KW-21-2026: „They all come out to Montreux…“ – Das älteste Festival der Populären Musik Europas feiert 2026 sein 60. Jubiläum

„They all come out to Montreux…“

60 Jahre. Montreux. Jazz Festival.

Das älteste Festival der Populären Musik Europas feiert 2026 Jubiläum

 Text & Fotos: Prof. Dr. Christof Graf

 Machine Head (1972) von Deep Purple wurde größtenteils 1971 in Montreux aufgenommen. Die Entstehung des Albums ist eng mit der Stadt am Genfersee verknüpft und legendär: Ursprünglicher Plan: Die Band wollte das Album eigentlich im Casino von Montreux aufnehmen und hatte dafür das Rolling Stones Mobile Studio gemietet. Während eines Konzerts von Frank Zappa brannte das Casino jedoch ab (verursacht durch einen Fan mit einer Signalpistole). Dieses Ereignis wurde im weltberühmten Song „Smoke on the Water“ besungen. Deep Purple wich daraufhin in das zu dieser Zeit fast leerstehende Montreux Grand Hotel aus. Die Gänge und Treppenhäuser wurden kurzerhand zu einem provisorischen Aufnahmestudio umfunktioniert. Live aufgetreten sind Deep Purple damals beim Montreux Jazz Festival nicht. Ihr erster Auftritt fand erst 1996 statt, woraus das „Live in Montreux“-Album entstand. Seitdem traten Deep Purple weitere zehn Mal beim Montreux Jazz-Festival auf. 2026 wird es die elfte Auflage.

Neben weiteren Hauptacts wie die z.B. von Sting (4. Juli), Nick Cave (5. Juli) oder eben auch Deep Purple (13. Juli) gibt es beim 60. Montreux Jazz Festival, kurz „MJF“ genannt, aber auch über 700 kostenlose MJF-Veranstaltungen. Das Montreux Jazz Festival präsentiert sein umfangreiches Gratisprogramm, das vom 3. bis 18. Juli 2026 entlang der Seeuferpromenaden sowie in einem vollständig neu gestalteten Kongresszentrum stattfindet. Zu den Höhepunkten in diesem Jahr zählt der Duplex, der im „2m2c“ ein völlig neuartiges Cluberlebnis für elektronische Musik auf zwei Etagen bietet, das „Paloma“ das den Parc Vernex in einen Beach Club verwandelt und dort auch eine große Ausstellung feiert. Willkommen zum 60-jährigen Jubiläum des Montreux Jazz Festivals.

Nicht nur Deep Purple haben einen speziellen Bezug zu Montreux, auch David Bowie, Miles Davis, Prince, Bob Dylan oder Leonard Cohen haben einiges gemeinsam, was mit dem MJF zu tun hat. Sie alle haben schon mehrmals beim ältesten Festival Populärer Musik in Europa, beim Montreux-Jazz-Festival, gespielt. Und sie alle waren, wie fast alle Größen der Populären Musik, zu Gast im „Le Grillon“ oder „Le Picotin“, einem der Chalets von Claude Nobs, dem Gründer des Festivals, dessen Wohnhaus über dem Genfer See in der Schweiz seit 1967 quasi zur Schaltzentrale dieses legendären Festivals wurde. „Claude Nobs ist tot – Das Festival lebt weiter“, so hieß es im Januar 2013 seitens der neuen Festivalleitung nach Claude Nobs` Ableben. Nachfolger wurde Mathieu Jaton, der neue Direktor des Festivals (und Freund von Nobs).

Er lebt die Gastfreundschaft von Claude Nobs weiter und verleiht dem Montreux Jazz Festival seine intime und exklusive Ausstrahlung. Die besagten Chalets bieten seinen Gästen einen privaten Rahmen für persönliche Begegnungen jenseits des Rampenlichts. Hier treffen sich weltbekannte Künstlerinnen und Künstler zu Partys und spontanen Jam-Sessions oder um sich Aufnahmen vergangener Konzerte aus dem einzigartigen Filmarchiv des Festivals anzuschauen. Anders als bei den großen Open Air-Festivals können Stars und Fans am MJF miteinander auf Tuchfühlung gehen. Sie treffen sich an Workshops oder beim Stadtbummel. Die Musiker kommen auch darum gerne nach Montreux, weil sie sich hier in lockerem Rahmen austauschen können.

Seit den 1990 er Jahren setzte Nobs zunehmend auf das Renommee seines Festivals. Er organisierte exklusive Galas und Themenabende. Der Produzent, Arrangeur und Musiker Quincy Jones unterstützte ihn dabei. Erstmals trat mit Prince 2013 ein Künstler gleich drei Nächte hintereinander beim MJF auf. Aber auch Jung-Stars und Innovationen wurden Chancen gegeben. Mit Stevie Ray Vaughan z.B. wurde 1982 erstmals ein Musiker ohne Plattenvertrag verpflichtet. Nach seinem Auftritt engagierte ihn David Bowie als Gitarristen. Das MJF war schon immer Plattform für Karrieren wie z.B. die von Adele oder Sophie Hunger.

