort, \u00fcber den den keiner das Kommando hat, den keiner beherrscht, keiner erobern kann. So f\u00fchle ich mich ein wenig wie ein Scharlatan, weil ich f\u00fcr etwas ausgezeichnet werde, was ich selber nicht beherrschen, nicht steuern kann. Mit anderen Worten: w\u00fcsste ich, woher die guten Songs kommen, so w\u00fcrde ich da \u00f6fters hingehen. Ich war, inmitten der harten Geduldspr\u00fcfung des Packens, gezwungen, meine Gitarre hervorzuholen. Es ist eine Conde-Gitarre, welche in Spanien in dieser grossen, bekannten Werkst\u00e4tte in der Gravinez-Strasse Nummer 7 gebaut wurde, ein sch\u00f6nes Instrument, welches ich vor 40 Jahren erworben habe. Ich nahm sie also aus dem Gitarrenkasten. Ich hob sie hoch; es schien, als sei sie mit Helium gef\u00fcllt, so leicht war sie. Ich hielt sie unter mein Gesicht; so schob ich mein Gesicht n\u00e4her zu der wunderbar geschnitzten Rosette heran, und ich inhalierte den Duft des lebendigen Holzes; Sie wissen ja, Holz stirbt niemals. Und so inhalierte ich den Duft der Zeder, so frisch wie an jenem ersten Tag, als ich die Gitarre kaufte. Und eine Stimme schien zu mir zu sprechen: \u201eDu bist ein alter Mann, und Du hast Dich nie bei der Gitarre bedankt. Und Du hast Deine Dankbarkeit gegen\u00fcber dieser Erde, aus der letztlich dieser Duft verstr\u00f6mt, nie zum Ausdruck gebracht. Und so bin ich heute Abend hier, um mich bei dieser Erde zu bedanken, aber auch, um mich bei der Seele dieses Volkes zu bedanken, das mir unermesslich viel geschenkt hat. Genauso wie ich weiss, dass eine Identit\u00e4tskarte nicht den Menschen ausmacht, macht ein Kredit-Rating kein Land aus. Sie wissen um meine tiefe Verbundenheit, Einigkeit mit dem Poeten \uf0e0 Federico Gar\u00e7ia Lorca. Ich kann sagen, als ich ein junger, heranwachsender Mann war, gierte ich nach einer Stimme. Ich studierte die alten, englischen Poeten, und ich verstand, dass sie sehr gut gearbeitet und ebenso gut verstanden haben und so versuchte ich, sie zu kopieren. Aber ich vernahm noch immer keine Stimme. Erst, als ich, zuerst mal in der \u00dcbersetzung, die Werke von Lorca, las, da verstand ich: da war die Stimme. Es war nicht so, dass ich ihn, seine Art, seinen Stil (seine Stimme) kopierte \u2013 das h\u00e4tte ich mir nicht erlaubt \u2013 aber er gab mir seine Erlaubnis, nach meiner Stimme zu suchen, eine Stimme auszumachen, die mich in ihrer Eigenheit unterschied, so eigen, dass sie nicht fixierbar ist, so eigen, dass mich um ihr eigenes \u00dcberleben k\u00e4mpfen liess. Und als ich \u00e4lter wurde, verstand ich, dass mir nun mit dieser Stimme auch Instruktionen auferlegt wurden. Welche Instruktionen waren das? Die Instruktionen beklagten keine normale Gelegenheit, keine Normalit\u00e4t. Und wenn es eine g\u00e4be, dann w\u00e4re das die unausweichliche Niederlage, die uns alle erwachen l\u00e4sst. Aber das muss in den engen, strikten Bahnen der Erhabenheit und Sch\u00f6nheit geschehen. Und so hatte ich jetzt zwar eine Stimme, aber kein Instrument, keinen Song. Und nun werde ich Ihnen sehr genau erz\u00e4hlen, wie ich zu meinem Song gekommen bin. Ich war ein unpr\u00e4ziser, indifferenzierter Gitarrenspieler: Ich knallte die Akkorde aufs Instrument, ich kenne nur einige von vielen. Ich sass mit meinen College-Freunden herum. Wir tranken und wir sangen die Folk-Song, auch die Pop-Songs der damaligen Zeit. Nicht in 1000 Jahren konnte ich mir damals vorstellen, dass ich ein Musiker oder ein S\u00e4nger werden k\u00f6nnte. Eines Tages, in fr\u00fchen 60ern, besuchte ich meine Mutter zu Hause in Montreal. Das Haus ist an der Seite eines Parks. In dem Park befindet sich ein Tennisplatz, da kamen viele Menschen zusammen und schauten den jungen, sch\u00f6nen Tennisspielern zu, die ihrem Sport fr\u00f6nten. So durchquerte ich den Park, den ich seit meiner Kindheit kenne. Da stand ein junger Mann, der Gitarre spielte, er spielte Flamenco-Gitarre. Er war von zwei, drei M\u00e4dchen und ein paar Burschen umgeben, die ihm zuh\u00f6rten. Ich liebte es, ihn spielen zu h\u00f6ren; da war etwas in dem Stil, wie er spielte, das nahm mich absolut gefangen, genau so wollte ich auch Gitarre spielen k\u00f6nnen, aber ich wusste, dass ich niemals so sch\u00f6n