KW-42-2026: #the_damn_truth in #stuttgart? wirklich?

photo: christof graf

Kanadischer Rock’n’Roll & Die verdammte nackte Wahrheit

„The Damn Truth“ aus Montreal begeistern in Stuttgart als Vorgruppe bei „Europe“

Text & Fotos: Prof. Dr. Christof Graf

Stuttgart, 16. Oktober 2026 – Liederhalle, Beethoven-Saal, Pünktlich um 19.30 Uhr gehen die Lichter im bestuhlten Beethovensaal aus. Ein bestuhlter Saal und ein Rockkonzert? Das Publikum ist irritiert und die Gesichter zeigen alle die gleiche Frage: Wie lange wird das so bleiben? „The Damn Truth“ geben schnell Antwort. Mitreißende Gitarren, eine charismatische Frontfrau und jede Menge Siebzigerjahre-Flair lassen den ehrwürdig konservativen Saal schnell zum „Hard Rock-Club“ werden. Die kanadischen Rocker aus Montreal beweisen in der Stuttgarter Liederhalle sehr schnell, dass eine Vorband weit mehr sein kann als nur der musikalische Zeitvertreib vor dem eigentlichen Hauptact.

Zugegeben: Die Band sagte mir vor deren Konzert in Stuttgart nichts. Aber mit einer energiegeladenen Mischung aus Classic Rock, Blues und psychedelischen Einflüssen sorgt das kanadische Quartett nunmehr für einen gelungenen Wiedererkennungseffekt.

Schon beim Betreten der Bühne wird deutlich, dass THE DAMN TRUTH musikalisch und optisch eine Zeitreise in die späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre unternehmen. Schlaghosen, farbenfrohe Outfits und ein erdiger Gitarrensound erinnern an die Hochphase des klassischen Rock. Dabei wirkt der Auftritt keineswegs wie eine nostalgische Kopie vergangener Zeiten, sondern frisch, spielfreudig und ausgesprochen authentisch. Im Mittelpunkt steht die charismatische Sängerin und Rhythmusgitarristin Lee-La Baum, deren kraftvolle, leicht raue Stimme zu den großen Stärken der Band zählt. Mit ihrer leidenschaftlichen Performance und ihrer ausdrucksstarken Bühnenpräsenz zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Gesanglich lassen sich durchaus Parallelen zu Grace Slick oder Ann Wilson erkennen. Für die passenden Gitarrenriffs und melodischen Soli sorgt Tom Shemer, dessen bluesbetontes Spiel den Songs eine zusätzliche Portion Druck verleiht. Pierre-Yves „PY“ Letellier am Bass und Dave Traina am Schlagzeug bilden ein bestens aufeinander abgestimmtes Rhythmusgespann, das den Sound kraftvoll und zugleich angenehm ungekünstelt vorantreibt.

Auch die rund 45-minütige Setlist bietet einen abwechslungsreichen Querschnitt durch das musikalische Schaffen der Band. Nach dem psychedelischen Einstieg mit dem Jefferson-Airplane-Klassiker „White Rabbit“ geht es mit „Be Somebody“ und dem druckvollen „Love Outta Luck“ deutlich rockiger zur Sache. Gerade Letzterer, vom selbstbetitelten Album aus dem Jahr 2025, überzeugt mit einem markanten Gitarrenriff und einem eingängigen Refrain. Mit „The Willow“ schlagen die Kanadier anschließend ruhigere, atmosphärische Töne an und lassen ihre Vorliebe für den psychedelischen Rock der Siebzigerjahre erkennen. „This Is Who We Are Now“ und „All Night Long“ bringen dagegen wieder ordentlich Schwung in den Konzertsaal. Während „Lonely“ die gefühlvollere Seite der Band unterstreicht, setzt „Tomorrow“ einen passenden Schlusspunkt unter das kompakte Gastspiel.

Eine gewisse Herausforderung stellt die Location dar. Der vollständig bestuhlte Beethoven-Saal bietet zwar hervorragende Voraussetzungen für ein konzentriertes Konzerterlebnis, für den schweißtreibenden Retro-Rock von THE DAMN TRUTH wäre ein kleiner Club mit stehendem Publikum jedoch vermutlich die passendere Umgebung. Trotzdem gelingt es den vier Musikern, die zunächst vor allem auf EUROPE wartenden Zuschauer für sich zu gewinnen und mit ihrer unbekümmerten Spielfreude zu überzeugen. Besonders bemerkenswert ist dabei das Zusammenspiel der Band. Statt auf große Showeffekte oder übertriebene Selbstdarstellung setzen THE DAMN TRUTH auf musikalische Substanz, eingängige Songs und die natürliche Ausstrahlung ihrer Frontfrau. Dass die Kanadier ihren musikalischen Vorbildern aus den Sechziger- und Siebzigerjahren hörbar verbunden sind, lässt sich kaum überhören. Dennoch besitzen sie genügend Eigenständigkeit, um sich nicht im Schatten dieser Einflüsse zu verlieren.

Fazit: THE DAMN TRUTH erweisen sich in Stuttgart als ausgezeichnete Wahl für den Support-Slot von EUROPE. Mit einer starken Sängerin, versierten Musikern und einer gelungenen Mischung aus Blues, Psychedelic und geradlinigem Hardrock hinterlässt das Quartett einen bleibenden Eindruck. Die Spielzeit dürfte durchaus länger ausfallen. Wer die Kanadier an diesem Abend erstmals erlebt, findet bestimmt bald einen guten Grund, die Band bei nächster Gelegenheit auch auf einer eigenen Headliner-Tour zu besuchen.

Setlist – THE DAMN TRUTH, Stuttgart, Liederhalle, 16.10.2026

  1. White Rabbit (Jefferson-Airplane-Cover, Intro/Auftakt)
  2. Be Somebody
  3. Love Outta Luck
  4. The Willow
  5. This Is Who We Are Now
  6. All Night Long
  7. Lonely
  8. Tomorrow

KW-42-2026: Bob Dylan’s favourite Leonard Cohen songs and his greatest genius – – Bob Dylans Reminiszenzen an Leonard Cohen werden immer wieder gerne vom englischen FAROUT MAGAZINE aufgegriffen und ge- und repostet.

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