Nach der Gründung des Festivals 1967 holte Nobs 1973 durch seine Geschäftsbeziehungen zu globalen Plattenkonzernen wie zum Beispiel die WEA Warner Electric Atlantik die dort repräsentierten Musikerinnen zum MJF. In den 1970 er Jahren spielten diverse Stars zum ersten Mal in Montreux, die das Festival danach über Jahrzehnte begleiten und immer wieder zurückkehrten, wie z.B. 1976 Leonard Cohen, der insgesamt fünf Mal in Montreux aufgetreten ist oder eben auch Bob Dylan oder aber auch Prince und David Bowie. Von Deep Purple heißt es, dass sie inklusive ihres Besuchs zur Aufnahme ihres „Machine Head“-Albums 1971 schon elf Mal in Montreux aufgetreten sind. Vieles, quasi alles vom MJF hat seine Geschichte. Die wohl berühmteste ist jene, aus der der Welthit „Smoke On The Water“ von Deep Purple entstanden ist. Bei einem Konzert von Franz Zappa 1971 brennt das Casino Montreux nieder. Deep Purple ist vor Ort, um ihr Album aufzunehmen. Ihr vom Brand inspirierter Song machte das MJF weltberühmt.

„Inspiration Woodstock“ hieß einmal eine Überschrift bei der Ausstellung in Zürich 2018 anlässlich des 50. Montreux Jazz-Festival-Jubiläums im Rückblick.  Chaton sagt dazu: „Montreux wollte schon immer mehr als nur ein Jazzfestival sein. 1969 spielte z.B. mit Ten Years After dort die erste Rockband. 1970 trat Carlos Santana auf. Beide traten auch beim Woodstock Festival 1969 auf, das mit seiner Mischung aus Hippiegeist und Unternehmertum viele Festivals inspiriert hat und diesen Geist wollten wir auch nach Montreux einziehen lassen.“

Auch wenn Claude Nobs, der Initiator schon über 10 Jahre verstorben ist, trägt das MJF seine Handschrift und hat seine Geschichte.

Claude Nobs arbeitete ab 1960 als Buchhalter beim Tourismusbüro Montreux und organisierte zahlreiche Konzerte. 1967 fand das erste Montreux Jazz Festival unter seiner Leitung statt. 46 weitere folgten. 2010 übergab er die operative Leitung an seinen langjährigen Mitarbeiter und heutigen Direktor Mathieu Chaton.

Das erste Jazzfestival 1967 fand als dreitägiges Festival statt. 1968 dauerte das Festival vier und 1969 schon fünf Tage.

Der Tourismusort Montreux profiliert sich als Festivalstadt aber schon seit 1946, seitdem dort ein Klassik Festival ins Leben gerufen wurde. 1961 startete das europäische Fernsehfestival „Rose d`Or“, 1964 reisen die Rolling Stones zum „Rose d`Or“. Es war ihr erster Auslandsauftritt.

Das schließlich 1967 gegründete Montreux Jazz Festival ist nicht nur das führende Schweizer Festival der Jazz-, Pop- und Weltmusik, sondern auch ein weltweit anerkanntes hochkarätiges Musikprogramm mit modernster Soundtechnik und mit einer einzigartigen medialen Präsenz.

Mittlerweile gibt es auch Begleitprogramme mit Open Air-Veranstaltungen. 1993 zieht das Festival ins Kongresszentrum, wo das legendäre Auditorium Stravinsky untergebracht ist. 1998 wird die Besucherzahl von 200.000 in zwei Wochen überschritten.

Am 10. Januar 2013 verstarb Claude Nobs nach einem Unfall beim Skilanglauf. Seitdem befindet sich das Festival in den Händen von Mathieu Chaton, dessen Programm-Leitung er schon seit 2010 innehatte.

„Mehr als 7000 Konzerte wurden seit dem ersten „Recording“ aufgenommen“, sagt Mathieu Chaton. „Knapp 500 wurden bisher unter dem Label „Live in Montreux“ erst veröffentlicht. „Nicht alle Künstler haben bisher zur Veröffentlichung zugestimmt. Die Auftritte von Leoanard Cohen z.B. (1976, 1985, 2008 und 2013) sind alle aufgenommen, aber noch keines veröffentlicht“, weil die Rechte noch nicht eindeutig geklärt sind. Demnächst soll eines davon in der „Live In Montreux“-Serie veröffentlicht werden.

Das Montreux Jazz Festival 2026 feiert vom 3. bis 18. Juli seine 60. Jubiläums-Ausgabe. Nach zwei Jahren Open-Air-Format kehrt das Festival in das neu gestaltete Kongresszentrum (2m2c) am Genfersee zurück. Das vielseitige Line-up verbindet einmal mehr Ikonen der Popkultur mit Jazz-Legenden, Hip-Hop und Rock. Das abwechslungsreiche Programm ist hochkarätig besetzt. Viele Künstler geben diesen Sommer in Montreux ihre einzige Schweiz-Show. Zu den bestätigten Headlinern und Acts zählen unter anderem: Pop & Soul: John Legend, Lewis Capaldi, RAYE, Zara Larsson, Conan Gray, GIVĒONRock & Folk: Sting, Nick Cave & The Bad Seeds, Deep Purple, Van Morrison, James Taylor, Rival SonsElectronic & Urban: Moby, PinkPantheress, Tyla, The Roots, Vulfpeck. Etwa 90 % der Veranstaltungen sind kostenfrei. Entlang der Uferpromenade gibt es über 700 Konzerte, DJ-Sets und Aktivitäten. Ebenso gibt es eine exklusive Ausstellung zum 60-jährigen Jubiläum mit zahlreichem bisher noch nie gesehenem Material. Das komplette Programm der Hauptbühnen (Auditorium Stravinski, Montreux Jazz Lab) finden Ihr direkt im Montreux Jazz Festival Programm mit Infos zu einem umfangreichen Festival-Guide mit allen Infos zu Bands und Details zu den kostenlosen Events: https://www.montreuxjazzfestival.com/de/programme/