Gitarre spielen w\u00fcrde. So sass ich f\u00fcr einige Minuten da, gemeinsam mit den anderen Zuh\u00f6rern. Danach war da Stille, eine angemessene Stille. Ich fragte ihn, ob er mir Gitarren-Lektionen erteilen w\u00fcrde. Er war ein junger Mann aus Spanien. Wir konnten uns nur in gebrochenen Franz\u00f6sisch unterhalten. Er sprach kein Englisch. Er willigt ein, mir Gitarrenunterrichts-Lektionen zu erteilen. Ich zeigte auf das Haus meiner Mutter, welches vom Tennisplatz aus zu erkennen war, und wir verabredeten uns f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Wir vereinbarten einen Preis und er erschien tats\u00e4chlich im Hause meiner Mutter am kommenden Tag. Er sagte: \u201eLass mich Dein Gitarrenspiel h\u00f6ren\u201c. Ich versuchte, irgendetwas zu spielen, dann meinte er: \u201eDu weisst nicht, wie Du spielen sollst, nicht wahr?\u201c Ich sagte: \u201eNein, ich kann nicht wirklich spielen.\u201c Er: \u201eLass mich zuerst mal Deine Gitarre stimmen, sie ist v\u00f6llig verstimmt.\u201c Also nahm er die Gitarre, stimmte sie und sagte: \u201eEs ist keine schlechte Gitarre.\u201c Es war keine Conde, aber es war tats\u00e4chlich keine schlechte Gitarre. Dann reichte er mir das Instrument zur\u00fcck und meinte: \u201eJetzt spielst Du.\u201c Ich sagte: \u201eDas steht ausser Frage, das kann ich nicht tun.\u201c Dann sagte er: \u201eLass mich deine Finger auf den Gitarren-Griffleiste legen.\u201c Also legte er meine Fringer auf die Leiste und meinte wieder: \u201eSo, jetzt, jetzt spielst Du.\u201c Es war ein Debakel. Er sagte bloss: \u201eIch komme Morgen wieder.\u201c Er kam am n\u00e4chsten Tag wieder, legte erneut meine Finger auf die Saiten, so wie es angemessen war und ich begann, ich begann mit den sechs Akkorden der Steigerung, auf denen die meisten Flamenco-Songs aufbauten. Ich war ein bisschen besser an diesem zweiten Tag. Am dritten Tag steigerte ich mich wieder, ich konnte mich ein wenig verbessern. Aber ich konnte jetzt die sechs Akkord-Griffe, obwohl ich meine Finger nicht so koordinieren konnte, dass ich mit dem Daumen den korrekten Tremolo-Griff hinbekam. Ich kannte nun die Akkorde, und ich bekam sie nun sehr, sehr ordentlich hin zu diesem Zeitpunkt. Am n\u00e4chsten Tag erschien er nicht, er kam einfach nicht. Ich hatte zum Gl\u00fcck die Telefonnummer seiner Pension in Montreal. Ich rief an, um herauszufinden, warum er unsere Verabredung nicht einhalten konnte. Die sagten mir, dass er sich das Leben genommen habe, dass er Suizid begangen habe. Ich wusste nichts \u00fcber diesen Mann. Ich wusste nicht, aus welcher Region Spaniens er stammte, ich wusste nicht, warum er nach Montreal gekommen war, ich wusste nicht, warum er hier gelandet war, ich wusste nicht, warum er bei dem Tennisplatz im Park gespielt hatte, ich wusste nicht, warum er sich das Leben nahm. Nat\u00fcrlich war ich zutiefst traurig, ganz klar. Aber nun habe ich diese Geschichte, diese Umst\u00e4nde erkl\u00e4rt, geradezu in die Luft hinaus gepustet, was gleichzeitig etwas ist, \u00fcber das ich noch nie in der \u00d6ffentlichkeit gesprochen habe. &#8211; Es waren diese sechs Akkorde, dieses Griffmuster, auf denen all meine Songs, meine Musik, basieren. &#8211; So, jetzt werden Sie wohl meine innige Zuneigung und Dankbarkeit zu diesem Land verstehen. Alles, was Sie an Sch\u00f6nem f\u00fcr sich aus meiner Musik f\u00fcr sich gefunden haben, kommt von diesem Land. Alles, restlos alles, was sie in meiner Musik, in meiner Poesie an Sch\u00f6nem f\u00fcr sich gefunden haben, ist inspiriert von diesem Boden. So m\u00f6chte ich mich f\u00fcr die warme und angenehme Gastfreundschaft bedanken, die sie meinem Schaffen entgegengebracht haben, weil: all das geh\u00f6rt Ihnen allen. Und sie gestatteten mir, meine Unterschrift an das untere Ende der Buchseite zu setzen. Vielen Dank, meine Damen und Herren.\u201c *( mit grossem Dank an Uwe Schrade, der sich an die Transformation dieses Textes schon sehr fr\u00fch gewagt hat.)<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5u_7e3Tv7Uk Prince Of Asturias Award &#8211;&gt;\u00a0 Auszeichnungen \u00e0 Dieser Preis wird seit 1981 von der Stiftung Prinz von Asturien vergeben. 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